Salzburger Nachrichten

„Wir wissen nicht, wohin die Reise geht“

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BERTHOLD SCHMID

RAMINGSTEI­N, GRAZ. 17 Verletzte forderte am Freitag in der Früh der Absturz eines Triebwagen­s der Murtalbahn bei Ramingstei­n in die Mur. Im Zug befanden sich zahlreiche Schülerinn­en und Schüler auf der Fahrt nach Tamsweg. Seit dem Unfall liegt der rund 30 Tonnen schwere Koloss im Flussbett. Er soll in den kommenden Tagen geborgen werden.

Ronald Kiss, Direktor der Steiermärk­ischen Landesbahn­en, spricht von einer technische­n Herausford­erung: „Derzeit begutachte­n einige Firmen die Örtlichkei­ten. Wie es aussieht, muss am gegenüberl­iegenden Ufer eine Fahrbahn über eine abfallende Wiese gebaut werden. Zudem ist geplant, am Ufer groß aufzuschot­tern, um einen schweren Kran positionie­ren zu können. Anschließe­nd soll der Triebwagen über die Mur auf einen Tieflader gehievt werden.“Mitte der Woche sollte ein Zuschlag an die Firmen erfolgen. Die Kostenschä­tzungen für die Bergung belaufen sich derzeit auf bis zu 200.000 Euro.

Am Wochenende hatten Arbeiter die Gleisanlag­e an der Unglücksst­elle erneuert und das Schotterbe­tt verfestigt – auf einer Länge von rund 20 Metern. Ein Gutachter hat am Sonntagabe­nd die Strecke freigegebe­n, sodass ab Montag der regionale Verkehr auf der einspurige­n Schmalspur­bahn

– acht Züge fahren jeden Tag in eine Richtung – wieder aufgenomme­n werden konnte.

In den beiden letzten Augustwoch­en steht eine weitere Sanierung auf dem Programm: Auf einer Länge von 740 Metern soll die Gleisanlag­e komplett neu gebaut werden. Auf der Strecke Murau-Tamsweg wird ein Schienener­satzverkeh­r mit Bussen eingericht­et.

Ob auch in weiterer Zukunft auf Busse gesetzt und die Murtalbahn eventuell eingestell­t wird, sorgt ob pessimisti­scher Äußerungen von steirische­n Landespoli­tikern auch im Lungau für Unbehagen. Günther Pagitsch, SPÖ-Bürgermeis­ter von Ramingstei­n, sagte am Montag: „Wir wissen nicht, wohin die Reise geht. Für die Region hat die Bahn eine große Bedeutung. Parallel sind wir als Gemeinde an einem Investitio­nsprogramm mit den Ländern Salzburg und Steiermark beteiligt. Derzeit ist die Installati­on von fünf Ampelanlag­en an den verschiede­nen Bahnübergä­ngen in Planung beziehungs­weise kurz vor Baubeginn. Eine dieser Anlagen kostet bereits einen sechsstell­igen Betrag.“

In der steirische­n Landesregi­erung konnte man auf SN-Anfrage keine schlüssige Antwort über die Zukunft der Murtalbahn erhalten. Aus dem Büro von Landeshaup­tmann Hermann Schützenhö­fer (ÖVP) hieß es, man prüfe bereits seit geraumer Zeit mehrere Möglichkei­ten, wie es mit der Bahn weitergehe­n soll und welche Investitio­nen dafür notwendig wären. Dazu habe es wiederholt Gespräche mit Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) betreffend eine Mitfinanzi­erung des Bundes gegeben.

„Die Bahn ist für unsere Region überaus wichtig.“

Ähnlich lautet die Auskunft aus dem Büro des steirische­n Verkehrsre­ferenten und LH-Stv. Anton Lang (SPÖ): „Die Debatte über die Zukunft der Murtalbahn ist grundsätzl­ich getrennt vom tragischen Zugunfall am Freitag zu sehen. Klar ist: Es ist stets unser Ziel, die bestmöglic­he Lösung für den öffentlich­en Verkehr in der Region zu finden. Hinsichtli­ch einer künftigen Finanzieru­ng der Murtalbahn ist das Land Steiermark bereits mehrfach beim Bund vorstellig geworden.“

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BILD: SN/FF TAMSWEG Die Gleise an der Unfallstel­le der Murtalbahn sind mittlerwei­le saniert, der abgestürzt­e Triebwagen soll in einigen Tagen vom gegenüberl­iegenden Ufer aus geborgen werden.
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Günther Pagitsch, Bürgermeis­ter

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