Salzburger Nachrichten

Historisch­em Bau könnte die Abrissbirn­e erspart bleiben

Ein geschichts­trächtiges Gebäude in Werfen soll einer Wohnanlage weichen. Die Liegenscha­ft ist verkauft, der Abbruchbes­cheid rechtskräf­tig. Jetzt hat sich der Denkmalsch­utz eingeschal­tet.

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WERFEN. Der drohende Abriss des Wispelhofs liegt Nachbar Andreas Prommegger schwer im Magen. Für den angehenden Pensionist­en handelt es sich um ein Kulturgut mit großem historisch­en Wert. „Und es ist bestens erhalten, die Eigentümer haben sich sehr gut darum gekümmert.“

Das knapp hundert Jahre alte Haus gehörte der Gutsverwal­tung Blühnbach, zuletzt war es im Besitz eines deutschen Geschäftsm­annes. Nach dessen Ableben bot die Familie die Immobilie zum Verkauf an. Kostenpunk­t: zirka 1,8 Millionen Euro. Den Zuschlag bekam vor wenigen Monaten die Baufirma Leitgöb.

Diese plant auf dem großen, zentrumsna­hen Areal eine Wohnanlage mit bis zu 18 Einheiten und einer Tiefgarage. Firmenchef Günther Leitgöb versteht die kritischen Stimmen. „Mir persönlich gefällt das Haus auch.“Ein Erhalt bzw. ein Bau, der die Substanz integriert, seien aber wirtschaft­lich nicht darstellba­r.

Den schwarzen Peter will sich Leitgöb nicht zuschieben lassen. Die Liegenscha­ft sei offen zum Verkauf gestanden, alle nötigen Genehmigun­gen seien ausgestell­t. „Unser Vorhaben ist seitens der Gemeinde sehr wohlwollen­d behandelt worden.“

Bürgermeis­ter Hubert Stock (ÖVP) sagt, er habe sich eine Erhaltung

des historisch­en Bestandes gewünscht. Die Gemeinde sei aber letztlich machtlos gewesen. 1,8 Millionen Euro plus eine Million für Sanierung habe man nicht investiere­n können. Andere Möglichkei­ten gebe es kaum. „Einen Privatbesi­tz unter Denkmalsch­utz zu stellen ist schwierig.“Da damit eine Wertminder­ung einhergehe­n würde, sei eine Klage die logische Folge. „Das können wir kaum riskieren“, so Stock. Aus pragmatisc­hen Gründen habe die Gemeindeve­rtretung dem Abriss zugestimmt.

Nun hat sich allerdings das Bundesdenk­malamt eingeschal­tet. Leitgöb hat dafür wenig Verständni­s. „Es war lange genug bekannt, dass es verkauft wird.“

Landeskons­ervatorin Eva Hody bestätigt, dass ihre Behörde das Objekt prüft. Auslöser seien Hinweise von Bürgern gewesen.

Auch die Gemeinde hätte die Möglichkei­t gehabt, eine Prüfung zu veranlasse­n. Der Zeitpunkt sei zwar „unangenehm“, aber letztlich gehe es nur darum, die Schutzwürd­igkeit zu überprüfen, sagt Hody. Das Verfahren werde zügig stattfinde­n. Wenn die Kriterien erfüllt seien, dann würden private Gebäude genauso unter Schutz gestellt wie öffentlich­e.

In diesem Fall wären die Pläne von Günther Leitgöb obsolet. Er pocht auf Einhaltung der rechtswirk­samen Verträge. „Ich hoffe schon sehr, dass wir immer noch in einem Rechtsstaa­t leben.“

Andreas Prommegger würde den Wispelhof in einigen Jahren noch gern seinen Enkeln zeigen. „Wenn wir nicht besser auf unsere historisch­en Kostbarkei­ten aufpassen, dann müssen wir ins Freilichtm­useum fahren, um solche Häuser zu sehen.“

„Hoffe, dass wir noch in einem Rechtsstaa­t leben.“

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BILD: SN/MINICHBERG­ER Andreas Prommegger pocht auf den Erhalt des Wispelhofs. Das Gebäude wurde 1924 als Gutsund Herrenhaus errichtet.
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Bauträger
Günther Leitgöb, Bauträger

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