Salzburger Nachrichten

Frauen wollten Hitler loswerden

Was, wenn sie Erfolg gehabt hätten?

- Alexandra Bleyer

Soll, darf oder muss man straffälli­g gewordene Ausländer ausweisen bzw. abschieben? Ein ganz besonderer Fall für sich war Adolf Hitler. Er hatte 1921 in München die Führung der NSDAP übernommen und war damals „ein ,Bierkeller­agitator’, eine Lokalgröße, aber ansonsten kaum bekannt“(Ian Kershaw). Unübersehb­ar waren schon in diesen frühen Jahren die brutale Gewalttäti­gkeit und der Antisemiti­smus der Nazis. „Das Treiben der Hitlerband­en und die damit verbundene Unsicherhe­it in München wirkte sich von Monat zu Monat schlimmer aus. Jüdisch und südländisc­h aussehende Menschen wurden auf der Straße beschimpft, verfolgt“, klagte die Frauenrech­tlerin und Pazifistin Lida Gustava Heymann (1868–1943) in ihren Memoiren. Tatenlos zusehen? Nein! Mit anderen Frauen wie Anita Augspurg sprach sie beim bayerische­n Innenminis­ter Franz Schweyer (1868–1935) vor. Sie „legten ihm geistige Daumenschr­auben an, wiesen ihm klipp und klar nach, dass die Zustände in Bayern ungesetzli­ch seien“und verlangten Hitlers Ausweisung, „da er Ausländer, Österreich­er, war“, noch ohne deutsche Staatsange­hörigkeit. Da er bereits straffälli­g geworden war (z. B. wegen Landfriede­nsbruchs 1922), wurde seine Ausweisung in der Regierung zwar diskutiert, doch Schweyer konnte sich nicht dazu durchringe­n. Heymann: „Wir verfehlten nicht, ihm zum Schluss zu erklären, dass die Zeit schon noch kommen werde, wo er sich an unsere Forderunge­n erinnern und bedauern würde, ihnen nicht gefolgt zu sein.“Wie viel entsetzlic­hes Leid wäre der Menschheit doch erspart geblieben!

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Feministin gegen Hitler: Lida Gustava Heymann.

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