Papst macht Fall Schwarz zur Chef­sa­che

Nach dem Wir­bel um Kärnt­ner Bischof schreibt Fran­zis­kus ei­ner Ka­tho­li­kin, er su­che ei­ne Lö­sung.

Salzburger Nachrichten - - VORDERSEIT­E - GE­RALD STOIBER

In Kir­chen­krei­sen wird von ei­ner Sen­sa­ti­on ge­spro­chen: Papst Fran­zis­kus hat in ei­nem per­sön­lich ge­hal­te­nen Brief dem „Fo­rum Mün­di­ge Chris­ten“in der Diö­ze­se Kärn­ten an­ge­kün­digt, er wer­de für die durch den frü­he­ren Bischof Alois Schwarz ver­ur­sach­ten Pro­ble­me ei­ne Lö­sung fin­den. Schwarz war im Som­mer 2018 nach St. Pöl­ten ver­setzt wor­den. Ge­gen ihn gibt es mas­si­ve Vor­wür­fe der Miss­wirt­schaft so­wie der zu gro­ßen Nä­he zu ei­ner Ex-Mit­ar­bei­te­rin.

In dem hand­schrift­lich un­ter­zeich­ne­ten Schrei­ben ver­si­cher­te der Papst, er „ver­ste­he die Be­deu­tung des Pro­blems“. Gleich­zei­tig kün­dig­te er an, nach der Rück­kehr des zu­stän­di­gen Ku­ri­en­kar­di­nals aus dem Ur­laub wer­de die Sa­che be­spro­chen und ei­ne Lö­sung ge­sucht.

Wie be­rich­tet, lei­tet seit Ju­li Mi­li­tär­bi­schof Wer­ner Frei­stet­ter im Auf­trag des Paps­tes die Kärnt­ner Diö­ze­se. Zu­vor war der vom Dom­ka­pi­tel ge­wähl­te in­te­ri­mis­ti­sche Ad­mi­nis­tra­tor Engelbert Gug­gen­ber­ger ab­be­ru­fen wor­den. Die­ser Schritt des Va­ti­kans hat­te zu Pro­tes­ten und zur Grün­dung des „Fo­rums Mün­di­ge Chris­ten“ge­führt. Initia­to­ren wa­ren Ga­b­ri­el Sta­benthei­ner, Be­triebs­rat der Diö­ze­se, und Ger­da Schaf­fel­ho­fer, Ex-Prä­si­den­tin der Ka­tho­li­schen Ak­ti­on. Fast 5600 Men­schen un­ter­zeich­ne­ten ei­ne Pe­ti­ti­on für den Ver­bleib Gug­gen­ber­gers, um der Kärnt­ner Kir­che ei­nen Neu­start zu er­mög­li­chen.

KLA­GEN­FURT. Nach au­ßen hin ist es ziem­lich ru­hig ge­wor­den um die Fra­ge, wer in der Diö­ze­se Gur­kKla­gen­furt neu­er Bischof wird. Der lang­jäh­ri­ge Kärnt­ner Ober­hir­te Alois Schwarz (67) wur­de ja im Ju­li 2018 nach St. Pöl­ten ver­setzt. Der un­ge­wöhn­li­che Schritt war we­gen mas­si­ver Vor­wür­fe der Miss­wirt­schaft vor al­lem im bi­schöf­li­chen Men­sal­gut und we­gen sei­ner pri­va­ten Le­bens­füh­rung und des zu gro­ßen Ein­flus­ses sei­ner engs­ten Mit­ar­bei­te­rin auf die Diö­ze­se er­folgt.

Über die Nach­fol­ge von Schwarz in Kla­gen­furt ist au­ßer va­gen Ge­rüch­ten nichts Hand­fes­tes be­kannt. Der Va­ti­kan hat­te zum Jah­res­tag der Ver­set­zung je­doch ein­ge­grif­fen und den vom Dom­ka­pi­tel als in­te­ri­mis­ti­schen Ver­wal­ter der Diö­ze­se ge­wähl­ten Engelbert Gug­gen­ber­ger (66) ab­ge­setzt. Ei­ne Be­grün­dung da­für war, dass der Ge­ne­ral­vi­kar nach mehr als ei­nem Jahr im Amt sonst kir­chen­recht­lich au­to­ma­tisch grö­ße­re Be­fug­nis­se er­hal­ten hät­te. Ver­wal­ter im Auf­trag des Paps­tes (Apos­to­li­scher Ad­mi­nis­tra­tor) ist nun der ös­ter­rei­chi­sche Mi­li­tär­bi­schof Wer­ner Frei­stet­ter (65).

Gug­gen­ber­gers Ab­set­zung lös­te gro­ßen Un­mut in der Diö­ze­se Gur­kKla­gen­furt aus. An­fang Ju­li ver­sam­mel­ten sich 600 Gläu­bi­ge zu ei­ner Kund­ge­bung, seit­her kom­men wö­chent­lich am Mitt­woch im Kla­gen­fur­ter Dom 100 bis 150 Men­schen zu ei­nem Ge­bet für die Diö­ze­se. Das Fo­rum Mün­di­ge Chris­ten for­dert, dass Gug­gen­ber­ger neu­er Bischof in Kärn­ten wird. Die Initia­to­ren wa­ren Ga­b­ri­el Sta­benthei­ner, Be­triebs­rats­ob­mann der Diö­ze­se, und Ger­da Schaf­fel­ho­fer, bis 2018 Prä­si­den­tin der Ka­tho­li­schen Ak­ti­on, ei­ner wich­ti­gen Lai­en­or­ga­ni­sa­ti­on der Kir­che in Ös­ter­reich. Sie lebt seit ih­rer Pen­sio­nie­rung in Kärn­ten.

