Wein in den höchs­ten Tö­nen

Klang­vol­ler Rebs­aft. Schon Jo­hann Strauß wid­me­te „Wein, Weib und Ge­sang“ei­nen schwung­vol­len Wal­zer.

Salzburger Nachrichten - - STADTREPOR­T WIEN - BAR­BA­RA HUTTER

„Ich bin mit Mu­sik auf­ge­wach­sen, un­ser gan­zes Le­ben hat sich dar­um ge­dreht. Und mit dem Opa war ich sehr oft im Wein­gar­ten.“Ma­ria Gröt­zer lä­chelt ver­son­nen. Ihr Va­ter, Fritz Sperl­bau­er, bril­lier­te seit 1949 als Te­nor an der Wie­ner Staats­oper. Be­sag­ter Opa, Franz May­er, war ei­ne Win­zer­le­gen­de im Beet­ho­ven­haus am Pfarr­platz, wo seit 1683 Wie­ner Wein ge­kel­tert und re­gel­mä­ßig auf­ge­spielt wird. Ei­ne ur­ty­pi­sche Mi­schung al­so für die Stadt an der Do­nau: Wein und Mu­sik. Ma­ria Gröt­zer, die ei­nen Wein­gar­ten in der Spit­zen­la­ge Nuss­berg ihr Ei­gen nennt, hält die­se Tra­di­ti­on bis heu­te auf­recht. Wenn sie Ti­sche und Bän­ke zwi­schen die Rie­den plat­ziert – von wo der Blick weit über die Stadt geht – und ih­ren Ries­ling kalt stellt, dann sind auch die Mu­si­k­er­freun­de nicht weit. Et­wa Ot­mar Gais­wink­ler, der So­lo­po­sau­nist der Wie­ner Sym­pho­ni­ker. Und so ent­stand ein un­nach­ahm­lich mär­chen­haf­tes Zu­sam­men­tref­fen aus Alp­horn, Wald­horn, Po­sau­ne und auch Stim­me mit­ten im vor­weih­nacht­li­chen Wein­gar­ten, zwi­schen jun­gem Wein und ge­rös­te­ten Ma­ro­ni: das all­jähr­li­che Ad­vent­bla­sen.

Dass die Mu­si­ker et­was üb­rig ha­ben für den Wein und die Wein­trin­ker für die Mu­sik, ist vor al­lem in Wien un­über­seh­bar. Dass je­doch ein gan­zer Mu­sik­stil nach ei­nem Brü­der­paar be­nannt ist, macht die „Schram­meln“zu ei­ner Aus­nah­me­er­schei­nung in der oh­ne­hin schon höchst krea­ti­ven Mu­sik­sze­ne Wi­ens zum En­de des 19. Jahr­hun­derts. So be­rich­tet et­wa das „Il­lus­trier­te Wie­ner Ex­tra­blatt“am 7. Ok­to­ber 1883: „… Da wird mit ei­nem Fie­del­bo­gen auf den Re­so­nanz­bo­den ei­ner Gei­ge drei­mal ge­klopft. Drei Zau­ber­schlä­ge. In ei­nem Nu ist der Lärm ver­stummt, ei­ne hei­li­ge Ru­he herrscht in dem Saal, der plötz­lich in ei­ne Kir­che um­ge­wan­delt zu sein scheint, und al­ler Au­gen sind nach dem Po­di­um ge­rich­tet, auf wel­chem drei Män­ner sit­zen. Zwei le­gen den Bo­gen auf die Sai­ten, der drit­te hat die Fin­ger auf den di­cken Leib sei­ner Gi­tar­re ge­legt, das sind die Schram­meln. Da gibt es kei­ne Claque, kei­ne be­zahl­ten Ap­plaus-Fa­b­ri­kan­ten, kei­ne be­freun­de­ten Stim­mungs-Er­zeu­ger, da gibt es nur Ver­eh­rer und Fa­na­ti­ker …“

Es sei der Gei­ger Jo­sef Schram­mel ge­we­sen, so er­zählt der Kon­tragi­tar­rist Pe­ter Hav­licek, der im Jahr 1878 sei­nen äl­te­ren Bru­der Hanns Schram­mel zur Grün­dung ei­nes Terzetts über­re­de­te, das bald zu ei­nem Quar­tett er­wei­tert wer­den soll­te. Die vie­len „Hits“ih­rer Zeit, die aus der Fe­der der Ge­brü­der über­lie­fert sind, wer­den heu­te noch ge­spielt, nicht zu­letzt von Hav­licek im En­sem­ble Neue Wie­ner Con­cert Schram­meln. Wenn auch in zeit­ge­mä­ßem Klei­de. Un­zäh­li­ge al­te „Wea­na Tanz“und Mär­sche sind In­spi­ra­ti­on wie auch Kraft­quel­le für Neu­es. Die Neu­en Wie­ner Con­cert Schram­meln brin­gen da­her al­te wie neue, ei­ge­ne Kom­po­si­tio­nen zur Auf­füh­rung und ver­fei­nern un­er­müd­lich ih­ren Klang, den Klang von Wien. Ent­stan­den in Wie­ner Heu­ri­gen­lo­ka­len, ge­schätzt von den be­rühm­tes­ten Mu­si­kern, heu­te so­gar zu fin­den in den re­nom­mier­ten Kon­zert­sä­len der Welt.

Dort ist Pe­ter Uh­ler oh­ne­hin zu Hau­se. Sein Geld ver­dient er haupt­säch­lich mit der Vio­li­ne. Als ers­ter Gei­ger im Ra­dio­sym­pho­nie­or­ches­ter Wien und Mit­glied der Neu­en Wie­ner Con­cert Schram­meln bleibt nicht so viel Zeit für den Wein­berg. Dort kul­ti­viert der Quer­ein­stei­ger den un­ab­ding­ba­ren Grü­nen Velt­li­ner, Ries­ling, Mus­ka­tel­ler und Wel­sch­ries­ling. Hier – mit Blick auf den Nuss­berg – spielt der Win­zer mit dem schwar­zen Haar­schopf, der sich schon zu Schul­zei­ten nicht zwi­schen Mu­sik und Land­wirt­schaft ent­schei­den konn­te, auch re­gel­mä­ßig auf: mit den Con­cert Schram­meln zwi­schen Weiß­wein und Gram­mel­schmalz.

Mu­sik zum Wein wird gern ser­viert. In der „Bu­schen­schank in Re­si­dence“von Jut­ta Am­bro­sitsch mit­ten in Grin­zing et­wa ver­lie­ren sich die zar­ten Klan­ga­ra­bes­ken der chro­ma­ti­schen Wie­ner Knopf­har­mo­ni­ka von Walt­her Soy­ka – auch er Mit­glied der Con­cert Schram­meln – im Herbst­him­mel. Köst­lich und doch flüch­tig wie ein Ach­terl Wein.

BILD: SN/WIEN TOU­RIS­MUS/PE­TER RIGAUD

Auch im Wein­gar­ten des Pa­ra­de­win­zers Fritz Wi­e­nin­ger wird mu­si­ziert.

BILD: SN/NWCS/STEPHAN MUSSIL

Eng mit dem Wein ver­ban­delt: die Neu­en Wie­ner Con­cert Schram­meln.

BILD: SN/HUTTER

Mu­sik und Wein: Ma­ria Gröt­zer.

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