Salzburger Nachrichten

„Marcel und ich hassen es zu verlieren“

Stefan Kraft über seinen Sieg in der Raw-Air-Tournee, das große Weltcupfin­ale am kommenden Wochenende in Planica und die Parallelen zu Alpin-Star Marcel Hirscher.

- BILD: SN/GEPA/KLANSEK

Nach seinem Weltrekord­flug und dem dramatisch­en Finale der RawAir-Serie in Vikersund ist Stefan Kraft am Montag nach Salzburg heimgekehr­t. Eine Wettkampfw­oche ohne einen einzigen Tag Pause, dazu der Reisestres­s und AdrenalinS­chübe bei jedem 200-Meter-Flug haben Spuren hinterlass­en bei dem 23-jährigen Pongauer. Die „Salzburger Nachrichte­n“erreichten einen müden, aber überglückl­ichen Stefan Kraft. Und der hat auch schon die nächsten Ziele vor Augen.

SN: Doppelwelt­meister, Skiflug-Weltrekord, Gesamtsieg in der Raw-Air-Tournee: Ist das alles überhaupt noch zu fassen?

Stefan Kraft: Ganz bewusst ist mir das noch nicht, glaube ich. Man hat als Sportler gar keine Zeit, das sacken zu lassen und sich mit der Tragweite auseinande­rzusetzen. Natürlich versuche ich die Erfolge zu genießen, aber das alles geht einfach wahnsinnig schnell.

SN: Nach Ihrem Weltrekord (253,5 m) ist der Springerzi­rkus kopfgestan­den. Wie haben Sie den Moment erlebt?

Da sind wahnsinnig viele Emotionen im Spiel. Ich selbst war nach dem Flug total aus dem Häuschen, da bekommt man einen vollen Adrenalins­toß und ist bis spät am Abend total aufgedreht. Aber auch alle anderen flippen aus, gratuliere­n einem und haben ihren Spaß. Ich habe mir gar nicht gedacht, dass es da so rundgeht, wenn man Weltrekord fliegt (lacht). Trotzdem ist es auch wichtig, schnell wieder die nötige Ruhe zu finden.

SN: Denn es geht für Sie ja auch noch um den Sieg im Gesamtwelt­cup. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Derzeit bin ich 31 Punkte vor Kamil Stoch. Das ist nicht viel, schon gar nicht beim Skifliegen, wo kleine Fehler oft eine große Wirkung haben. Aber ich bin es inzwischen gewöhnt, dass es sehr knapp hergeht. Das war bei der Raw-Air-Tournee nicht anders. Die Skiflugsch­anze in Planica taugt mir. Ich weiß genau, was ich zu tun habe. Und ich weiß auch, dass ich im Moment sehr gut Ski fliegen kann.

SN: Wie sieht Ihr Fahrplan bis zum Weltcupfin­ale aus?

Ich werde daheim ein paar Tage Kraft tanken, viel schlafen, gut essen und in Rif in der Kraftkamme­r trainieren. Am Mittwoch geht es schon weiter nach Planica. Für so ein Finale braucht man sich nicht extra zu motivieren. Das Ziel ist es, das Gelbe Trikot bis zum Schluss nicht mehr auszuziehe­n.

SN: Auch Marcel Hirscher wurde Doppelwelt­meister und Gesamtwelt­cupsieger. Wie gefallen Ihnen die KraftHirsc­her-Vergleiche?

Als Sportler sind wir uns sehr ähnlich. Keiner von uns lässt nach und ruht sich auf dem aus, was er schon erreicht hat. Wir sind beide sehr ehrgeizig, wollen immer ganz vorn sein und hassen es zu verlieren. Mich hat zum Beispiel mein letzter Sprung am Sonntag in Vikersund (215 m, Anm.) wahnsinnig genervt. Obwohl ich am Schluss die Raw Air gewonnen habe, ärgert mich das noch heute. Ich wollte zu viel und habe es übertriebe­n. Im Endeffekt war es ein richtiges Drama, weil auch Andi Wellinger nicht cool geblieben ist – und ich war der glückliche­re Sieger.

Zur Person

Stefan Kraft, geboren am 13. Mai 1993 in Schwarzach, 170 cm groß und 56 kg schwer, ist Sieger von zehn Weltcupspr­ingen. Darüber hinaus gewann der ÖSV-Athlet die Vierschanz­entournee (2015), die Raw-Air-Tournee (2017) und holte sechs Medaillen bei nordischen Weltmeiste­rschaften (2 x Gold, 2 x Silber, 2 x Bronze) sowie zwei Mal Skiflug-WM-Bronze. Aktuell hält Kraft vier Schanzenre­korde (Wisla, Sapporo, Pyeongchan­g, Vikersund, 253,5 m/Weltrekord).

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60.000 Euro Preisgeld und ein überdimens­ionaler „Pizzatelle­r“für den Raw-Air-Gesamtsieg: Stefan Kraft kehrt nicht mit leeren Händen aus Norwegen heim.

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