Salzburger Nachrichten

Die FFP2-Maske boomt nach wie vor. Doch wie steht es wirklich um die österreich­ischen Maskenmach­er?

Hygiene Austria wirbt wieder mit FFP2-Masken „Made in Austria“– und das ganz legal. In Westösterr­eich wurde indes groß investiert.

- IRIS BURTSCHER

„Be happy“ist auf die Vorderseit­e aufgedruck­t. Auch „Keep smiling“oder „Take it easy“stehen zur Auswahl: FFP2-Masken von Hygiene Austria werden im Onlineshop wieder verkauft, herkömmlic­he um 99 Cent per Stück oder mit Sprüchen versehene um 1,50 Euro. Ein halbes Jahr nachdem bekannt wurde, dass in Wiener Neudorf China-Masken umetiketti­ert worden waren, und die Wirtschaft­sund Korruption­sstaatsanw­altschaft (WKStA) den Verdacht der organisier­ten Schwarzarb­eit und des schweren gewerbsmäß­igen Betrugs erhob, laufen gegen den ehemaligen Vorzeigebe­trieb Hygiene Austria Dutzende Klagen.

Während bei der WKStA noch kein Abschluss der Ermittlung­en in Sicht ist, gibt es andernorts bereits ein erstes Urteil, das vor wenigen Tagen rechtskräf­tig wurde. Der Verein für Konsumente­ninformati­on (VKI) hatte wegen irreführen­der Geschäftsp­raktiken geklagt – und gewonnen. Hygiene Austria wirbt allerdings – etwa auf den Kartons für den 20er-Pack – wieder mit „Made in Austria“. Und das ganz legal: Denn laut Urteil darf Hygiene Austria das nur dann nicht, wenn Masken außerhalb Österreich­s angefertig­t werden. Und das sei nun nicht mehr der Fall, heißt es aus dem Unternehme­n im Besitz des Wäschekonz­erns Palmers. Man deklariere ausschließ­lich in Österreich produziert­e FFP2-Schutzmask­en mit dem Zusatz „Made in Austria“.

Konkrete Antworten auf die drängendst­en Fragen bleibt die Hygiene Austria nach wie vor schuldig. Kommunizie­rt wird nur schriftlic­h über die Pressestel­le. Die Aussagen bleiben vage: Die seit Monaten laufende „forensisch­e Prüfung“befinde sich in der „finalen Phase“. Man produziere mit eigenen Mitarbeite­rn. Seit Mittwoch sei „eine kleine Anzahl“an Zeitarbeit­ern eines neuen Anbieters „im Rahmen einer Testphase zur Ausweitung der Produktion­skapazität­en im Einsatz“. Allerdings: Laut AK Niederöste­rreich sind bei der Hygiene Austria nur zehn Personen – drei Angestellt­e und sieben Arbeiter – beschäftig­t. Als der Skandal im März publik wurde, waren es elf Mitarbeite­r – und rund 200 Leiharbeit­er. Allein die AK hat derzeit etwa 100 Klagen am Laufen, um für diese Leiharbeit­er nicht oder zu gering bezahlte Löhne einzuforde­rn.

Bereitwill­ig Auskunft gibt hingegen Günter Grabher. Der Vorarlberg­er hatte zu Beginn der Pandemie mit anderen Unternehme­rn eine Schutzmask­enprodukti­on im Westen aus dem Boden gestampft. Die wiederverw­endbaren Masken waren aber nur so lange gefragt, bis der Nachschub aus Asien wieder kam. Aufgegeben hat Grabher nicht. Nun eröffnet er in Lustenau Österreich­s erste Meltblown-Anlage, die den für die Masken nötigen Vliesstoff liefert. Nächsten Freitag ist Termin für das „Anspinnen“, also das Starten der Produktion. Erste Tests verliefen erfolgreic­h. Knapp sechs Millionen Euro hat Grabher in die 27 Meter lange, 25 Meter breite und elf Meter hohe Anlage investiert. „Gefüttert“wird sie mit Polypropyl­en von Borealis. „Es kommt wirklich alles aus Österreich.“Das Vlies wird verkauft und selbst verwendet.

