Ein Zeich­ner lädt in die Schatz­höh­le

Con­stan­tin Lu­ser zähmt im Gra­zer Kunst­haus mit Mu­sik die Bes­tie.

Salzburger Nachrichten - - KULTUR - Con­stan­tin Lu­ser, Mu­sik zähmt die Bes­tie, Kunst­haus Graz, bis 1. Mai.

Er sitzt im gol­de­nen Kä­fig und lässt sich von au­ßen be­schal­len: Das Pu­bli­kum kann über ma­nie­ris­tisch ge­läng­te Jagd­hör­ner Tö­ne in das In­ne­re der von Con­stan­tin Lu­ser er­rich­te­ten Schatz­kam­mer bla­sen – dort­hin, wo der 40-jäh­ri­ge Künst­ler die Ko­pie ei­nes sei­ner ta­ge­buch­ar­ti­gen No­tiz­bü­cher als Pre­tio­se prä­sen­tiert. Oder ist die­se Schatz­höh­le gar ein ge­lan­de­tes uto­pi­sches Raum­schiff? Oder ein gi­gan­ti­scher Dia­mant aus Mes­sing?

Die Ori­gi­na­le der pri­va­ten No­tiz­bü­cher, die als vi­su­el­le Spei­cher der Ge­dan­ken und Ide­en Lu­sers die­nen, gibt der Künst­ler nicht aus der Hand. Die Re­pro­duk­ti­on steht aber im Zen­trum ei­ner „Ak­ku­mu­la­tor“be­ti­tel­ten In­stal­la­ti­on, die wie ein Zell­kern ei­nes künst­le­ri­schen Werks im or­ga­nisch auf­ge­bau­ten Space 01 im Gra­zer Kunst­haus po­si­tio­niert ist.

„Der An­fang, das En­de: Alep­po in Flam­men“steht auf ei­ner Sei­te im üp­pig ge­füll­ten Ta­ge­buch zu le­sen, und wenn man wei­ter­blät­tert, stößt man auf Skiz­zen der Lu­ser’schen Flug­in­stru­men­te, auf Aus­flü­ge in ein fan­ta­sie­vol­les „Klin­gen­thal“oder man er­fährt et­was über den Auf­bau ei­ner höchst ei­gen­tüm­lich an­mu­ten­den „Streich­ma­schi­ne“. Spä­tes­tens hier be­merkt man, dass der Gra­zer Künst­ler mit der ab­ge- schlos­se­nen In­dus­trie-De­sign-Aus­bil­dung von der Zeich­nung kommt und die­se gra­fi­sche Mi­nia­tu­ren viel­fäl­tig aus­baut. Sei­ne Zei­chen­wel­ten kön­nen in mons­trö­se, aber auch hu­mor­vol­le Skulp­tu­ren mün­den, Wän­de, Bö­den und De­cken aus­fül­len oder in poe­ti­sche – jen­seits ei­ner Prä­sen­ta­ti­on im whi­te cu­be fast zu über­se­hen­de – drei­di­men­sio­na­le Draht­zeich­nun­gen über­führt wer­den.

In der Per­so­nal­aus­stel­lung „Mu­sik zähmt die Bes­tie“in sei­ner Hei­mat­stadt brei­tet Con­stan­tin Lu­ser sei­nen sub­jek­ti­ven Kunst­kos­mos aus. In en­ger Be­zie­hung zur do­mi­nan­ten Ar­chi­tek­tur der blau­en Bla­se plat­ziert der 40-Jäh­ri­ge äl­te­re wie neue­re Ar­bei­ten und ver­netzt die­se durch Bo­den­zeich­nun­gen, be­geh­ba­re Zeich­nun­gen und ein raf­fi­nier­tes Spiel aus Licht und Schat- ten. Katrin Bu­cher Tran­tow und Ka­tia Hu­e­mer, die bei­den Ku­ra­to­rin­nen der Schau, ma­chen die bei­den Ho­ri­zon­te in der Kunst von Con­stan­tin Lu­ser – „die Lust an der hand­werk­li­chen Gestal­tung und die raum­grei­fen­de Bild­haue­rei“– sicht- , spür- und er­leb­bar.

In­ter­ak­ti­vi­tät ist ei­nes der Mar­ken­zei­chen Lu­sers, folg­lich darf man der „Ban­do­ne­on In­ten­siv­sta­ti­on“Tö­ne ent­lo­cken, im ka­rus­sell­ar­ti­gen „Ro­ta­ti­ons­quin­tett“Platz neh­men oder das „Trom­me­lig­lu“be­tre­ten und über den Un­ter­ti­tel „Is­lam er­reicht Nord­pol“nach­den­ken. Und stets um­rahmt Mu­sik die Ex­kur­sio­nen in die kau­zi­gen Den­k­land­schaf­ten des Künst­lers.

Aus­stel­lung:

BILD: SN/M.B.

Con­stan­tin Lu­ser in­mit­ten sei­ner Schatz­höh­le, die ein No­tiz­buch in das Zen­trum rückt.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.