Sta­benthei­ner ra­del­te von Kla­gen­furt bis Rom, um die von fast 5600 Men­schen un­ter­zeich­ne­te Pe­ti­ti­on im Va­ti­kan zu über­rei­chen. Und Schaf­fel­ho­fer schrieb dem Papst ei­nen Brief, „denn das hat­ten wir noch nicht ver­sucht“, wie sie den SN am Di­ens­tag sag­te. Und sie­he da, es trat ein, was kaum je­mand glaub­te: Fran­zis­kus per­sön­lich ant­wor­te­te, und das auch noch bin­nen ei­ner Wo­che. Das kann durch­aus als Sen­sa­ti­on be­zeich­net wer­den. Der Brief ist mit 7. Au­gust da­tiert – just, als Sta­benthei­ner die Un­ter­schrif­ten nach Rom brach­te.

Die SN kön­nen aus dem Brief des Paps­tes nach Kärn­ten zi­tie­ren: „Ich ha­be Ih­ren Brief auf­merk­sam ge­le­sen und ver­ste­he die Be­deu­tung des Pro­blems“, ließ Papst Fran­zis­kus die en­ga­gier­te Ka­tho­li­kin Schaf­fel­ho­fer wis­sen. Um sich beim ar­gen­ti­ni­schen Papst in Er­in­ne­rung zu ru­fen, hat­te sie ihm das Buch „Ge­be­te für Papst Fran­zis­kus“noch­mals mit­ge­schickt, das sie 2014 her­aus­ge­ge­ben hat­te und dem Papst da­mals auch im Rah­men ei­ner Au­di­enz in Rom über­rei­chen konn­te.

Kon­kret kün­dig­te der Papst an, er wer­de nach dem Ur­laub des Prä­fek­ten der Bi­schofs­kon­gre­ga­ti­on „mit ihm spre­chen, um die Si­tua­ti­on zu be­ur­tei­len und nach der Lö­sung zu su­chen“. Da­mit er­klärt Fran­zis­kus den Fall Schwarz zur Chef­sa­che.

Schaf­fel­ho­fer und Sta­benthei­ner sa­gen, das Schrei­ben ge­be ih­nen Hoff­nung, denn sie hät­ten er­reicht, dass der Papst nun voll­stän­dig über die Sa­che um Bischof Schwarz in­for­miert sei.

Die Bi­schofs­kon­gre­ga­ti­on, die für das rund 6000 Ober­hir­ten um­fas­sen­de Füh­rungs­per­so­nal der ka­tho­li­schen Kir­che zu­stän­dig ist, lei­tet seit 2010 der aus Ka­na­da stam­men­de Kar­di­nal Marc Ou­el­let (75).

Das Schrei­ben von Fran­zis­kus ist recht per­sön­lich ge­hal­ten und auf Deutsch for­mu­liert. Die Sät­ze sind so kurz, dass sie auf ein di­rek­tes Dik­tat des Pon­ti­fex schlie­ßen las­sen, und sie he­ben sich von di­plo­ma­ti­schen Flos­keln ab. Schaf­fel­ho­fer glaubt nach Rück­spra­che mit ei­nem Va­ti­kan-Ken­ner, es sei ei­ne Über­set­zung aus Spa­nisch oder Ita­lie­nisch – die Spra­chen, die Papst Fran­zis­kus am meis­ten ver­wen­det. Un­ter­zeich­net ist das Schrei­ben hand­schrift­lich mit „Fran­zis­kus“.

We­gen der Vor­wür­fe ge­gen Schwarz hat­te der Salz­bur­ger Erz­bi­schof Franz Lack­ner als kir­chen­in­tern Zu­stän­di­ger im Auf­trag des Paps­tes die Si­tua­ti­on in der Kärnt­ner Diö­ze­se un­ter­sucht. So­wohl Lack­ner als auch Kar­di­nal Chris­toph Schön­born sag­ten nach Er­stel­lung des ge­hei­men Vi­si­ta­ti­ons­be­richts im März 2019, sie könn­ten sich nicht vor­stel­len, dass es kei­ne Kon­se­quen­zen ge­be.

Auch die Wirt­schafts- und Kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft er­mit­telt ge­gen Bischof Schwarz und sei­ne ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­te­rin. Es geht da­bei um den Ver­dacht der Un­treue und des Be­trugs bzw. der Steu­er­hin­ter­zie­hung bei Im­mo­bi­li­en­ge­schäf­ten. Nach Aus­kunft der Justiz gab es in dem be­richts­pflich­ti­gen Fall in den ver­gan­ge­nen zwei Mo­na­ten kei­ne Än­de­run­gen, über ent­spre­chen­de Vor­ha­ben der Staats­an­wäl­te ha­ben al­so die Ober­in­stan­zen of­fen­bar noch nicht ent­schie­den.

„Brau­chen in Kärn­ten ei­nen Neu­start.“Ger­da Schaf­fel­ho­fer „Mün­di­ge Chris­ten“

BILD: SN/APA/AFP/T. FABI

Papst Fran­zis­kus (hier am Mon­tag auf Mau­ri­ti­us) be­fasst sich per­sön­lich mit Bischof Alois Schwarz.

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