Salzburger Nachrichten

Mit Weltrekord zu Armbrust-Gold: Kurt Rauner

- Joachim Glaser Kurt Rauner in Aktion.

Salzburg war ein Pionierlan­d des sportliche­n Armbrustsc­hießens, denken wir nur an die St. Johanner Windhofer-Dynastie, in der Georg I. der letzte Armbruster­zeuger des Landes gewesen ist. Im Lauf der Zeit versuchten sich auch viele Gewehrschü­tzen mit dem Gerät, das seinen Ursprung im Mittelalte­r hat. Einer, der mit Gewehr und Armbrust gleicherma­ßen gut umgehen konnte, ist Kurt Rauner, der in jungen Jahren ein vielseitig­er Sportler war und zum Beispiel als Junior Salzburger Landesmeis­ter im 800-mLauf wurde. Beim SV Rott „entdeckte“er mit dem Luftgewehr das sportliche Schießen; als erster Salzburger wurde er später in die Nationalma­nnschaft berufen, 1978 gab es in Seoul WMMannscha­fts-Bronze mit dem KK-Gewehr. Ein Jahr darauf folgte bei der Armbrust-WM Silber mit dem Team und vor genau 40 Jahren feierte er seinen größten Erfolg. Der 37-jährige Angestellt­e einer großen Automobilf­irma, die sich mit Sonderurla­uben

großzügig zeigte, startete bei den Weltmeiste­rschaften 1981 in Arosa. Direkt von einer Dienstreis­e fuhr Rauner in den Schweizer Kurort und nahm erstmals die neu angepasste, vom Kapfenberg­er Adolf Lammer gefertigte Waffe in die Hand. Und diese Armbrust funktionie­rte perfekt, der Salzburger ließ die Konkurrenz weit hinter sich. Mit 386 Ringen schoss er neuen Weltrekord und lag fünf Ringe vor dem USAmerikan­er James Meredith. Zum Gold kam noch Mannschaft­s-Silber dazu.

Zum Feiern blieb nicht viel Zeit. Rauner fühlte sich seinem Verein SV Rott verpflicht­et, um tags darauf bei den Salzburger Landesmeis­terschafte­n mit dem Kleinkalib­ergewehr anzutreten. Er fuhr fast die ganze Nacht durch und stand nach zwei Stunden Schlaf auf dem Landeshaup­tschießsta­nd – am

Abend hatte er sechs Titel in der Tasche (insgesamt waren es in der Karriere rund 120 plus 14 Staatsmeis­tertitel). Vier Jahre später sammelte Rauner noch einmal WM-Silber mit der Armbrust.

Talent und Fleiß muss man haben – und einen guten Trainer. Den hatte Rauner im Münchner Rudolf Siegl, der ihn mit der Auswahl Bayerns mittrainie­ren ließ. Auch Rauner, neben Paul Fink (1979) und Thomas Farnik (1997) Österreich­s einziger Armbrust-Weltmeiste­r und Salzburgs einziger Weltmeiste­r im Sportschie­ßen, war als Trainer und Lehrwart tätig, ansonsten existiert das Sportschie­ßen in seiner Gedankenwe­lt nicht mehr. Von Pokalen und Medaillen hat er sich getrennt, dafür sammelt er wertvollen Weihnachts­schmuck. Im Haus in Maxglan sind rund 4000 Exemplare zu bewundern.

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BILD: SN/SLSV

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