Salzburger Nachrichten

Höhenflüge der Milliardär­e

Der Brite Richard Branson ist noch vor Amazon-Gründer Jeff Bezos ins All geflogen. Der reichste Mann der Welt düst am 20. Juli in den Weltraum – mit einer 82-Jährigen an Bord.

- SN-ham, dpa

Die „VSS Unity“stieg am Sonntag nach dem Start im US-Bundesstaa­t New Mexico auf etwa 86 Kilometer Höhe und landete wieder wohlbehalt­en auf dem kommerziel­len Weltraumba­hnhof Spaceport America. „Ich war einmal ein Kind mit einem Traum, das zu den Sternen aufschaute. Jetzt bin ich ein Erwachsene­r in einem Raumschiff und schaue auf unsere schöne Erde“, sagte Branson während der etwas mehr als drei Minuten Schwerelos­igkeit. Der 70-Jährige war mit zwei Astronauti­nnen und drei Astronaute­n aufgebroch­en. Ziel von Branson ist es, ins Geschäft mit dem Weltraumto­urismus einzusteig­en.

Das Interesse ist nachvollzi­ehbar: Branchenex­perten der Schweizer Großbank UBS rechnen damit, dass sich bis Ende des Jahrzehnts ein Markt von jährlich drei Milliarden Dollar entwickelt. Wohlhabend­e Menschen aus aller Welt haben sich bei den Anbietern bereits auf die Warteliste­n gesetzt, um Flugticket­s zum Preis von umgerechne­t rund 211.000 Euro zu ergattern.

Doch Bransons All-Trip ist auch ein PR-Coup gegen seinen Konkurrent­en Jeff Bezos: Der reichste Mann der Welt bewarb in den vergangene­n Wochen seinen Flug ins

Weltall am 20. Juli groß – dann kam Branson und kündigte an, dass er schon Tage früher fliegen werde. Bezos gratuliert­e Branson bei Instagram und ergänzte: „Kann es kaum erwarten, dem Club beizutrete­n.“

Unter Experten ist es jedoch strittig, ob Branson tatsächlic­h im Weltraum war: Der Internatio­nale Luftfahrtv­erband (FAI) und viele andere

Experten sehen zwar 100 Kilometer über der Erde als Grenze zum Weltraum an, es gibt jedoch keine verbindlic­he internatio­nale Regelung. So haben auch Soldaten der US Air Force die Bezeichnun­g Astronaut erhalten, obwohl sie nur in 80,5 Kilometern Höhe geflogen waren.

Das 18 Meter lange „VSS Unity“Raumflugze­ug bietet zwei Piloten und sechs Passagiere­n Platz, ab 2022 soll es Touristen ins All bringen. Branson ist bei Weitem nicht der erste Tourist in der Schwerelos­igkeit, doch will er mit Virgin Galactic kommerziel­le Weltraumfl­üge salonfähig machen.

Das will auch Jeff Bezos mit seiner Raumfahrtf­irma Blue Origin. Auf den Flug mit der Rakete „New Shepard“am 20. Juli nimmt er seinen Bruder mit und eine noch unbekannte Person, die den Sitzplatz für 28 Millionen US-Dollar ersteigert hat. Zudem wird die 82-jährige Wally Funk an Bord sein. Sie war die erste Frau, die einen Posten als Prüferin für Flugsicher­heit der US-Verkehrsbe­hörde NTSB erhielt, und auch die erste Lehrerin der Flugbehörd­e FAA. In den 1960er-Jahren absolviert­e sie nach Angaben von Blue Origin als jüngste Teilnehmer­in ein privates Trainingsp­rogramm für Frauen, die ins All fliegen wollten. Doch Funk wurde nie für eine Mission ausgewählt – bis jetzt. Die „New Shepard“soll nach dem Start innerhalb von zwei Minuten auf mehr als 3700 km/h beschleuni­gen. Nach drei Minuten soll die Schwerelos­igkeit einsetzen, bevor die Kapsel mehr als 100 Kilometer Höhe über der Erde erreicht.

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BILD: SN/AP Richard Branson: „Jetzt bin ich ein Erwachsene­r in einem Raumschiff.“
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