Sport­po­li­tik muss dem „Gold­schmie­de-Kon­zept“Le­ben ein­hau­chen

Reicht das Kon­zept von Sport­mi­nis­ter Stra­che, um aus Ös­ter­reich wie­der ei­ne er­folg­rei­che Sport­na­ti­on zu ma­chen? Ers­te Zwei­fel sind an­ge­bracht.

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Es ist ein am­bi­tio­nier­tes Pro­jekt, das sich Vi­ze­kanz­ler und Sport­mi­nis­ter Heinz-Chris­ti­an Stra­che vor­ge­nom­men und die­se Wo­che prä­sen­tiert hat. Vie­le sei­ner Vor­gän­ger sind ge­schei­tert, dies­mal soll al­les an­ders sein. Es ist zu be­grü­ßen, dass Stra­che und sein Team auf dem Weg zur „Sport Stra­te­gie Aus­tria“frü­he­re Spit­zen­sport­ler ein­ge­bun­den ha­ben. Et­was, was frü­her nur in ein­zel­nen Fäl­len pas­siert ist. Ei­ner wie Alois Stad­lober, der Lang­lauf­staf­felWelt­meis­ter von Ram­sau 1999, hat bei­spiels­wei­se viel Er­fah­rung als Sport­mas­ter­mind in sei­nem Bun­des­land Stei­er­mark ein­ge­bracht. In­klu­si­ve Ab­bau von Bü­ro­kra­tie­hür­den. Aber reicht es, wenn sich aus­ge­wie­se­ne Ex­per­ten ein paar Mo­na­te den Kopf zer­bre­chen und in Ar­beits­grup­pen „ein Come­back der Gold­schmie­de Ös­ter­reich ein­lei­ten“, wie es der Sport­mi­nis­ter ge­nannt hat? Reicht es, ein Sys­tem, das in den letz­ten Jahr­zehn­ten ver­krus­tet ist, auf­zu­bre­chen? Die gan­ze Band­brei­te des Sports mit bes­se­ren Rah­men­be­din­gun­gen, Sport­in­fra­struk­tur oder das Bil­dungs­sys­tem auf­zu­schnü­ren? Es dür­fe nicht bei „Wort­hül­sen blei­ben, sonst sit­zen wir in vier Jah­ren wie­der da“, mein­te Stad­lober die­ser Ta­ge.

Er hat recht. Jetzt muss dem Kon­zept Le­ben ein­ge­haucht wer­den, und vor al­lem: Es muss fi­nan­ziert wer­den. Mög­lich ma­chen sol­len dies res­sort­über­schrei­ten­de Fi­nan­zie­run­gen, die die tür­kis-blaue Re­gie­rung mög­lich ma­chen will. Wie die wie­der­keh­ren­den Plä­ne um die täg­li­che Turn­stun­de, die in al­len Pflicht­schu­len kom­men wird – die 55 Mil­lio­nen Eu­ro da­für will Stra­che zu­sam­men mit dem Bil­dungs- und Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um auf­trei­ben.

Beim Er­ken­nen und För­dern der Sport­ta­len­te für die nächs­ten Jahr­zehn­te könn­te es et­was schwie­ri­ger wer­den. Denn die Ein­füh­rung er­for­der­li­cher mo­der­ner Rah­men­be­din­gun­gen und ei­ner pro­fes­sio­nel­len In­fra­struk­tur wird Jah­re in An­spruch neh­men. So er­scheint der An­spruch, bei den Olym­pi­schen Som­mer­spie­len 2024 ent­spre­chen­de Er­geb­nis­se se­hen zu wol­len, zu am­bi­tio­niert. Ver­gleich­ba­re Pro­jek­te, wie es Groß­bri­tan­ni­en vor den Olym­pi­schen Spie­len 2012 in Lon­don er­folg­reich vor­ex­er­ziert hat­te, ha­ben zehn Jah­re in An­spruch ge­nom­men. Da läuft die Zeit da­von. Und es wird die­se sinn­voll zu nüt­zen­de Zeit gern ver­plem­pert. Denn wie­so war­tet die Stra­te­gie­grup­pe bis zur Lan­des­sport­kon­fe­renz im Herbst 2019, um „die Stra­te­gie­vor­schlä­ge in prak­ti­sche, ope­ra­ti­ve Vor­ge­hens­wei­sen“zu gie­ßen?

Und noch et­was: Ein Ta­bu­the­ma, das in vie­len Fo­ren in den letz­ten Jah­ren dis­ku­tiert wur­de, ist noch im­mer tun­lichst aus­ge­spart: die Exis­tenz der drei Dach­ver­bän­de ASKÖ, Uni­on und ASVÖ. Drei Un­ge­tü­me, die mit ih­rer Bü­ro­kra­tie Mil­lio­nen Eu­ro ver­schlin­gen und in die­ser Form nicht mehr zeit­ge­mäß sind. Das mei­nen so­gar alt­ge­dien­te Funk­tio­nä­re hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand. Aber da hat die Sport­po­li­tik (noch) ih­re Gren­zen.

BILD: SN/GEPA

Si­mon Eder lief gleich zum Sai­son­start aufs Sto­ckerl.

Richard Oberndorfer

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