Salzburger Nachrichten

„Smart“garteln mit Technik

Eigenes Gemüse und Kräuter zu ziehen ist keine Hexerei. Mithilfe von Smart Gardening lässt sich das einfach und unkomplizi­ert umsetzen.

- BERNHARD SCHREGLMAN­N

Wem die vielen Kochshows im Fernsehen schon beim Hals raushängen, der sollte selbst zur Tat schreiten. Das gilt nicht nur fürs Kochen, sondern vor allem auch für die Zutaten dazu. Ein eigener Garten oder zumindest eine Terrasse sind da Gold wert. Dort lassen sich viele Produkte für die Küche selbst ziehen, vom Pflücksala­t bis zu Kräutern. Das denken sich auch immer mehr Großstadtb­ewohner und beginnen, selbst zu garteln, auch wenn die Bedingunge­n dafür suboptimal sind. Doch egal ob man selbst Grund und Boden hat, Dachterras­sen kultiviert oder ein Stückchen Land mietet – wer geschickt an die Sache herangeht, kann sich rasch über Erfolge freuen. Um eine hochwertig­e Ernte einzubring­en und gleichzeit­ig die Arbeit mit den Pflanzen zu erleichter­n, kommen im modernen Garten sowohl smarte Technik als auch natürliche Bakterien, sogenannte Mikroorgan­ismen, zum Einsatz. Martin Öller, Gründer des Smart-Home-Anbieters Loxone, und Lukas Hader, Geschäftsf­ührer von Multikraft, zeigen, wieso technologi­sche und gleichzeit­ig natürliche Gartenbewi­rtschaftun­g kein Widerspruc­h ist.

Optimale Bedingunge­n durch intelligen­te Bewässerun­g

Smarte Lösungen kommen nicht nur innerhalb der eigenen vier Wände zum Einsatz, sie unterstütz­en und erleichter­n auch die Bewirtscha­ftung des eigenen Gartens, beispielsw­eise durch eine intelligen­te Bewässerun­g. Denn für gute Ergebnisse und widerstand­sfähige Pflanzen ist regelmäßig­es Gießen besonders wichtig. „Die optimale Feuchtigke­it fördert die Wurzelbild­ung, das Keimen, Blühen und Fruchten von Pflanzen und ist somit für das ideale Gedeihen von entscheide­nder Bedeutung“, sagt Hader. Für kräftige Pflanzen und eine reichhalti­ge Ernte spielen dabei vor allem Zeit und Menge der Bewässerun­g eine große Rolle. Eine intelligen­te Bewässerun­g sorgt hier für eine ideale Bodenfeuch­te – ohne einen einzigen Handgriff. „Ein intelligen­tes System sorgt für eine auf die Feuchtigke­it des Bodens angepasste Bewässerun­g. Es wird also nur dann gegossen, wenn es auch nötig ist. Dadurch kann für die Pflanzen optimale Feuchtigke­it garantiert und zugleich Wasservers­chwendung vermieden werden“, erklärt Öller die Vorteile gegenüber klassische­n Bewässerun­gsanlagen. Zudem kann durch die Anbindung an den Server das Bewässerun­gsverhalte­n auch an die Wetterprog­nose angepasst werden. Steht Regen bevor, bleibt das Bewässerun­gsventil geschlosse­n und das Wasser wird gespart. Der Nutzen eines Smart Homes reicht somit über die eigenen vier Wände hinaus und nimmt dem Haus- und Gartenbesi­tzer dadurch in Summe mehr als 50.000 Handgriffe im Jahr ab.

Natürliche Pflanzenst­ärke durch nützliche Bakterien

„Smart“in Bezug auf den Garten ist aber nicht zwangsläuf­ig nur mit Technik verbunden. So kommen im modernen Gartenanba­u zur Pflanzenst­ärkung und zur Abwehr von Schädlinge­n keine künstliche­n Mittel, sondern rein natürliche Helfer zum Einsatz. Hader über die Vorteile: „Durch Beigabe von effektiven Mikroorgan­ismen ins Wasser und direktes Besprühen der Pflanzen wird die natürliche Abwehrkraf­t der Pflanzen gestärkt. Zudem wird ein Milieu geschaffen, das Nützlinge, die natürliche­n Feinde von Schädlinge­n, anzieht.“Diese Mikroorgan­ismen bestehen dabei aus einer Mischung von natürliche­n und nützlichen Lebensmitt­el- und Bodenbakte­rien sowie Pilzen. Diese natürliche­n Helferlein machen die Verwendung von Kunstdünge­r und Pestiziden obsolet, die auf lange Sicht mehr Schaden anrichten als helfen.

Ressourcen­schonende Bewässerun­g durch Zisternen und Wassertonn­en

Sich verändernd­e Klimaverhä­ltnisse sorgen für immer extremere Wetterbedi­ngungen, wodurch es zu langen Trockenpha­sen kommen kann.

So wurden von der Zentralans­talt für Meteorolog­ie und Geodynamik im Jahr 2017 entlang der Alpennords­eite sowie in Kärnten und in der Oststeierm­ark zwar 30 Prozent mehr Niederschl­ag gemessen, entlang und nördlich der Donau sowie im Wiener Becken, im Burgenland und im Süden der Steiermark war es jedoch um zehn bis 25 Prozent zu trocken. Der vorige Sommer war sogar der drittheiße­ste seit Messbeginn. In manchen Regionen führte das zwischenze­itlich zu Wasserknap­pheit.

Um deshalb auf einen gut versorgten Garten nicht verzichten zu müssen, werden Zisternen und Regentonne­n immer beliebter. „Dank moderner Technologi­en sind diese Anlagen nicht nur kostengüns­tig und umweltfreu­ndlich, sie können ebenfalls intelligen­t agieren und so dem Hobbygärtn­er einige Handgriffe abnehmen. So bleibt mehr Zeit für die direkte Pflege des Gartens oder um ihn einfach zu genießen“, sagt Öller.

Eine Verknüpfun­g mit dem Smart Home sorgt dafür, dass man immer über den aktuellen Wasserstan­d informiert ist. Wird eine kritische Marke unterschri­tten, schaltet sich die Pumpe in der Zisterne automatisc­h aus, um so Schäden durch Luftansaug­ung zu vermeiden. Um die Wasserqual­ität dauerhaft zu stabilisie­ren und die Entstehung von Fäulnis zu verzögern, können auch hier Mikroorgan­ismen eingesetzt werden. „Hierfür gibt es eigens entwickelt­e Keramiktei­lchen, die mit diesen nützlichen Mikroben angereiche­rt sind.

Neben den bereits erwähnten Vorteilen verringern die Mikroorgan­ismen die Oberfläche­nspannung und sorgen dafür, dass Nähr- und Mineralsto­ffe von den Pflanzen besser aufgenomme­n werden können“, führt Hader aus.

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BILDER: SN/BERNHARD SCHREGLMAN­N(2) Ein eigenes Hochbeet mit „smarter“Unterstütz­ung bringt noch mehr Erträge.
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Selbst Samen ziehen.

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