Öko­lo­gi­sche Steu­ern im Vi­sier

Steu­er­re­form: IHSChef sieht ver­nünf­ti­ge Schrit­te. Öko­lo­gi­sie­rung feh­le aber.

Vorarlberger Nachrichten - - Politik -

WI­EN Die Steu­er­struk­tur­re­form, die ÖVP und FPÖ im Re­gie­rungs­pro­gramm an­ge­kün­digt ha­ben, ist nicht wirk­lich in Sicht, wie Mar­tin Ko­cher (46), Chef des In­sti­tuts für Hö­he­re Stu­di­en (IHS), be­stä­tigt. Was kom­men soll, ist viel eher ei­ne Rei­he von Ent­las­tun­gen. Doch auch das ist laut Ko­cher ver­nünf­tig. Zum ei­nen hat Ös­ter­reich ei­ne Steuer­und Ab­ga­ben­quo­te, die im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich sehr hoch ist; sie dürf­te nun plan­ge­mäß in Rich­tung 40 Pro­zent sin­ken. Zum an­de­ren ist der Fak­tor Ar­beit hier­zu­lan­de be­son­ders stark be­las­tet; in die­sem Sin­ne sol­len ab 2020 zu­nächst So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge und dann die Lohn­steu­er re­du­ziert wer­den.

Güns­ti­ge Kon­junk­tur­la­ge

All das wird laut Ko­cher nicht nur spür­bar, son­dern vor­erst auch oh­ne grö­ße­re Ein­spa­run­gen mög­lich sein. Für 2020 zeich­net sich ein Bud­get­über­schuss ab. Ein Ent­las­tungs­vo­lu­men von ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro in die­sem Jahr wer­de sich „lo­cker“aus­ge­hen. 2021 und 2022, wenn wei­te­re drei­ein­halb Mil­li­ar­den Eu­ro da­zu­kom­men sol­len, wer­de es zwar et­was schwe­rer zu be­werk­stel­li­gen sein, bei an­hal­tend güns­ti­ger Kon­junk­tur­la­ge aber auch kei­ne He­xe­rei.

Das ist das Glück die­ser Re­gie­rung: „Struk­tur­re­for­men wird es lang­fris­tig ge­ben müs­sen“, er­klärt Ko­cher. Kommt es nicht da­zu, tritt ir­gend­wann wie­der ein Aus­ga­ben­pro­blem in den Vor­der­grund. Doch das ist der­zeit kein The­ma: „Die Re­gie­rung schaut, dass sie al­le grö­ße­ren Grup­pen be­die­nen kann und ver­sucht, zu ver­mei­den, dass sich vie­le als Ver­lie­rer se­hen. Ge­ra­de bei ei­ner gro­ßen Pen­si­ons­re­form wä­re die­se Gefahr ge­ge­ben.“

Das IHS hat in ei­ner Stu­die zur Steu­er­re­form emp­foh­len, den Fak­tor Ar­beit stär­ker zu ent­las­ten und das zum Teil über Ver­mö­gens- und Öko­steu­ern ge­gen­zu­fi­nan­zie­ren. Ver­mö­gens­steu­ern sind für ÖVP und FPÖ ta­bu. Ei­ne Öko­lo­gi­sie­rung ist nun in­so­fern ge­plant, als zum Bei­spiel emis­si­ons­ar­me und en­er­gie­ef­fi­zi­en­te Fahr­zeu­ge steu­er­lich be­güns­tigt wer­den. Ko­cher sagt im VN-Ge­spräch da­zu: „För­de­run­gen al­lein ge­nü­gen nicht, um die Kli­ma­zie­le zu er­rei­chen. Da wird noch et­was kom­men müs­sen. Was das be­trifft, scheut sich die Re­gie­rung aber na­tür­lich auch et­was. Man hat in Frank­reich ge­se­hen, was pas­sie­ren kann“, er­in­nert der Ex­per­te an die Gelb­wes­ten-Pro­tes­te, die sich nicht zu­letzt an ei­ner Er­hö­hung der Mi­ne­ral­öl­steu­er (MÖSt) ent­zün­det ha­ben. Be­rich­te, hier­zu­lan­de wer­de die Norm­ver­brauchs­ab­ga­be (NoVa) beim Au­to­kauf ge­stri­chen und im Ge­gen­zug die MÖSt an­ge­ho­ben, hat Fi­nanz­staats­se­kre­tär Hubert Fuchs (FPÖ) be­reits de­men­tiert: „Ich kann mir durch­aus vor­stel­len, dass wir in die NoVa auf­kom­mens­neu­tral mehr öko­lo­gi­sche Aspek­te rein­brin­gen. Das war’s aber.“JOH

„För­de­run­gen al­lein wer­den nicht ge­nü­gen, um die Kli­ma­zie­le zu

er­rei­chen.“

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