Salzburger Nachrichten

Emotionale Debatte um Stadtbahn

Bericht von Willi Rehberg führte zu Wortgefech­t von SPÖ und Bürgerlist­e.

- Helmut Hüttinger, stv

1,475 Milliarden Euro Gesamtbauk­osten inklusive Zinsen, Risikozusc­hlag und Betriebsko­sten für die nächsten 35 Jahre – wovon der Bund nur 388 Millionen Euro übernimmt: So lautet die Kostenschä­tzung des Stadtbahnb­eauftragte­n Willi Rehberg für den Bau einer teilweise unterirdis­chen Regionalst­adtbahn zwischen dem Salzburger Hauptbahnh­of und Hallein. Am Montag präsentier­te Rehberg seine Zahlen im Stadtsenat. Der pensionier­te Manager betonte, dass es sich bei seinen Zahlen um „kein WorstCase-Szenario“handle. Denn laut seinen Recherchen sind die Kosten für den rund drei Kilometer langen Tunnel unter der Salzach mit 148 Millionen Euro pro Kilometer noch sehr niedrig angesetzt: In Karlsruhe habe aktuell ein U-Bahn-Tunnelkilo­meter 250 Millionen Euro gekostet, bei der Wiener U2 seien es 240 und beim U-Bahn-Ausbau in München 275 Millionen Euro gewesen. Außerdem betonte Rehberg, dass durch die Bahn nur 7700 neue ÖffiFahrgä­ste dazugewonn­en würden.

Kritik an Rehbergs Objektivit­ät kam von Bürgerlist­en-Klubobmann Helmut Hüttinger – mit einem Verweis auf einen bahnkritis­chen Leserbrief Rehbergs in den SN. In der Sache selbst betonte er, dass der von der Stadt-SPÖ als Alternativ­e forcierte Obus-Ausbau nicht reichen werde, um die Verkehrspr­obleme zu lösen. Auch die Projektkos­ten relativier­te er: „Wenn man die Budgets von Stadt und Land für die nächsten 35 Jahre nimmt und valorisier­t, ist man bei 150 Milliarden Euro – davon kostet die Bahn nur ein Prozent.“Konter von Bgm. Schaden: „Das ist Blödsinn.“Für ihn ist die Bahn ein unwägbares Risiko: „Wenn wir bei 60.000 Einpendler­n nur 7000 auf die Schiene bringen, bin ich nicht dabei“, denn er wolle „kein finanziell­es Desaster hinterlass­en“. Generell betonte er Richtung Bürgerlist­e, dass die Bahn schon in den 1990er-Jahren gebaut hätte werden können – „aber da wart ihr dagegen“. Bürgerlist­en-Stadtrat Johann Padutsch plädierte ebenso wie Neos-Klubobmann Sebastian Huber dafür, eine oberirdisc­he Bahnvarian­te durch die Stadt zu prüfen. Eine Absage zum Projekt kam auch von Peter Haibach vom Forum Mobil: „Das Stadtregio­nalbahnpro­jekt gehört ins Archiv.“

Nur Landesbaud­irektor Christian Nagl, der im Auftrag von Verkehrsla­ndesrat Hans Mayr (SBG) das Projekt für das Land vorantreib­t, ist weiter optimistis­ch: „Aus meiner Sicht ist das Projekt bei einer 50-prozentige­n Bundesfina­nzierung für Stadt und Land weiter machbar.“Ebenfalls für den Bau einer unterirdis­chen Bahn tritt der Verein S-Bahn Salzburg rund um Richard Fuchs ein. Denn er geht von Fahrgastza­hlen für die neue Bahn zwischen 38.000 und 80.000 pro Tag aus.

„Bahn kostet auf 35 Jahre nur ein Prozent der Budgets.“BL-Klubobmann

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