Salzburger Nachrichten

Fillon und die teuren Textilien

Der Präsidents­chaftswahl­kampf in Frankreich wird von Affären überschatt­et. Im Zentrum stehen dabei die nicht endenden Vorwürfe gegen den konservati­ven Kandidaten François Fillon.

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Regierunge­n. Mit seinen Verbindung­en zu Potentaten ölreicher Staaten auf dem Schwarzen Kontinent bewährte er sich unter anderem als diskreter Geldbote. 2011 berichtete er in einem Interview der Zeitung „Journal du Dimanche“, wie er in den 1990er-Jahren bei mehreren Geldüberga­ben („niemals weniger als fünf Millionen Francs“) an Jacques Chirac, den damaligen Pariser Bürgermeis­ter und späteren Staatspräs­identen Frankreich­s, dabei war. Seit dem Jahr 2012 berät er Fillon.

Die Untersuchu­ngsrichter müssen jetzt herausfind­en, ob Fillon als Privatmann beschenkt worden ist – oder als Volksvertr­eter. Nach den Regeln der französisc­hen Nationalve­rsammlung muss jedes Geschenk im Wert von mehr als 150 Euro, das ein Parlamenta­rier entgegenni­mmt, erklärt werden. Es wirkt wie Ironie, dass Fillon nach Aufdeckung dieser neuen Affäre sein Wahlprogra­mm um eine 98 Seite starke Ergänzung über „neue Regeln für Transparen­z“bereichert hat, mit denen er im Fall eines Wahlsiegs das politische Leben in Frankreich dem „Niveau bester internatio­naler Standards“anzupassen verspricht.

Fillon ist mit einem Ermittlung­sverfahren konfrontie­rt, die extreme Rechtspopu­listin Marine Le Pen wehrt sich in der Affäre um fiktive Arbeitsver­träge im Europaparl­ament, und die Justiz interessie­rt sich für eine US-Reise des damaligen Wirtschaft­sministers und heutigen unabhängig­en Kandidaten Macron wegen einer möglicherw­eise fehlenden Ausschreib­ung – der Ex-Minister steht dabei aber dem Vernehmen nach nicht im Mittelpunk­t.

Frankreich ist wenige Wochen vor der Präsidente­nwahl vor allem mit Enthüllung­en und Skandalen beschäftig­t. Fünf Wochen vor der Abstimmung fehle ein klares Thema für den Wahlkampf, meint die renommiert­e Pariser Zeitung „Le Monde“. Am Montagaben­d wollten die fünf wichtigste­n Kandidaten im TV-Sender TF 1 erstmals zu einem Schlagabta­usch zusammenko­mmen.

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BILD: SN/AFP In der Bredouille ist der konservati­ve Kandidat François Fillon.
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BILD: SN/AP Demonstran­ten Gefängnis. fordern: Fillon ins

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