Größ­te il­le­ga­le Ta­bak­fa­brik auf­ge­deckt

Dem hei­mi­schen Zoll ge­lang in Nie­der­ös­ter­reich ein Schlag ge­gen die in­ter­na­tio­nal or­ga­ni­sier­te Zi­ga­ret­ten­ma­fia. Seit dem Som­mer sol­len in ei­ner La­ger­hal­le rund 300 Ton­nen Ta­bak il­le­gal ver­ar­bei­tet wor­den sein. Hilfs­ar­bei­ter muss­ten dort woh­nen.

Salzburger Nachrichten - - ÖSTERREICH -

WI­EN. Es war nur ei­ne von meh­re­ren Pro­duk­ti­ons­stät­ten und es war trotz­dem für die hei­mi­schen Fi­nanz­be­hör­den der größ­te Auf­griff von Ta­bak aus ei­ner il­le­ga­len Zi­ga­ret­ten­her­stel­lung über­haupt: Wie die Be­hör­den am Don­ners­tag be­kannt ga­ben, wa­ren be­reits Mit­te No­vem­ber in ei­ner La­ger­hal­le im Raum St. Pölten mehr als 32 Ton­nen Ta­bak si­cher­ge­stellt wor­den. Die Wa­re stand zum Teil zum Ab­trans­port in Schach­teln ver­packt be­reit Rich­tung Lett­land, wo die wei­te­re Ver­ar­bei­tung er­fol­gen soll­te. Der bis­her größ­te Auf­griff war mit 20 Ton­nen im Jahr 2007 eben­falls in Nie­der­ös­ter­reich (Ma­ria El­lend).

Die in­ter­na­tio­na­len Er­mitt­lun­gen nach den Hin­ter­män­nern lau­fen, sag­te ein Spre­cher des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums. An­ge­trof­fen wur­den nur zwei Schwarz­ar­bei­ter aus Po­len. Sie ga­ben an, rund 1000 Eu­ro net­to im Mo­nat zu er­hal­ten. Sie muss­ten dort auch woh­nen, um die il­le­ga­le Pro­duk­ti­on nicht zu ge­fähr­den. Da­zu gab es bil­li­ge Bet­ten und ei­ne klei­ne, sehr rus­ti­ka­le Tee­kü­che in der ver­dreck­ten Werk­statt.

Die ers­ten Hin­wei­se auf ei­ne il­le­ga­le Zi­ga­ret­ten­pro­duk­ti­on gro­ßen Stils er­hielt das Zoll­amt Ei­sen­stadt Flug­ha­fen Wi­en im Som­mer. Nach wo­chen­lan­gen Er­mitt­lun­gen gab die Staats­an­walt­schaft den Auf­trag zu der Haus­durch­su­chung un­ter Lei­tung der Zoll­fahn­dung.

Der Fall zeigt auch, wie ar­beits­tei­lig die or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät funk­tio­niert. Nach An­ga­ben des Fi­nanz­res­sorts wur­de der un­ver­steu­er­te Ta­bak aus Bel­gi­en und Po­len nach Ös­ter­reich ge­lie­fert. In Nie­der­ös­ter­reich er­folg­te die Trock­nung und die ge­schnit­te­nen Ta­bak­blät­ter wur­den aro­ma­ti­siert – et­wa mit Zu­cker, Rum und Ka­kao­pul­ver.

Die Zi­ga­ret­ten­her­stel­lung soll­te in Lett­land statt­fin­den. „Die il­le­ga­le Wa­re war höchst­wahr­schein­lich nicht für den ös­ter­rei­chi­schen Markt be­stimmt“, sag­te der Spre­cher, son­dern eher für skan­di­na­vi­sche Län­der und Groß­bri­tan­ni­en oder Frank­reich, wo Zi­ga­ret­ten eben viel teu­rer sind als in Ös­ter­reich mit rund fünf Eu­ro pro Pa­ckung.

Den Steu­er­scha­den il­lus­triert fol­gen­des Re­chen­ex­em­pel: Für ei­ne Zi­ga­ret­te ist rund ein Gramm Ta­bak nö­tig, aus den si­cher­ge­stell­ten 32 Ton­nen Ta­bak hät­ten al­so rund 32 Mil­lio­nen Glimm­stän­gel oder 160.000 Stan­gen her­ge­stellt wer­den kön­nen. In Ös­ter­reich wä­ren mit die­ser Men­ge bei ei­nem Wie­der­ver­kaufs­wert von 7,2 Mil­lio­nen Eu­ro rund 5,2 Mill. Eu­ro an Steu­ern hin­ter­zo­gen wor­den, in den ge­nann­ten Ziel­märk­ten noch viel mehr.

Aus den Aus­sa­gen der er­tapp­ten pol­ni­schen Mit­tä­ter schlos­sen die Be­hör­den, dass seit Ju­ni das Zehn­fa­che der be­schlag­nahm­ten Men­ge an Ta­bak durch die Hal­le in Nie­der­ös­ter­reich ge­schleust wur­de.

Fi­nanz­mi­nis­ter Hart­wig Lö­ger und Staats­se­kre­tär Hu­bert Fuchs spra­chen von ei­nem groß­ar­ti­gen Er­folg des hei­mi­schen Zolls.

BILD: SN/BMF/WIL­KE

Die Trock­nungs­an­la­ge für den Ta­bak, der in Schach­teln nach Lett­land ge­lie­fert wer­den soll­te.

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