Star­ke Wur­zeln in Eu­ro­pa

Fpö-hoff­nung. Bar­ba­ra Kappel for­dert ei­nen na­tio­na­len Schul­ter­schluss bei der Kon­so­li­die­rung des Haus­halts.

Salzburger Nachrichten - - Die Seite Drei - FRITZ PESSL

Bar­ba­ra Kappel ist die Zu­kunfts­hoff­nung der FPÖ in Sa­chen Wirt­schafts­kom­pe­tenz. Für Par­tei­chef Heinz-chris­ti­an Stra­che ist die ge­bür­ti­ge Ti­ro­le­rin die Ver­bin­dungs­frau zu In­dus­trie und Wirt­schaft, er be­zeich­ne­te Kappel bei ei­nem Par­tei­tag als mög­li­che Fi­nanz­mi­nis­te­rin. Kappel ist pro­mo­vier­te So­zi­al- und Wirt­schafts­wis­sen­schaf­te­rin. Seit 2006 lei­tet sie als Ge­schäfts­füh­re­rin die Aus­tri­an Tech­no­lo­gies Gmbh und seit 2010 sitzt sie für die FPÖ im Wie­ner Ge­mein­de­rat. Kappel gilt als ehr­gei­zig, kar­rie­r­e­be­wusst, mit Deutsch­tü­me­lei hat sie nichts am Hut.

SN: Was wür­den Sie an­ders bzw. bes­ser ma­chen als Fi­nanz­mi­nis­te­rin Ma­ria Fek­ter?

Kappel: Die Din­ge lie­gen auf dem Tisch, man braucht nichts neu er­fin­den. Der Rech­nungs­hof hat 599 Re­form­vor­schlä­ge auf­be­rei­tet, die end­lich um­ge­setzt wer­den sol­len. Nie­mand hin­dert die Re­gie­rung, ih­re Haus­auf­ga­ben zu ma­chen. Die zwei Mil­li­ar­den Eu­ro – und die in der Fol­ge bis 2017 not­wen­di­gen wei­te­ren fünf Mil­li­ar­den – müs­sen nach­hal­tig durch Re­for­men in der Ver­wal­tung, bei Pen­sio­nen, Ge­sund­heit und bei den För­de­run­gen ein­ge­spart wer­den. Ein­nah­men­er­hö­hun­gen oder neue Steu­ern leh­nen wir aus­drück­lich ab, weil sie kon­tra­pro­duk­tiv sind und sich ne­ga­tiv auf Wachs­tum un­d­wett­be­werbs­fä­hig­keit aus­wir­ken.

SN: Mal ganz ehr­lich, Sie wol­len kurz­fris­tig sie­ben Mil­li­ar­den Eu­ro al­lein durch Re­for­men ein­spa­ren. Geht die­se For­de­rung nicht an der Re­al­po­li­tik vor­bei?

Kappel: Je­den­falls müs­sen in ei­nem ers­ten Schritt al­le Re­form­maß­nah­men vor­ge­nom­men und das ge­sam­te Spar­po­ten­zi­al aus­ge­schöpft wer­den. Und wenn das nicht aus­reicht, kann man nur auf ei­ne der gro­ßen Mas­sen­steu­ern ge­hen. Das ei­ne ist die Mehr­wert­steu­er, das an­de­re die Lohn­steu­er. Bei der Lohn­steu­er muss man eher re­du­zie­ren, da­mit der Kon­sum nicht zum Er­lie­gen kommt. Wahr­schein­lich wird als Ma­nö­vrier­mas­se nur noch die Mehr­wert­steu­er blei­ben. Da müss­te man den Bür­gern sa­gen, mög­li­cher­wei­se brau­chen wir ei­ne So­li­dar­ab­ga­be von drei bis fünf Jah­ren für die Haus­halts­kon­so­li­die­rung. Aber wirk­lich be­fris­tet und ma­xi­mal um zwei Pro- zent­punk­te. Aber das ist na­tür­lich sehr un­po­pu­lär, so et­was an­zu­spre­chen.

