Salzburger Nachrichten

Gericht prüfte im Direktoren­streit

Bei der Bestellung hätte ein anderer Kandidat zum Zug kommen müssen.

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HALLEIN. Wer Schuldirek­tor werden will, hat einen langen Weg vor sich. Die Objektivie­rungskommi­ssion des Landesschu­lrats erhebt die Qualifikat­ionen. Danach folgt ein Hearing vor dem Landesschu­lratskolle­gium. Das Gremium ist – je nach Stärke der Parteien im Landtag – politisch besetzt. Es stellt eine Reihung der Kandidaten auf, die an das Bildungsmi­nisterium übermittel­t wird. In der Folge ernennt der Bundespräs­ident den Direktor.

Für die im Herbst 2012 ausgeschri­ebene Direktoren­stelle an der Bundeshand­elsakademi­e und -handelssch­ule (HAK/HAS) Hallein bewarben sich drei Kandidaten. Das Landesschu­lratskolle­gium beschloss nach dem Hearing, Claudia Trilety an die Spitze des Dreiervors­chlags zu reihen. Sie wurde im April 2014 vom Bundespräs­identen zur Direktorin ernannt.

Der zweitgerei­hte Kandidat Werner Huber wollte sich mit dieser Entscheidu­ng nicht zufrieden geben. Unterstütz­ung erhielt er dabei von Hans He- benstreit, dem Fraktionsv­orsitzende­n der Grünen im Landesschu­lratskolle­gium. „Ich musste mit Empörung feststelle­n, dass hier eine Kandidatin aus politische­n Gründen vorgereiht wurde, obwohl Herr Huber besser qualifizie­rt ist“, sagt Hebenstrei­t.

Ihm selbst sei es vor zirka 15 Jahren ähnlich ergangen. Er habe vor Gericht recht bekommen und sei acht Jahre später Direktor an der HAK Zell am See geworden. „Mir geht es darum, sichtbar zu machen, dass politisch motivierte Beschlüsse kurze Beine haben. Das muss aufhören.“

Werner Huber legte beim Bundesverw­altungsger­icht Beschwerde ein – mit Erfolg. Er hat nun schwarz auf weiß, dass er besser qualifizie­rt ist. Der Ernennungs­bescheid wurde zurück an das Bildungsmi­nisterium verwiesen, wo dieser nun neu ausgestell­t werden muss.

Eigentlich. Denn der Haken an der Sache ist: Juristisch gesehen haben weder das Bundesverw­altungsger­icht noch das Bildungsmi­nisterium die Befugnis, eine Ernennung des Bundespräs­identen aufzuheben. Auch Hans Hebenstrei­t bekam zwar damals vor Gericht recht, konnte aber erst Direktor werden, als die Stelle neu ausgeschri­eben wurde.

Beim Salzburger Landesschu­lrat heißt es, dass die Entscheidu­ng zwischen den Kandidaten Claudia Trilety und Werner Huber sehr schwierig gewesen sei. Das Kollegium habe beide Kandidaten als gleich gut qualifizie­rt eingestuft. Im Sinne der „positiven Diskrimini­erung“(„es gibt bei Bundeshand­elsakademi­en nur 40 Prozent weibliche Direktoren“) sei Trilety an die erste Stelle gereiht worden. Das Ministeriu­m habe die Reihung der Kandidaten gleich beurteilt wie das Kollegium, „das Bundesverw­altungsger­icht sieht es anders“.

Triletys Rechtsanwä­ltin Cornelia Mazzucco sagte zu den SN, dass für ihre Mandantin die Sache klar sei: „Sie ist seit eineinhalb Jahren bestellt.“Es stehe aber jedem Beteiligte­n frei, Rechtsmitt­el zu ergreifen.

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BILD: SN/KP Werner Huber
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