Da­ten­dieb war ein In­si­der

Pa­ti­en­ten­da­ten. Was der Da­ten­klau beim Apo­the­ker­ver­lag und die Elek­tro­ni­sche Ge­sund­heits­ak­te mit­ein­an­der zu tun ha­ben und wes­halb hier ein Pro­fi zu­ge­schla­gen hat.

Salzburger Nachrichten - - Österreich -

WI­EN (SN-par). Ein „Pro­fi mit In­si­der­wis­sen, ein Bran­chen­ken­ner“muss da am Werk ge­we­sen sein. Da ist sich Mar­tin Trax­ler, Ge­schäfts­füh­rer des Ös­ter­rei­chi­schen Apo­the­ker­ver­lags, si­cher. „Je­mand an­de­rer konn­te nicht wis­sen, dass wir über­haupt über Pa­ti­en­ten­da­ten ver­fü­gen“, er­klärt er im SN-Ge­spräch. Es sei nur zeit­lich be­grenzt wäh­rend War­tungs- und Ak­tua­li­sie­rungs­ar­bei­ten der Soft­ware der Fall, dass der Ver­lag Apo­the­ken zur Ver­fü­gung steht. Und ge­nau da­bei sei­en die 2,7 Mill. Da­ten­sät­ze mit 2000 Pa­ti­en­ten­na­men ko­piert wor­den, die „News“zu­ge­spielt wor­den wa­ren. Auch die „Apo­the­ken­in­for­ma­ti­on“von Bun­des­prä­si­dent Heinz Fi­scher war dar­un­ter.

Trax­ler schließt aber aus, dass es sich bei dem Tä­ter um ei­nen (ehe­ma­li­gen) Mit­ar­bei­ter han­deln könn­te. „Bei uns ist nie­mand in Un­frie­den ge­gan­gen“, sagt er im SN-Ge­spräch. Er be­tont auch, dass sich so ein Vor­fall seit 2011 nicht mehr wie­der­holt ha­be und nicht mehr wie­der­ho­len kön­ne. „Wir ha­ben die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen mitt­ler­wei­le ver­schärft. Die Da­ten wer­den heu­te ver­schlüs­selt“, sagt er.

Die Ärz­te­kam­mer be­zwei­felt, dass die­se Schutz­maß­nah­men aus­rei­chen. „Es gibt ganz of­fen­sicht­lich bei elek­tro­nisch ge­spei­cher­ten Ge­sund­heits­da­ten kei­nen wirk­sa­men Schutz vor Da­ten­dieb­stahl und Miss­brauch“, er­klär­te ihr Vi­ze­prä­si­dent, Jo­han­nes Stein­hart. Er lehnt des­halb nach wie vor die Elek­tro­ni­sche Ge­sund- heits­ak­te (ELGA) ab, mit der sämt­li­che Pa­ti­en­ten­da­ten ab Ju­li 2015 in al­len Arzt­pra­xen Ös­ter­reichs ab­ruf­bar sein sol­len. De­ren Test­be­trieb soll schon kom­men­des Jahr star­ten. Stein­hart fürch­tet den „glä­ser­nen Men­schen“, so­bald ne­ben dem Pa­ti­en­ten die Ärz­te, La­bors, Spi­tä­ler über die ECard die ge­sam­te Kran­ken­ge- schich­te und La­bor­be­fun­de ab­ru­fen kön­nen.

Noch ist das Pro­jekt in Kin­der­schu­hen. Die zu­stän­di­ge ELGA-GmbH bas­telt ge­ra­de an der Da­ten­bank mit den Zu­griffs­be­rech­ti­gun­gen. Je­der Zu­griff ist auf vier Wo­chen be­fris­tet und muss pe­ni­bel do­ku­men­tiert wer­den. Die Ge­sund­heits­da­ten dür­fen nicht zen­tral ge­spei­chert wer­den, son­dern müs­sen bei den ein­zel­nen Apo­the­ken, Ärz­ten, Spi­tä­lern, La­bors und So­zi­al­ver­si­che­rungs­trä­gern ver­blei­ben. „Wir spei­chern bis auf die Zu­griffs­pro­to­kol­le über­haupt kei­ne Ge­sund­heits­da­ten. Des­halb kön­nen sie auch nicht bei uns ge­stoh­len wer­den“, be­tont Su­san­ne Her­bek, Ge­schäfts­füh­re­rin der ELGA-Gmbh. Da­her ha­be der Da­ten­klau beim Apo­the­ker­ver­band auch nichts mit ELGA zu tun. Hier wür­den „Äp­fel mit Bir­nen“ver­g­li­chen. Ganz so sieht das Da­ten­schutz­ex­per­te Andre­as Krisch nicht: „ELGA führt Da­ten zu­sam­men. Ist das ein­mal pas­siert, wer­den sie auch ver­wen­det.“

Nach An­zei­ge der Apo­the­ker­kam­mer ist jetzt die Staats­an­walt­schaft Wi­en am Zug.

Bild: SN/AETB - FO­TO­LIA

Vor Ha­ckern ist kei­ne Da­ten­bank völ­lig si­cher.

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