Weltret­tung als Ge­schäfts­mo­dell

ProZukunft - - Navigator -

Ge­mein­sam mit Wer­ner Boo­te ver­fass­te Kath­rin Hart­mann das Dreh­buch zum Film „The Gre­en Lie“(2018). Aus die­ser Zu­sam­men­ar­beit ent­stand ein auf­rüt­teln­des Buch. Do­mi­nik Gru­ber hat sich die Pu­bli­ka­ti­on ge­nau­er an­ge­se­hen und ei­ne prä­gnan­te Zu­sam­men­fas­sung for­mu­liert.

Die grü­ne Lü­ge

Was ma­chen ei­gent­lich Kon­zer­ne, wenn sie die Um­welt – et­wa durch die Pro­duk­ti­on gro­ßer Ab­fall­men­gen – schä­di­gen? Rich­tig, sie lü­gen und ma­ni­pu­lie­ren; zum Bei­spiel in­dem sie Um­welt­ka­ta­stro­phen ver­tu­schen oder vor­ge­ben, nach­hal­tig und um­welt­freund­lich zu pro­du­zie­ren, ob­wohl dies nicht der Wahr­heit ent­spricht. Für die­se weit ver­brei­te­te Stra­te­gie des Gre­en­wa­shing gibt es zahl­rei­che Bei­spie­le; ei­ni­ge da­von be­schreibt Kath­rin Hart­mann in ih­rer ak­tu­el­len Pu­bli­ka­ti­on „Die grü­ne Lü­ge“.

Die Jour­na­lis­tin Hart­mann geht da­von aus, dass sich Gre­en­wa­shing in der Re­gel der dis­kur­si­ven Stra­te­gie der Wie­der­ho­lung be­dient. Da­durch dass Un­ter­neh­men wie Nest­lé oder BP im­mer wie­der – das heißt na­he­zu ge­bets­müh­len­ar­tig – auf ihr öko­lo­gi­sches Be­wusst­sein so­wie auf ih­re zahl­rei­chen um­welt­be­zo­ge­nen (Schein-)in­itia­ti­ven hin­wei­sen, er­hal­ten ih­re „Be­mü­hun­gen“zu­min­dest so­weit Gel­tung, dass Kri­tik re­la­ti­viert und ab­ge­wehrt wer­den kann. Oft­mals klappt die­se Stra­te­gie so gut, dass es nicht die Fir­men sind, die sich „für ih­re Zer­stö­rung recht­fer­ti­gen [müs­sen] – son­dern ih­re Kri­ti­ker für die Kri­tik“(S. 21). Ein wei­te­rer „Ta­schen­spie­ler­trick“ist das Ar­gu­ment des „klei­nen Bei­trags“; so ge­ben die Kon­zer­ne häu­fig vor, dass auch sie – wie al­le an­de­ren – ih­ren Bei­trag

zum Kli­ma- und Um­welt­schutz leis­ten. Ins­ge­samt wür­de sich so al­les zum Po­si­ti­ven ent­wi­ckeln. Die­se Darstel­lung der Din­ge soll ver­ges­sen ma­chen, dass Aus­beu­tung und Um­welt­schä­den kei­ne bei­läu­fi­gen und ver­meid­ba­ren „Ne­ben­pro­duk­te“ka­pi­ta­lis­ti­scher Ver­wer­tung dar­stel­len, son­dern viel­mehr die Grund­la­ge des Pro­fits dar­stel­len. Da­bei ist zu be­den­ken, dass auch die Kon­su­men­tin­nen ei­nen we­sent­li­chen Bei­trag zur Sta­bi­li­sie­rung der „nach­hal­ti­gen“Um­welt­zer­stö­rung spie­len. Vie­len Men­schen ist die „grü­ne Lü­ge“so­gar ge­nehm, denn sie be­ru­higt das Ge­wis­sen und be­för­dert den Glau­ben, „dass al­les so wei­ter­ge­hen kann wie bis­her“(S. 23). Un­an­ge­neh­mes wie die Um­welt­zer­stö­rung so­wie die ver­hee­rends­ten so­zia­len Fol­gen ka­pi­ta­lis­ti­scher Aus­beu­tung wer­den ex­ter­na­li­siert, al­so den Men­schen an­de­rer Län­der und Kon­ti­nen­te auf­ge­bür­det, ob­wohl Eu­ro­pa zu je­nen Tei­len der Er­de zählt, die so­wohl in Be­zug auf den Kli­ma­wan­del als auch auf die in An­spruch ge­nom­me­nen Agrar­flä­chen ei­nen gro­ßen „öko­lo­gi­schen Fuß­ab­druck“auf­wei­sen. Es ist wohl nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis sich die­ser kol­lek­ti­ve Selbst­be­trug an je­nen rächt, die ihn voll­füh­ren und von ihm pro­fi­tie­ren. D. G. Gre­en­wa­shing

67 Hart­mann, Kath­rin: Die grü­ne Lü­ge. Weltret­tung als pro­fi­ta­bles Ge­schäfts­mo­dell. Mün­chen: Karl Bles­sing Verl., 2018. 240 S., € 15,- [D], 15,50 [A]

„Den grü­nen Lü­gen von Wachs­tum, Wohl­stand und Weltret­tung kön­nen wir nur ge­mein­sam, im glo­ba­len Kol­lek­tiv ent­ge­gen­tre­ten.“(Kath­rin Hart­mann in , S. 213)

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.