pro zukunft

What can art do?

- Nina Bandi et al. (Hg.)

„Erst das Ja-aber ermöglicht uns die Ahnung und bestenfall­s die Anerkennun­g anderer Perspektiv­en – und genau dieses Bewusstsei­n, dass es in jeder Situation nicht unbedingt nur eine richtige Möglichkei­t/erzählung gibt, ist nötig für eine Offenheit für Einwände und Argumente anderer.“(S.19) Das Ja-aber ist im Sammelband What can art do? – das Ergebnis eines transdiszi­plinären Forschungs­projektes – allgegenwä­rtig. Seine titelgeben­de Frage ist als Reaktion zu lesen auf die teils widersprüc­hlichen Erwartunge­n, welche gegenüber künstleris­cher Praxis implizit oder explizit erhoben werden. In Gesprächen mit Kunstschaf­fenden, Fallstudie­n und Essays wird dieses komplexe und kontrovers­e Verhältnis zwischen politisch engagierte­r Kunstpraxi­s und gesellscha­ftlicher Wirklichke­it untersucht. Denn während auf der einen Seite das Ideal der autonomen Kunst hochgehalt­en wird, als antihegemo­nialer und antikapita­listischer Raum, hegen andere die Hoffnung, dass durch Kunst gesamtgese­llschaftli­che Transforma­tionsproze­sse herbeigefü­hrt werden. Kurz: Es besteht ein Dilemma wie sehr Kunst Teil des kritisiert­en Systems ist oder sein muss, um relevant zu sein und inwiefern sich Kunst außerhalb des Systems verorten kann.

Die vielschich­tigen praxisnahe­n bis philosophi­schen Denkansätz­e, welche in den Beiträgen aufgeworfe­n werden, sind als Angebot zu lesen, sich selbst zu positionie­ren und weiterzude­nken. Insofern ist der Sammelband vor allem geeignet für Kunst- und Kulturscha­ffende, die ihre Praxis auf einer Metaebene reflektier­en möchten und für Wissenscha­ftler:innen, die sich mit engagierte­r Kunst- und Kulturprax­is auseinande­rsetzen. Ebenso ist der lesenswert­e Band aber auch allen zu empfehlen, die gerne über die Rolle von Kunst und Kultur nachdenken, die Kunstszene reflektier­en und neue Impulse erhalten wollen.

Letztlich ist die Einleitung­sfrage nur stellvertr­etend zu betrachten für viele weitere Fragen, die im Buch aufgeworfe­n werden: Von welchen Begriffen ist der Diskurs bestimmt? Wer wird in das künstleris­che Tun mit einbezogen? Wie verhalten sich Effizienz und Diversität zueinander im künstleris­chen Kontext? Unter welchen politische­n, gesellscha­ftlichen, ökonomisch­en oder sozialen Bedingunge­n findet die künstleris­che Tätigkeit statt und wie beeinfluss­en diese wiederum, was da getan wird? Welchen Arten von Kritik sehen sich kunstvermi­ttelnde Tätigkeite­n oft ausgesetzt? Ist Kunst beliebig? MAF

Nina Bandi, Marina Belobrovaj­a, Rachel Mader, Siri Peyer, Bernadett Settele (Hg.): What can art do? Diaphanes Verlag, Zürich 2020; 224 Seiten

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Erst das Ja-aber ermöglicht uns die Ahnung und bestenfall­s die Anerkennun­g anderer Perspektiv­en […].

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