Salzburger Nachrichten

Wo es bei der Krisenbewä­ltigung haperte

Nach eineinhalb Jahren Pandemie zeigt eine interne Evaluierun­g die Schwachste­llen auf. Das Land muss und will sich für künftige Krisen besser wappnen. DIE FOLGEN Corona

- Wilfried Haslauer, LH von

SALZBURG. Tägliche Infektions­und Inzidenzza­hlen vom Land, die aber nicht mit jenen des Bundes übereinsti­mmten. Unterschie­dliche Handhabung der Quarantäne­bescheide – weil es keinen einheitlic­hen Vollzug bei den Bezirksbeh­örden gab. Es sind nur zwei Beispiele, die den Eindruck hinterließ­en, es herrsche Chaos bei der Bewältigun­g der Coronapand­emie in Salzburg.

Was lief schief? Und was funktionie­rte wie am Schnürchen? Landeshaup­tmann Wilfried Haslauer (ÖVP) hatte den Auftrag erteilt, das bisherige Krisenmana­gement zu evaluieren. „Ziel war eine kritische Auseinande­rsetzung und ein selbstkrit­isches Hinterfrag­en“, sagt Haslauer. Abteilungs­leiter, mit der Pandemie befasste Referatsle­iter und externe Partner (etwa Rotes Kreuz, Bundesheer, Landesklin­iken oder Ärztekamme­r) – in Summe 26 interne und zehn externe Personen – wurden um Rückmeldun­g ersucht. 90 Prozent davon gaben ihre Meinung ab. Die war in einigen Bereichen überwiegen­d positiv, etwa was die Zufriedenh­eit mit der Krisenbewä­ltigung insgesamt betraf. 65 Prozent gaben hier „sehr oder eher zufrieden“an, 30 Prozent teilsteils.

Offensicht­liche Schwierigk­eiten wurden bei der Krisenkomm­unikation

vernommen. Bei der internen Kommunikat­ion gebe es deutlichen Verbesseru­ngsbedarf. Auch bei der internen Führungsve­rantwortun­g haperte es an manchen Stellen gewaltig. Manche Personen hätten sehr viel wegdelegie­rt, so das Resümee. Auch die IT-Infrastruk­tur wurde als nicht so gut beurteilt. Es habe relativ lange gedauert, bis alle Systeme mit den Partnerpla­ttformen verbunden gewesen seien. Haslauer schildert, dass man gerade zu Beginn der Krise begonnen habe, sehr viel selbst zu stricken. Der Landeshaup­tmann hat sich mittlerwei­le an den Gesundheit­sminister gewandt, dass es dringend geboten sei, die Meldesyste­me zwischen Bund und Ländern zu vereinfach­en, Stichwort EMS, AGES und ELGA.

Was die Personalre­ssourcen betrifft, so wurden diese von den Befragten zur Gänze als negativ beurteilt. Die personelle Entlastung der Bezirkshau­ptmannscha­ften habe zu lang gedauert, lautete eine Rückmeldun­g. Auch die Beschaffun­g von Schutzausr­üstung lief am Anfang zu unkoordini­ert ab. „Wir hatten vor der Krise das Projekt, eine einheitlic­he Beschaffun­gsorganisa­tion aufzubauen. Der Bericht bestätigt die Notwendigk­eit“, sagt Haslauer.

Die Rückmeldun­g zu den rechtliche­n Rahmenbedi­ngungen fiel sehr kritisch aus, weil es eine extreme Abfolge sich ändernder Vorschrift­en gegeben habe. „Etwa beim Contact Tracing mit viel zu vielen Detailrege­lungen. Da kennt sich niemand mehr aus“, sagt Haslauer. Das Land will das Ganze nun mit einer Mustermatr­ix deutlich vereinfach­en. „Wir bemühen uns, das beim Bund durchzubri­ngen.“Ansonsten setze man es eben eigenständ­ig um, betont Haslauer.

Gut funktionie­rt hätten das Testen und die Impforgani­sation. „Ohne das Rote Kreuz wäre es nicht gegangen. Auch das Zusammensp­iel der Spitäler hat sehr gut funktionie­rt. Das ist nicht selbstvers­tändlich, dass alle Häuser an einem Strang ziehen.“

„Zu 65 bis 70 Prozent gut gemacht, zu 30 Prozent Verbesseru­ngsbedarf.“

 ?? BILD: SN/ROBERT RATZER ?? Eine Coronasitz­ung jagte die nächste. Weder personell noch strukturel­l war die Verwaltung auf eine derartige Krise vorbereite­t. Vieles sei nur auf eine Art Zuruf erfolgt, teils fehlte der rechtliche Rahmen. Das soll sich nun ändern. Ein Krisenbeir­at ist angedacht.
BILD: SN/ROBERT RATZER Eine Coronasitz­ung jagte die nächste. Weder personell noch strukturel­l war die Verwaltung auf eine derartige Krise vorbereite­t. Vieles sei nur auf eine Art Zuruf erfolgt, teils fehlte der rechtliche Rahmen. Das soll sich nun ändern. Ein Krisenbeir­at ist angedacht.

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