Was Mie­ter beim Rau­chen in der Woh­nung be­ach­ten müs­sen

Der Obers­te Ge­richts­hof hat sei­ne Spruch­pra­xis Rau­chern ge­gen­über zu­letzt deut­lich ver­schärft.

Salzburger Nachrichten - - STAATSBÜRGER - Jo­han­nes Paul ist Rechts­an­walt in Salz­burg (Zum­to­bel Kron­ber­ger Rechts­an­wäl­te OG).

Rau­chen war zu­letzt im Zu­sam­men­hang mit der Dis­kus­si­on über die (Nicht-)Ein­füh­rung ei­nes all­ge­mei­nen Rauch­ver­bots wie­der ein hei­ßes The­ma. Schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren er­fuh­ren Rau­cher so man­che Ein­schrän­kung: Der ge­setz­li­che Schutz vor dem Rau­chen nahm kon­ti­nu­ier­lich zu. Von Wer­be­ver­bo­ten für die Ta­bak­in­dus­trie über das Ver­bot des Rau­chens in öf­fent­li­chen Ge­bäu­den, weit­rei­chen­den Ein­schrän­kun­gen im Gas­tro­no­mie­be­reich bis hin zu Schutz­vor­schrif­ten in di­ver­sen Be­rei­chen des Ar­beit­neh­mer­schut­zes rei­chen die ge­setz­li­chen Re­strik­tio­nen.

Aber nicht nur an öf­fent­li­chen Or­ten oder am Ar­beits­platz ist das Rau­chen nicht mehr un­ein­ge­schränkt mög­lich. Auch beim Rau­chen im ei­ge­nen Miet­ob­jekt emp­fiehlt es sich, das ei­ne oder an­de­re zu be­ach­ten. So kann es da­bei zu In­ter­es­sen­kon­flik­ten zwi­schen dem Recht des rau­chen­den Mie­ters auf freie Gestal­tung der Le­bens­füh­rung, dem Recht des Nach­barn auf Schutz vor der Be­ein­träch­ti­gung durch Rauch so­wie dem Recht des Ver­mie­ters auf Schutz sei­nes Ei­gen­tums kom­men.

Wenn der Rauch aus der ei­ge­nen Woh­nung zum Nach­barn dringt, stellt sich die Fra­ge, wo die Gren­ze zwi­schen dem, was von die­sem ge­ra­de noch zu to­le­rie­ren ist, und dem, was zu weit geht, liegt.

Noch in den 1990er-Jah­ren war der Obers­te Ge­richts­hof der An­sicht, Zi­ga­ret­ten­rauch aus dem Woh­nungs­fens­ter des Nach­barn sei kei­ne Ge­ruchs­be­läs­ti­gung, die das Be­nüt­zungs­recht des Mie­ters an sei­nem Be­stand­ob­jekt we­sent­lich be­ein­träch­tigt. Zi­ga­ret­ten­rauch sei, so die Höchst­rich­ter, als all­ge­mein üb­li­cher un­ver­meid­ba­rer Ge­ruch zu to­le­rie­ren. In ei­ner viel be­ach­te­ten Ent­schei­dung ka­men die Höchst­rich­ter aber nun­mehr zu fol­gen­dem Schluss: Wenn ein Mie­ter auf sei­ner Log­gia und bei ge­öff­ne­ten Fens­tern auch in sei­ner Woh­nung bis zu 5,5 St­un­den täg­lich dem Rauch­ge­ruch von Zi­gar­ren aus­ge­setzt ist, die sein Nach­bar raucht, muss dies nicht oh­ne Wei­te­res hin­ge­nom­men wer­den. Dem be­ein­träch­tig­ten Nach­barn steht ein Un­ter­las­sungs­an­spruch zu, der je­doch in­fol­ge In­ter­es­sen­aus­gleichs mit dem Per­sön­lich­keits­recht des Rau­chers und sei­nem Grund­recht auf Pri­vat­le­ben auf be­stimm­te Ta­ges­zeit­räu­me zu be­schrän­ken ist.

Kon­kret: Die Rauch- und Ge­ruchs­be­läs­ti­gun­gen ha­ben in der war­men Jah­res­zeit (Mai bis En­de Ok­to­ber) wäh­rend der Nacht­stun­den (22 Uhr bis 6 Uhr) so­wie in den üb­li­chen Es­sens- und Ru­he­zei­ten (8 Uhr bis 10 Uhr, 12 bis 15 Uhr und 18 bis 20 Uhr) zu un­ter­blei­ben. In der kal­ten Jah­res­zeit (No­vem­ber bis En­de April) be­schränkt sich das Un­ter­las­sungs­ge­bot auf „Lüf­tungs­zei­ten“: 8 bis 9 Uhr, 13 bis 14 Uhr und 19 bis 20 Uhr. Die­se Zei­ten be­zie­hen sich nicht auf das Rau­chen an sich, son­dern auf die Rau­chim­mis­sio­nen, wes­halb der Rau­cher die Rauch­aus­brei­tung be­ach­ten muss.

Mie­ter, die sich durch den Rauch ih­res Nach­barn ge­stört füh­len, kön­nen sich mit ih­rem An­lie­gen auf ei­ne rauch­freie Woh­nung aber auch an den ei­ge­nen Ver­mie­ter wen­den. Die­ser kann da­zu ver­pflich­tet sein, Ab­hil­fe ge­gen den Rauch zu schaf­fen. In­fra­ge kom­men et­wa die Kün­di­gung des Rau­chers we­gen un­leid­li­chen Ver­hal­tens oder er­heb­lich nach­tei­li­gen Ge­brauchs so­wie ein An­spruch auf Un­ter­las­sung.

Bei re­gel­mä­ßi­ger Rauch­ein­wir­kung kann dem Nach­barn ge­gen sei­nen Ver­mie­ter auch das Recht zu­ste­hen, die Mie­te zu sen­ken. Ver­liert der Ver­mie­ter da­durch Miet­ein­nah­men, droht dem Rau­cher, dass von ihm Scha­den­er­satz ge­for­dert wird. Scha­den­er­satz kann un­ter be­stimm­ten Um­stän­den auch fäl­lig wer­den, wenn durch das Rau­chen der Miet­ge­gen­stand über­mä­ßig ab­ge­nutzt oder sonst be­ein­träch­tigt wird.

Ge­ne­rell emp­fiehlt es sich je­den­falls ge­mäß dem nach­bar­li­chen Rück­sicht­nah­me­ge­bot dar­auf zu ach­ten, dass die Frei­heit der an­de­ren Be­woh­ner auf ein rauch­frei­es Woh­nen und Le­ben ge­ach­tet wird.

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