Das Hoch der FPÖ be­gann in den Län­dern

Bei den Land­tags­wah­len 2015 dreh­te sich al­les um Flücht­lin­ge. Der FPÖ kam das zu­gu­te.

Salzburger Nachrichten - - 100 JAHRE REPUBLIK ÖSTERREICH - Kat

Das Jahr 2015 war Aus­lö­ser für vie­les, das seit­dem in der ös­ter­rei­chi­schen In­nen­po­li­tik ge­schah, ist sich der Po­li­to­lo­ge Fritz Plas­ser si­cher: „Es war de fac­to ei­ne Zä­sur.“

Pro­fi­tiert hat seit­dem vor al­lem die FPÖ, wie Plas­ser mit dem Wahl­for­scher Franz Som­mer im Buch „Wah­len im Schat­ten der Flücht­lings­kri­se“schil­dert. Dar­in un­ter­mau­ern die Wis­sen­schaf­ter mit em­pi­ri­schen Da­ten, was man seit 2015 bei al­len Wah­len be­ob­ach­ten konn­te: Die Flücht­lings­si­tua­ti­on ist bis heu­te das be­stim­men­de The­ma für Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler. „Ich ha­be ge­glaubt, das könn­te sich En­de 2017 lang­sam wie­der än­dern, aber das ist bis heu­te nicht der Fall“, er­klärt Plas­ser im SN-Ge­spräch.

Wie kam es da­zu? Im Jahr 2015 wähl­ten die Stei­er­mark, das Bur­gen­land, Ober­ös­ter­reich und Wi­en ei­ne neue Lan­des­re­gie­rung. In al­len Län­dern muss­ten ÖVP und SPÖ teils mas­si­ve Ver­lus­te hin­neh­men. In al­len Län­dern ge­wann die FPÖ da­zu. In Ober­ös­ter­reich konn­ten sich die Blau­en ver­dop­peln, in der Stei­er­mark bei­na­he ver­drei­fa­chen. Fol­gen wa­ren un­ter an­de­rem ei­ne schwarz-blaue Ko­ali­ti­on in Ober­ös­ter­reich und ein Auf­re­ger im Bur­gen­land, wo Hans Niessl (SPÖ) ei­nen par­tei­in­ter­nen Ta­bu­bruch be­ging und die FPÖ in die Re­gie­rung hol­te. Pa­ra­dox sei, dass in den be­trof­fe­nen Bun­des­län­dern zu die­sem Zeit­punkt ei­gent­lich ei­ne sehr ho­he Zuf­rie­den­heit mit der Lan­des­po­li­tik ge­herrscht ha­be, er­klärt Plas­ser. Die Ver­lus­te für die Lan­des­po­li­ti­ker von SPÖ und ÖVP sei­en ein Preis ge­we­sen, „den sie für et­was be­zahlt ha­ben, das au­ßer­halb ih­rer po­li­ti­schen Kom­pe­tenz lag“. Dass die Asylthe­ma­tik vor­ran­gig Sa­che des Bun­des ist, war den Wäh­lern egal: „Man woll­te ein Zei­chen set­zen. Der Adres­sat war nicht die Lan­des­re­gie­rung.“

Die Asyl­de­bat­te hat in al­len vier Bun­des­län­dern den Wahl­kampf über­schat­tet. Die ei­gent­li­chen Lan­des­the­men wie Ver­kehr, Woh­nen oder In­fra­struk­tur sei­en völ­lig in den Hin­ter­grund ge­tre­ten, er­in­nert sich Plas­ser. Statt­des­sen herrsch­te Kri­sen­stim­mung – wo­bei ei­ne sol­che Kri­se haupt­säch­lich durch die Öf­fent­lich­keit her­bei­ge­re­det wur­de, be­tont der Po­li­to­lo­ge: „Al­lein schon durch das Wort ,Flücht­lings­kri­se‘ wur­den Be­fürch­tun­gen er­zeugt, die weit über­zo­gen wa­ren. Die FPÖ hat die­se Vor­stel­lun­gen be­son­ders stark an­ge­spro­chen.“Wenn die Groß­par­tei­en stark ver­lie­ren und die FPÖ zu­legt, könn­te man mei­nen, dass auch die Grü­nen da­von pro­fi­tie­ren. Das war 2015 al­ler­dings nicht der Fall: „In­mit­ten der emo­tio­na­len Stim­mung konn­ten sich die Grü­nen nicht durch­set­zen. Da wä­ren si­cher Mög­lich­kei­ten ge­we­sen.“

Das Hoch der FPÖ je­den­falls be­gann 2015 in den Län­dern und en­de­te 2017 mit Se­bas­ti­an Kurz, der mit sei­ner Flücht­lings­po­li­tik ei­ne Al­ter­na­ti­ve dar­stell­te. „Noch nie in der ös­ter­rei­chi­schen Ge­schich­te hat ei­ne Per­son ei­ne sol­che Wäh­ler­be­we­gung aus­ge­löst“, re­sü­miert Plas­ser.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.