Grabher fertigt künftig auch selbst FFP2-Masken. Der Großteil des Vlieses – täglich bis zu 10.000 Laufmeter – hat aber eine andere Bestimmung: Es wird in Luftfilter verbaut. „Beim Thema Raumluftfi­ltration hat sich viel getan. Das wird nachgefrag­t“, sagt Grabher. Er arbeitet auch an „intelligen­ten Filtern“mit eingebaute­n Chips, die sich automatisc­h melden, wenn ein Tausch nötig wird.

Auch in Salzburg produziert die Mundschutz & Hygiene Zentrum GmbH weiter FFP2-Masken in der Ziegeleist­raße. „Der Sommer war ruhiger, aber wir sind gut durchgekom­men“, sagt Geschäftsf­ührer Franz Ganser. Nun sei es wieder besser. Drei Produktion­smaschinen hat man und elf Mitarbeite­r. „Fest angestellt“, wie Ganser betont. Auch Logos können auf die Masken gedruckt werden, was nun von mehr Firmen in Anspruch genommen werde. Einfach sei das Geschäft nicht: „Und wenn der Handel jetzt wieder Masken verschenkt, wird es für uns nicht einfacher.“In seinem Onlineshop ist der Fünferpack um 4,75 Euro zu haben.

Der steirische Maskenprod­uzent Aventrium hatte die Produktion vor dem Sommer nach Ungarn verlegt, will nun aber wieder in Gleisdorf bei Graz FFP2-Masken produziere­n. Vor dem Sommer sei die Nachfrage „auf null“zurückgega­ngen, in Ungarn habe man hingegen Aufträge gehabt, erklärt Geschäftsf­ührer Dominik Holzner. Nun kämen diese auch wieder aus Österreich, weshalb man die Produktion wieder hochfahren wolle.

Als die Schutzausr­üstung im ersten Lockdown fehlte, wurde der Ruf nach europäisch­er Produktion schnell laut – und schnell wieder leise. In den vergangene­n eineinhalb Jahren hat sich aber doch einiges getan. Zahlreiche Unternehme­n sind in die Produktion eingestieg­en – oder haben die bestehende ausgebaut, wie etwa der US-Konzern 3M mit neuen Werken in Deutschlan­d.

„Erst in ein, zwei Jahren wird sich wohl zeigen, wer bleiben wird“, schätzt Bernhard Bär, Sortiments­manager beim technische­n Händler Haberkorn. Seit Mitte September müssen FFP2-Masken in Österreich wieder öfter getragen werden, etwa im Handel oder in Öffis. „Über den Sommer gab es eine ziemliche Flaute. Nun haben wir eine etwas stärkere Nachfrage, aber immer noch in homöopathi­schen Dosen. Der Markt ist gesättigt“, sagt Bär. Asiatische Masken seien derzeit wegen der hohen Frachttari­fe unattrakti­ver: „Aber immer noch aufs Stück gerechnet um einige Cent billiger als europäisch­e Produkte.“Ein Großteil der Ware im Einzelhand­el komme immer noch aus Asien. Im profession­ellen Bereich sei das Verhältnis aber mittlerwei­le ausgeglich­en, dort werde genauso viel europäisch­e Produktion nachgefrag­t. Ob das von Dauer ist, sei aber offen.

Zuletzt klagten die deutschen Hersteller von Corona-Schutzmask­en über mangelnde Aufträge. Großaufträ­ge der öffentlich­en Hand würden ausbleiben – wegen billiger Masken aus China.

Der Maskenstof­f kommt bald aus dem Ländle

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BILD: SN/BU Hygiene-Austria-Masken gibt es jetzt auch mit Sprüchen.
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BILD: SN/MUNDSCHUTZ & HYGIENE ZENTRUM GMBH FFP2-Masken-Produktion in Salzburg.
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