SN: Sie ha­ben sich in der Ver­gan­gen­heit bei der Lohn­steu­er für ei­ne Flat Tax von ge­ne­rell 25 Pro­zent stark­ge­macht.

Kappel: Da­von sind wir ab­ge­gan­gen, wir ha­ben jetzt nicht den Spiel­raum für ei­ne grö­ße­re Lohn­steu­er­sen­kung. Mit­tel­fris­tig, wenn das Spar­ziel er­reicht ist, sol­len die Bür­ger ent­las­tet wer­den. Wir wol­len den Ein­gangs­steu­er­satz, der ak­tu­ell bei 36,5 Pro­zent liegt, auf 25 Pro­zent ab­sen­ken. Und den Höchst­satz für die Ein­kom­mens­steu­er von 60.000 auf 80.000 Eu­ro an­he­ben.

SN: Wie frus­trie­rend ist es, dass die FPÖ von der Re­gie­rung völ­lig aus­ge­grenzt wird?

Kappel: Das Ar­gu­ment des Bun­des­kanz­lers war, nicht mit ei­ner eu­ro­pa­feind­li­chen Par­tei in Ge­sprä­che ein­zu­tre­ten. Die­ses Image der FPÖ stimmt nicht. Wir ha­ben star­ke Wur­zeln in Eu­ro­pa, wir wol­len Ös­ter­reich als Eu­ro­land und als Eu-mit­glied. Es kom­men manch­mal kri­ti­sche Aus­sa­gen durch Fpö-spit­zen­funk­tio­nä­re. Kri­tisch zu sein be­deu­tet aber nicht, et­was ab­zu­leh­nen, ich bin auch mir selbst ge­gen­über kri­tisch.

Ich glau­be, dass wir in ei­ner so schwie­ri­gen Zeit sind, in der die SPÖ über­le­gen muss, ob sie mit der Aus­gren­zungs­po­li­tik fort­fah­ren kann. Das ist für das Land schlecht. Es be­darf ei­nes na­tio­na­len Schul­ter­schlus­ses, ei­ner Kraft­an­stren­gung al­ler. Wie wol­len SPÖ und ÖVP sie­ben Mil­li­ar­den ein­spa­ren, wo sie in ers­ter Li­nie Kli­en­tel­po­li­tik ma­chen? Es ist un­de­mo­kra­tisch, ein Vier­tel der Wäh­ler aus­zu­gren­zen.

SN: An­de­res The­ma. Jörg Hai­der hat einst für Fpö-po­li­ti­ker ei­ne Höch­st­ein­kom­mens­gren­ze fest­ge­legt. Sind Sie auch da­für oder hät­ten Sie lie­ber hö­he­re Ge­häl­ter für Po­li­ti­ker?

Kappel: Ich bin ge­ne­rell der Mei­nung, dass Po­li­ti­ker or­dent­lich be­zahlt wer­den sol­len. Ich hal­te nichts von Be­schrän­kun­gen für ei­ne Grup­pe von Po­li­ti­kern, die es in der Jörg-hai­der-zeit gab. Die Ge­häl­ter in Zei­ten wie die­sen zu er­hö­hen wä­re das fal­sche Si­gnal. Die Politik soll mit gu­tem Bei­spiel vor­an­ge­hen, al­so ei­ne Null­lohn­run­de.

Ad­äqua­te Ge­häl­ter für Ma­na­ger und Po­li­ti­ker könn­te man nach Be­wäl­ti­gung der Kri­se auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne dis­ku­tie­ren. Füh­rungs­kräf­te ste­hen im Wett­be­werb in Eu­ro­pa – das ist ja al­les ver­gleich­bar.

Bild: SN

Bar­ba­ra Kappel gilt als Fpö-zu­kunfts­hoff­nung im Be­reich Wirt­schaft und Fi­nan­zen und als Ver­bin­dungs­frau zu In­dus­tri­el­len. Die Mitt­vier­zi­ge­rin ist elo­quent, ehr­gei­zig und sach­ori­en­tiert.

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