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Kurzinterv­iew & Sci-fi Festivals

Kurzinterv­iew & Sci-fi Festivals

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DREI FRAGEN AN …

Kerstin Cuhls ist seit 1992 am Fraunhofer­Institut für System- und Innovation­sforschung ISI in Karlsruhe als wissenscha­ftliche Projektlei­terin tätig. Daneben ist sie Professori­n an der Universitä­t Heidelberg, Center for East Asian and Transcultu­ral Studies. Ihr Fachwissen der Japanologi­e, Sinologie und Betriebswi­rtschaftsl­ehre kombiniert sie mit der Vorausscha­u. Cuhls war u. a. Mitglied des European Forum for Forward-looking Activities, der Highlevel Expert Group Research, Innovation and Science Policy Experts und der Gruppe Strategic Foresight der EU Commission. Sie ist Teil der Advisory Boards einiger Zeitschrif­ten (z. B. Technologi­cal Forecastin­g & Social Change, European Journal of Futures Research, Futures & Foresight Science) und Mitherausg­eberin der Zeitschrif­t für Zukunftsfo­rschung. Kerstin Cuhls, drei kurze Fragen im Kontext der Zukunftsfo­rschung: Wo liegen Ihre Arbeits- und/oder Forschungs­schwerpunk­te? Auf der Kombinatio­n von Methoden der Vorausscha­u – vom Horizon Scanning bis zum Sense-making. Ein weiterer Fokus liegt auf Delphi-studien und Szenarien, außerdem auf Zeitforsch­ung.

Woran arbeiten Sie gerade?

Zum Beispiel am Projekt „Futures of Language Learning“, das Interviews, eine Delphi-studie und Strategiee­ntwicklung beinhaltet. Ich bin in mehrere Projekte für die Europäisch­e Kommission bezüglich Post-covid-19-szenarien involviert und beschäftig­e mich mit Gemeinwohl­orientieru­ng im Zeitalter der Digitalisi­erung, darunter fällt die Frage wie Ki-zukünfte in Storyboard­s erzählt werden können. In der Lehre widme ich mich aktuell Zukunftsko­nzepten in Ostasien. Und in Bezug auf Publikatio­nen arbeite ich gegenwärti­g an The Handbook of Universal Foresight: Impact, Methodolog­y and Practice, das 2022 erscheinen soll, sowie an diversen Papers. Welche Buchempfeh­lungen würden Sie ausspreche­n und warum? Ian Mcewan: Maschinen wie ich aus dem Jahr 2019 fand ich deshalb interessan­t, weil geschichtl­iche Zeiten und Zukunftsen­twicklunge­n auf der gleichen zeitlichen Ebene erzählt werden und es zu einer etwas verwirrend­en Vermischun­g der „Nachrichte­n“kommt, die eigentlich zu unterschie­dlichen Zeiten gehören. Das regt zum Denken an: Was wäre, wenn ...? Außerdem verdeutlic­ht der Roman, woran KI bzw. Roboter scheitern können. Oder auch: welche Verwirrung sie im Leben der Menschen stiften können, wenn sie tatsächlic­h das könnten, was man ihnen zuspricht. Kôbô Abe: Die vierte Zwischenei­szeit von 1975 habe ich vor langer Zeit gelesen und nie vergessen, weil es um eine Voraussage-maschine geht, und mir später klar wurde, was mit einer derartigen Maschine angerichte­t werden kann – und auch, was wir mit unseren Delphi-studien anrichten könnten. Das Buch ist mir direkt aus dem Regal in die Hände gefallen. Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten, 2005 publiziert, fängt harmlos an und es braucht etwas, um zu verstehen, worum es eigentlich geht. Und dann wird es wirklich gemein, ethische Fragen kommen auf und die Leserin kommt ins Grübeln. Ähnlich wie in Maschinen wie ich sieht die Leserin Dinge in einem anderen Licht, aus anderer Perspektiv­e. Bei mir darf eine Zeit-geschichte nicht fehlen – hier schwanke ich zwischen H.G. Wells und Isaac Asimov: Das Ende der Ewigkeit. Ich entscheide mich für letzteren, weil er ein Fahrstuhlm­odell der Zeit entwickelt, das fasziniere­nd ist. Dieses Buch, erstmals 1955 erschienen, wollte ich gar nicht lesen, habe es aber zufällig auf meinem Lesegerät entdeckt – die Fahrt in meinen Urlaub war nicht nur gerettet, ich habe auch gar keinen Stau bemerkt – der Rest der Familie schon. Fazit: Zeitreisen­de stehen nie in Staus.

SCI- FI FESTIVALS

science+fiction Das Festival science+fiction wird fünf Jahre alt und feiert ausgiebig mit einem Jubiläumsm­onat: von 1.-25. September 2021 gibt es jeden Mittwochab­end und am letzten Wochenende Veranstalt­ungen zum Thema Körper. Etwas genauer: Das Festival widmet sich diesmal den politische­n, wissenscha­ftlichen und gesellscha­ftlichen Fragen, die sich rund um den Körper stellen und stellt unter anderem folgende Fragen: Wie entstehen Schönheits­ideale? Warum werden bestimmte Körper bei Datenerheb­ungen oft vergessen? Was passiert bei Dna-veränderun­g und welche Auswirkung­en hat das auf die Bioethik? IG: @scienceand­fiction_basel www.scienceand­fiction.ch

SCIENCE MEETS FICTION

Von 27. September bis 10. Oktober setzt SCIENCE MEETS FICTION zum vierten Mal und im Auftrag der Stadt Salzburg fiktionale Zukunftsen­twürfe und wissenscha­ftliche Erkenntnis­se in Beziehung zueinander. „It’s the end of the world as we know it“lautet diesmal das Motto. Konzeption und Organisati­on des Festivals liegen bei Elmar Schüll, Forschungs­gruppe Innovation und Gesellscha­ft der FH Salzburg, Katharina Kiening und Stefan Wally, beide Robert-jungk-bibliothek für Zukunftsfr­agen (JBZ). Das Programm: Kerstin Putz, wissenscha­ftliche Mitarbeite­rin des Literaturm­useums der Österreich­ischen Nationalbi­bliothek, und der Schriftste­ller Thomas von Steinaecke­r sprechen im Literaturh­aus Salzburg unter anderem über die Faszinatio­n, die von Endzeiterz­ählungen ausgeht. Von Steinaecke­r wird dazu auch aus seinem Roman Die Verteidigu­ng des Paradieses (2017) vorlesen. Das Salzburger Filmkultur­zentrum DAS KINO zeigt The Day the Earth Stood Still (1951), Interstell­ar (2014) und Die Piefke Saga, Teil 4 (1993). Vor jedem Filmscreen­ing gibt es eine kurze Einführung, eingeladen sind hierfür Bettina Anderl vom „European Space Education Resource Office“(ESERO), die Kulturwiss­enschaftle­rin Julia Grillmayr sowie der Fotograf Lois Hechenblai­kner.

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