Ma­cron geht mit den Li­be­ra­len in die Eu­ro­pa­wahl

Die fran­zö­si­sche Be­we­gung „En Mar­che“stärkt die ALDE-Frak­ti­on. Spit­zen­kan­di­da­ten will das Bünd­nis kei­nen auf­stel­len.

Salzburger Nachrichten - - WELTPOLITIK - Pack

Ei­nen Tag nach der Eu­ro­päi­schen Volks­par­tei (EVP) hiel­ten die Li­be­ra­len (ALDE) am Frei­tag ih­ren Par­tei­kon­gress ab. An­ders als am Vor­tag bei der EVP in Hel­sin­ki ging es in Ma­drid aber nicht um die Wahl des ge­mein­sa­men Spit­zen­kan­di­da­ten für die Eu­ro­pa­wahl. „Wir wäh­len nicht ei­nen Kan­di­da­ten wie Man­fred We­ber, der um ein Amt kämpft. Wir be­ra­ten un­se­re ge­mein­sa­men In­hal­te“, ließ FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner vom Kon­gress via Twit­ter wis­sen. An­fang des kom­men­den Jah­res soll dann in Ber­lin an­statt ei­nes ein­zel­nen Kan­di­da­ten ein „Spit­zen­team“für die Eu­ro­pa­wahl vor­ge­stellt wer­den.

Bei der letz­ten Wahl hat­ten sich die Li­be­ra­len noch für das Prin­zip der Spit­zen­kan­di­da­ten ein­ge­setzt. Der Be­wer­ber der stärks­ten Frak­ti­on soll­te Prä­si­dent der EU-Kom­mis­si­on wer­den – was dann auch ge­schah. Die Ab­kehr von die­sem Prin­zip be­grün­det der Frak­ti­ons­chef der Li­be­ra­len im Eu­ro­pa­par­la­ment, Guy Ver­hof­stadt, nun da­mit, dass sich die Idee der trans­na­tio­na­len Wahl­lis­ten nicht durch­ge­setzt ha­be. Oh­ne die eu­ro­pa­wei­ten Lis­ten feh­le die de­mo­kra­ti­sche Ba­sis für eu­ro­pa­wei­te Spit­zen­kan­di­da­ten.

Tat­säch­lich ist die Ab­kehr auch ein Zu­ge­ständ­nis an die Be­we­gung „En Mar­che“des fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten. Em­ma­nu­el Ma­cron hat­te sich de­zi­diert ge­gen das Prin­zip der Spit­zen­kan­di­da­ten aus­ge­spro­chen, als er das An­tre­ten bei der Eu­ro­pa­wahl be­kannt ge­ge­ben hat­te.

Seit­her buhl­ten vor al­lem die Volks­par­tei und die Li­be­ra­len um die Gunst der eu­ro­pa­freund­li­chen Be­we­gung. Ma­cron ließ lan­ge of­fen, wem er sich an­schlie­ßen wür­de. Als „En Mar­che“-Mit­be­grün­de­rin As­trid Pa­no­syan dann am Frei­tag beim ALDE-Kon­gress ans Red­ner­pult trat, war so­fort klar, was sie we­nig spä­ter be­stä­tig­te: „ALDE ist die Ba­sis, mit der En Mar­che für ein bes­se­res Eu­ro­pa zu­sam­men­ar­bei­ten will.“Ih­re Be­we­gung wol­le mit der Li­be­ra­len Frak­ti­on im Eu­ro­pa­par­la­ment ei­ne „pro­gres­si­ve Platt­form“bil­den. Ei­ne An­kün­di­gung, die von den mehr als 1000 De­le­gier­ten mit Ap­plaus auf­ge­nom­men wur­de.

Zur Frak­ti­on der Li­be­ra­len im Eu­ro­pa­par­la­ment ge­hö­ren un­ter an­de­rem die deut­sche FDP und die ös­ter­rei­chi­schen Ne­os, der­zeit ver­tre­ten durch die Ab­ge­ord­ne­te An­ge­li­ka Mli­nar. Die Kärnt­ne­rin will bei der kom­men­den Wahl nicht mehr an­tre­ten. Wen die Ne­os statt­des­sen ins Ren­nen schi­cken, ent­schei­den sie erst im kom­men­den Jahr in ei­nem drei­stu­fi­gen Vor­wahl­ver­fah­ren. Häu­fig ge­nannt wird Eu­ro­pa­spre­che­rin Clau­dia Ga­mon, die laut Ne­os aber noch nicht über ei­ne Kan­di­da­tur ent­schie­den hat.

Noch nicht ent­schie­den ist auch, wer im „Spit­zen­team“der ALDEFrak­ti­on für die Eu­ro­pa­wahl sein wird. Hoch­ka­rä­ti­ge Kan­di­da­ten gibt es ei­ni­ge, dar­un­ter fünf Mit­glie­der der am­tie­ren­den EU-Kom­mis­si­on. Bis auf den Es­ten An­drus An­sip han­delt es sich da­bei mit Vio­le­ta Bulc, Vě­ra Jou­ro­vá, Ce­ci­lia Malm­ström und Marg­re­the Ves­ta­ger um lau­ter weib­li­che Mit­glie­der des Ka­bi­netts von Je­an-Clau­de Juncker.

Wird die ALDE ei­ne Frau in Start­po­si­ti­on für die Spit­ze der Uni­on brin­gen? „Ich fin­de, es ist Zeit da­für“, sag­te Bulc in Ma­drid. Als mög­li­che An­wär­te­rin gilt aber we­ni­ger die slo­we­ni­sche Kom­mis­sa­rin als ih­re Kol­le­gin aus Dä­ne­mark. Ves­ta­ger, die als Wett­be­werbs-Kom­mis­sa­rin nicht vor In­ter­ne­trie­sen wie Goog­le und Ama­zon kuscht, hat auch kei­ne angst­er­füll­te Vi­si­on von Eu­ro­pa. „Wir brau­chen nicht nur ein Eu­ro­pa, das schützt, son­dern ei­nes, das uns neue Mög­lich­kei­ten bringt“, sag­te sie in Ma­drid.

„Brau­chen nicht nur ein Eu­ro­pa, das schützt.“

Marg­re­the Ves­ta­ger EU-Kom­mis­sa­rin

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