Salzburger Nachrichten

Weil zu viele Radfahrer rasen: Gemeinde setzt Tempolimit

Das Mountainbi­ke und besonders das E-Bike boomen. Das verschärft die Sicherheit­sprobleme auf beliebten Routen. Scheffau bremst rasante Talfahrten jetzt ein – zum Schutz der Anrainer.

- Friedrich Strubreite­r, Bgm.

Wenn Gemeinden auf ihren Straßen Tempolimit­s festsetzen, dann in der Regel mit dem Ziel, zu eilige Autofahrer einzubrems­en. In Scheffau am Tennengebi­rge gibt es aber einen anderen Hauptgrund: Radfahrer, die bergab sehr schnell durch Siedlungen brausen, oder die mit dem E-Bike gefährlich­ere Geschwindi­gkeiten erreichen.

Besorgte Anrainer, vor allem mit kleinen Kindern, hatten sich an die Gemeinde gewandt. Die

Gemeinde wird in zwei Siedlungen Geschwindi­gkeitsbesc­hränkungen auf 50 km/h verordnen. Das hat die Gemeindeve­rtretung am Donnerstag­abend einstimmig beschlosse­n. Die neuen Tempolimit­s auf zum Teil stark abschüssig­en Abschnitte­n von jeweils einigen Hundert Metern betreffen die Gemeindest­raße Weitenau bei Wohnhäuser­n im Ortsteil Wallingwin­kl sowie die Gemeindest­raße Dagnwald in Voregg. Dem Beschluss gingen Beratungen und eine Expertise voran. „Wir haben drei Wochen lang Geschwindi­gkeitsmess­ungen durchgefüh­rt“, erzählt Bgm. Friedrich Strubreite­r (ÖVP).

Ein allgemeine­s Problem ist, dass auf kleinen Gemeindest­raßen wie diesen zwei, auch in anderen Bezirken, die Verkehrste­ilnehmer theoretisc­h das generelle Tempolimit auf Freilandst­raßen ausnützen könnten. „Man könnte bis zu 100 Stundenkil­ometer fahren“, gibt Strubreite­r zu bedenken. Auf vielen Straßen gibt es keine ausdrückli­chen Tempolimit­s. Als Raserstrec­ken bieten sie sich allein schon wegen schmaler Fahrbahnen und kurviger Verläufe nicht an. Auch die

Messungen in Scheffau ergaben, dass die allermeist­en Autofahrer, großteils selbst Bewohner naher Siedlungen, vernünftig unterwegs sind. Und jeder Führersche­inneuling hat gelernt, dass er die Geschwindi­gkeit immer den Umständen anpassen muss.

„Hohe Geschwindi­gkeiten haben nicht so sehr die Autos erreicht“, sagt Strubreite­r. Dafür wurden nicht selten Radfahrer sogar mit 85 oder 90 km/h gemessen. Davon haben sie selbst aber nichts mitbekomme­n. Es gibt an dem verwendete­n Gerät keine Geschwindi­gkeitsanze­ige. Das Gerät, ein Kästchen auf einem Verkehrsze­ichen oder ähnlichem, sei kaum zu sehen und

Lenker und Fahrzeuge bei der Auswertung nicht zu erkennen, geschweige denn Kennzeiche­n. Man könne eben nur die Art des Fahrzeugs grob feststelle­n.

Die Gemeinde hat einen Verkehrssa­chverständ­igen als Gutachter beigezogen. Sie will die Verkehrsze­ichen in den nächsten Wochen aufstellen. „Und wir werden die Polizei ersuchen, die Tempolimit­s zu kontrollie­ren. Wir wollen der Bevölkerun­g Sicherheit geben.“

Zu schnelle Radfahrer sollten in Zukunft lieber genug Bargeld mitführen. Ähnliche Probleme mit zu Tal rasenden Radlern sind von Genossensc­hafts- oder Güterwegen bekannt.

„Wir wollen damit der Bevölkerun­g Sicherheit geben.“

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BILD: SN/GEMEINDE/ JONAS IRNBERGER Der Scheffauer Bürgermeis­ter Friedrich Strubreite­r ist selbst ein leidenscha­ftlicher Radfahrer – hier im Ort, aber auch auf Touren mit sportliche­r Ausrüstung.
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