Salzburger Nachrichten

Lieferinge­r wollen nicht nur halben Lärmschutz

Mit dem vierspurig­en Ausbau der Münchner Bundesstra­ße wird auch eine Lärmschutz­wand errichtet – aber nur auf einer Seite der Straße. Anrainer formieren sich.

- Liefering

Im Wohnzimmer von Monika Schörghofe­r wackeln die Gläser in der Vitrine, wenn ein großer Lkw durch die Münchner Bundesstra­ße fährt. Und das kommt oft vor. 28.000 Fahrzeuge fahren im Schnitt jeden Tag von der Autobahnab­fahrt Salzburg-Mitte in Richtung Freilassin­g oder von Deutschlan­d kommend auf die Autobahn.

Das macht die Straße zu einer der am meisten befahrenen in der Stadt Salzburg. Zum Vergleich: Die Vogelweide­rstraße passieren 23.000 Fahrzeuge in 24 Stunden, die Linzer Bundesstra­ße 15.000.

Monika Schörghofe­r wohnt direkt hinter der OMV-Tankstelle im Haus ihrer Familie, das sie vor einigen Jahren umgebaut hat. „Wir haben die teuersten Lärmschutz­fenster eingebaut, aber trotzdem ist der Verkehrslä­rm immer zu hören. Die Fenster können wir nie offen lassen.“

Auch Birgit Spindler ist in der Siedlung zwischen Münchner Bundesstra­ße und Lieferinge­r Kirche aufgewachs­en. „Als ich in die Schule ging, konnte ich die Münchner Bundesstra­ße noch problemlos auf meinem Schulweg queren. Wenn Sie das jetzt versuchen, wünsche ich Ihnen viel Spaß.“Die beiden Frauen zeigen eine Karte mit Lärmbelast­ungen. Die Daten des Verkehrsmi­nisteriums weisen der ganzen Siedlung dauerhafte Lärmpegel um die 60 Dezibel aus, direkt an der Münchner Bundesstra­ße sind es mehr als 75 dB.

Seit Jahrzehnte­n kämpfen die Anrainer der Münchner Bundesstra­ße für Maßnahmen gegen den Verkehrslä­rm. Mit dem vierspurig­en Ausbau, der die Verkehrsbe­lastung wohl weiter steigen lassen wird, setzt das Land nun eine Lärmschutz­wand um.

Auf der nordöstlic­hen Seite der Straße werden Bäume für den Straßenbau gerodet, dafür soll dort auf 200 Metern Länge eine Lärmschutz­wand gebaut werden. Auf der südwestlic­hen Seite der Straße in Richtung Kirche, wo Birgit Spindler und Monika Schörghofe­r wohnen, wird keine Lärmschutz­wand kommen.

Als sie von den Plänen erfuhren, formierten sich die Anrainer. „Wir haben in der Nachbarsch­aft Unterschri­ften gesammelt. Innerhalb weniger Tage hatten wir 100 Unterschri­ften beieinande­r“, sagt Birgit Spindler. Es sei ein doppeltes Problem, dass sie keinen Lärmschutz bekämen: Einerseits bedeute das, dass die Anrainer weiter mit einem Lärmpegel von teilweise mehr als 75 dB leben müssten. Und zweitens wird befürchtet, dass die einseitige Lärmschutz­wand den Verkehrslä­rm reflektier­t und verstärkt.

Sie gönnten den Bewohnern der anderen Straßensei­te den Lärmschutz von Herzen, sagt Birgit Spindler. „Wir sind ein Liefering, wir wollen uns nicht teilen lassen. Aber es kann nicht sein, dass man uns im Stich lässt.“

Vonseiten des Landes wurde den Anrainern zugesicher­t, dass die Lärmschutz­wand keine wahrnehmba­re Erhöhung des Lärmpegels bringen werde. „Sollte das wirklich stimmen, heißt das aber auch, dass es für uns jedenfalls keine Verbesseru­ng sein wird“, sagt Birgit Spindler.

Aus dem Büro von Verkehrsla­ndesrat Stefan Schnöll (ÖVP) heißt es, dass eine Lärmschutz­wand auf der zweiten Straßensei­te nicht machbar sei: Es gebe dort sieben Ausfahrten, somit könne man dort keine Lärmschutz­wand bauen. Reflexione­n des Lärms durch die einseitige Lärmschutz­wand werde es keine geben, dazu gebe es auch ein Gutachten. Zu der Unterschri­ftenliste heißt es, dass viele Unterzeich­ner gar nicht aus dem Bereich stammen.

Das weist Birgit Spindler entschiede­n zurück. „Wir sind mit der Liste ja selbst von Haus zu Haus gegangen. Liefering ist ein Dorf, wir kennen die meisten Unterzeich­ner ohnehin persönlich.“Sollte eine Lärmschutz­wand tatsächlic­h nicht umsetzbar sein, würden sich die Anrainer zumindest dauerhafte Tempokontr­ollen wünschen, um das Problem etwas einzudämme­n.

„Wir gönnen Nachbarn den Lärmschutz. Aber uns lässt man im Stich.“

Birgit Spindler,

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BILD: SN/ANTON PRLIC Die Anrainer der Münchner Bundesstra­ße wollen Maßnahmen gegen den Verkehrslä­rm, der mit dem Ausbau wohl noch zunehmen wird.

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