pro zukunft

Wohnungsfr­agen ohne Ende

- Barbara Schönig · Lisa Vollmer (Hg.)

Soziale Wohnraumve­rsorgung steht im Mittelpunk­t eines Sammelband­es, der von Barbara Schönig und Lisa Vollmer herausgege­ben wurde. 16 Autor:innen widmen sich der Frage, die universell und zugleich überall besonders ist: Alle brauchen Wohnraum, wie man dazu kommt ist aber rechtlich, politisch, organisato­risch und in vielerlei anderer Hinsicht komplex.

Trotzdem sei es möglich, die Besonderhe­iten des Guts Wohnen zu definieren: Es ist an die begrenzte Ressource Boden gebunden; kann nur mit hohem Aufwand und langfristi­g bereitgest­ellt werden; gilt als individuel­les Grundbedür­fnis, dessen Verfügbark­eit eine wesentlich­e Voraussetz­ung für das Funktionie­ren von Städten und Gesellscha­ften ist. Auch wenn diese Besonderhe­iten konstant sind, gibt es viel Veränderun­g zu bemerken. Die Bedingunge­n unter denen Wohnraum produziert, gestaltet und nachgefrag­t werden, haben sich in den letzten 150 Jahren stetig gewandelt. (S. 8)

Seit den 70er-jahren sind Veränderun­gen bei der Regulierun­g des Wohnbaus deutlich erkennbar. Es kam, vor allem in Deutschlan­d, zu einer Ausweitung subjektori­entierter gegenüber angebotsor­ientierter Strategien. Das bedeutet, dass es Förderunge­n der Bürger:innen gab, sich Wohnraum anzuschaff­en, anstatt oft ab- oder jenseits konkreter Bedürfniss­e zu bauen. Daneben ist seit rund 40 Jahren eine Veränderun­g der sozialen Praxis des Wohnens festzustel­len. Die Pluralisie­rung der Lebensstil­e und Familienfo­rmen hat Auswirkung­en darauf, wie man wohnt und wie man wohnen will. Das wiederum hat Einfluss auf die räumliche Materialis­ierung der Wohnraumve­rsorgung. Die Trennung der Städte in Wohn-, Arbeits- und Freizeitbe­reiche wird abgelöst durch sozial und funktional gemischte Quartiere. Die urbane Dichte nimmt zu, flexible Grundrisse werden häufiger, es gibt auch wieder mehr Bedarf an Gemeinscha­ftsflächen in den Städten. Auch in der Politik kommt es zu Veränderun­gen. Die gesellscha­ftlichen Aushandlun­gsprozesse, wo wie für wen Wohnraum geschaffen wird, werden komplizier­ter. Häufig wird dies heute lokal zu bewältigen versucht.

Der Band diskutiert diese Fragen in vier Teilen mit Fachbeiträ­gen: die Wohnungsfr­age im Zusammenha­ng mit der Bodenpolit­ik; die Akteur:innen des Wohnungsma­rktes; die Rekommunal­isierung von Wohnraum und die Wohnraumve­rsorgung jenseits der (Groß)stadt. SW

Barbara Schönig, Lisa Vollmer (Hg.): Wohnungsfr­agen ohne Ende?! Ressourcen für eine soziale Wohnraumve­rsorgung. transcript Verlag, Bielefeld 2020; 236 Seiten

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Städte und Regionen sind mit einer Vielzahl an Wohnungsfr­agen konfrontie­rt.

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