Ur­teil bremst Airb­nb

Höchst­rich­ter schrän­ken Ver­mie­ten über On­line­platt­for­men wei­ter ein: Zim­mer wur­den zu teu­er an­ge­bo­ten, Mie­ter müs­sen Woh­nung räu­men.

Salzburger Nachrichten - - WIRTSCHAFT / ANZEIGEN - Bu

Fünf Zim­mer, zwei Bä­der samt aus­ge­stat­te­ter Kü­che nur zwei Mi­nu­ten vom Ste­phans­dom ent­fernt: Die­ses „atem­be­rau­bend sen­sa­tio­nel­le Ap­par­te­ment“, wie es auf ei­ner On­line­platt­form be­wor­ben wur­de, kann nun nicht mehr ge­bucht wer­den. Den bei­den Wie­nern, die die Woh­nung teu­er an Tou­ris­ten un­ter­ver­mie­tet hat­ten, wur­de zu Recht ge­kün­digt, ent­schied der Obers­te Ge­richts­hof (OGH). Das Ur­teil schränkt so­mit das Ver­mie­ten von Zim­mern oder Woh­nun­gen über Platt­for­men wie Airb­nb in Ös­ter­reich wei­ter ein.

Die Höchst­rich­ter or­te­ten Wu­cher. Die Un­ter­ver­mie­tung sei ge­gen „un­ver­hält­nis­mä­ßig ho­hes Ent­gelt“er­folgt. Denn die Mie­ter er­lös­ten mit der On­li­ne­ver­mie­tung bis zu 250 Pro­zent mehr, als sie selbst für die Woh­nung auf­wen­den muss­ten, schreibt der OGH. Die Ei­gen­tü­me­rin ver­lang­te mo­nat­lich knapp 2400 Eu­ro. Die Mie­ter mach­ten so­mit gu­te Ge­schäf­te: In der Woh­nung wur­de ein ein­zel­nes Zim­mer um 1000 Eu­ro pro Mo­nat un­ter­ver­mie­tet. Der Rest der Woh­nung wur­de im In­ter­net Fe­ri­en­gäs­ten an­ge­bo­ten. Bis zu elf Tou­ris­ten fan­den Platz. Je nach Jah­res­zeit be­zahl­ten sie 229 bis 249 Eu­ro pro Tag, 1540 Eu­ro pro Wo­che oder 6600 Eu­ro pro Mo­nat – zu­züg­lich Rei­ni­gungs­kos­ten von 150 Eu­ro.

Die hei­mi­sche Ho­tel­le­rie läuft seit Jah­ren Sturm ge­gen die Ver­mie­tungs­platt­for­men. Michae­la Reit­te­rer, Prä­si­den­tin der Ös­ter­rei­chi­schen Ho­te­lier­ver­ei­ni­gung (ÖHV), freut sich über das rich­tungs­wei­sen­de Ur­teil: „Der OGH schiebt dem Mie­ten von Woh­nun­gen, um sie dann über Platt­for­men ge­winn­brin­gend wei­ter­zu­ver­mie­ten, rich­ti­ger­wei­se ei­nen Rie­gel vor.“Der OGHSpruch dürf­te ei­nen Groß­teil der An­ge­bo­te auf den Platt­for­men be­tref­fen, glaubt sie.

Es ist nicht die ers­te Ent­schei­dung der Höchst­rich­ter zum The­ma: Ei­gen­tü­mer von Woh­nun­gen, die sie an Tou­ris­ten ver­mie­ten, müs­sen erst die Zu­stim­mung al­ler Haus­ei­gen­tü­mer ein­ho­len, Mie­ter brau­chen die Er­laub­nis der Ver­mie­ter, ur­teil­te der OGH be­reits 2014.

Airb­nb gibt es in Ös­ter­reich seit 2011. Seit­dem wächst das Un­ter­neh­men stark. Im Vor­jahr buch­ten 770.000 Gäs­te ein Fe­ri­en­quar­tier über die US-Ver­mie­tungs­platt­form. Ins­ge­samt be­deu­tet das aber im­mer noch ei­nen klei­nen An­teil am Tou­ris­mus­ge­schäft: Ins­ge­samt ka­men im Vor­jahr 43,1 Mil­lio­nen Fe­ri­en­gäs­te nach Ös­ter­reich. Die meis­ten Airb­nb-Bu­chun­gen ver­teil­ten sich 2017 auf die Städ­te Wi­en, Salz­burg, Inns­bruck, Graz und Linz.

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