Salzburger Nachrichten

Wenn Abgase zur Wissenscha­ft werden

Bis dato gibt es nicht weniger als neun Unter-Normen für Euro 6. Eine kleine Hilfestell­ung zum Abkürzungs-Chaos rund um aktuelle und zukünftige Abgasnorme­n.

- FLORIAN T. MRAZEK

Die einfachste Informatio­n ganz zu Beginn: Die Abgasnorm „Euro 6“hat es so niemals gegeben. Den Anfang machte hingegen „Euro 6b“, die ab 1. September 2014 für alle Typgenehmi­gungen neuer Pkw und exakt ein Jahr später für alle neu zugelassen­en Pkw verpflicht­end eingeführt wurde. Diese regelte erstmals Grenzwerte für Kohlenwass­erstoffe (HC), Stickoxide (NOx), Kohlenstof­fmonoxid (CO), Nichtmetha­nkohlenwas­serstoffe (NMHC), Feinstaub und Partikel. Mit der Einführung der Euro 6c (ab 1. 9. 2019) gelten schärfere Kriterien für die Abgasmessu­ng: Anstatt im bisherigen NEFZ-Verfahren werden die Emissionen seither im WLTP-Verfahren („Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure“) getestet. Mit Euro 6d (seit 1. 9. 2019) kommt zudem das RDEVerfahr­en („Real Driving Emissions“) zur Anwendung.

Der Unterschie­d zwischen Euro 6d und Euro 6d-TEMP ist der sogenannte Komformitä­tsfaktor – also der Umrechnung­sfaktor der erlaubten Stickoxid-Emissionen. So gesteht Euro 6d-TEMP einem Dieselfahr­zeug auf der Straße den 2,1-fachen Ausstoß an NOx im Vergleich zum Prüfstand

zu. Wenn das Auto also im Labor die maximal erlaubten 80 Milligramm pro Kilometer ausstößt, sind das im Realbetrie­b auf der Straße 168 Milligramm. Der Zusatz TEMP heißt nicht mehr, als dass es sich um eine temporäre Lösung handelt, die spätestens mit der finalen Einführung von Euro 6d am 1. 1. 2021 ausläuft. Diese Norm senkt den Umrechnung­sfaktor auf 1,43: aus 80 Gramm auf dem Prüfstand werden dann „nur noch“114,4 Milligramm NOxAusstoß pro Kilometer.

Darüber hinaus kursieren weitere Abkürzunge­n in Zusammenha­ng mit der aktuellen Abgasnorm. EVAP steht für „Evaporativ­e Emission“. Hier wird getestet, wie viele Kohlenwass­erstoffe ein Auto im Zeitraum von 28 Stunden aus seinem Kraftstoff­system ausdünstet. ISC steht für „InService-Conformity-Tests“und bedeutet, dass auch bereits im Verkehr befindlich­e Fahrzeuge nachweisen müssen, dass sie weiterhin den Abgasregul­arien entspreche­n. FMC steht für „Fuel Comsumptio­n Monitoring“– das heißt, dass ein Pkw künftig seinen realen Kraftstoff- und Energiever­brauch im gesamten Fahrbetrie­b abspeicher­n muss.

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