„Tou­ret­te ist Teil mei­ner Per­sön­lich­keit“

Zoom sur ce youtubeur att­eint du syn­dro­me de la Tou­ret­te élu dé­pu­té dans le Land de Hes­se

Vocable (Allemagne) - - Édito Sommaire -

Bi­jan Kaf­fen­ber­ger est att­eint du syn­dro­me de la Tou­ret­te. Ce qui ne l’a pas em­pê­ché de rem­por­ter sa cir­con­scrip­ti­on aux élec­tions ré­gio­na­les du Land de Hes­se sous la ban­niè­re des so­ci­aux-dé­mo­cra­tes pour­tant en plei­ne dé­rou­te. Ce youtubeur qui joue la car­te de l’au­then­ti­cité a su fai­re de sa ma­la­die une force.

Ein Ka­me­ra­team der „Deut­schen Wel­le“be­glei­te­te Bi­jan Kaf­fen­ber­ger vor der Land­tags­wahl in Hes­sen, als der 29-Jäh­ri­ge von Haus­tür zu Haus­tür ging und für sich warb. Ei­nen Aus­schnitt ver­öf­fent­lich­te der Sen­der auf Twitter. In ei­ner Sze­ne stellt sich der SPD-Po­li­ti­ker ge­ra­de ei­nem äl­te­ren Mann vor, sein Kopf zuckt da­bei im­mer wie­der ruck­ar­tig nach vorn, nach links, nach rechts. Aber Kaf­fen­ber­ger bleibt ru­hig. „Ich ha­be Tou­ret­te-Syn­drom, viel­leicht fällt es Ih­nen auf“, er­klärt er dem Mann.

2. Kaf­fen­ber­ger geht selbst­be­wusst mit dem Tou­ret­te-Syn­drom um, ei­ner neu­ro­psychi- atri­schen Er­kran­kung mit so­ge­nann­ten Ticks – zum Bei­spiel un­will­kür­li­chen, ra­schen Be­we­gun­gen. In Deutsch­land sei­en et­wa 40.000 Men­schen be­trof­fen, be­rich­tet die Tou­ret­te-Ge­sell­schaft. Vie­le Men­schen ken­nen die Er­kran­kung ver­mut­lich durch den Film „Vin­cent Will Meer“, in dem Flo­ri­an Da­vid Fitz ei­nen jun­gen Mann mit Tou­ret­te spielt.

3. „Tou­ret­te ist Teil mei­ner Per­sön­lich­keit und ge­hört zu mir“, sagt Kaf­fen­ber­ger. Die Er­kran­kung schre­cke die Men­schen nicht ab, son­dern ma­che es ih­nen viel­leicht so­gar leich­ter, auf ihn zu­zu­ge­hen, glaubt er: „Man fühlt sich ver­trau­ter im Um­gang.“Schließ­lich ha­be je­der sein Päck­chen zu tra­gen. Und: „Au­then­ti­zi­tät ist den Leu­ten to­tal wich­tig“. Aber es ha­be ei­ni­ge Zeit ge­braucht, bis er ge­lernt ha­be, mit sei­nen Ticks selbst­be­wusst um­zu­ge­hen, er­zähl­te er ein­mal dem Ma­ga­zin „Vice“. Heu­te den­ke er: „Wenn man doch die Ge­wiss­heit hat, dass man für sei­ne Krank­heit nichts kann, war­um soll­te man sich da­für schä­men? Schä­men soll­te man sich nur für Din­ge, die man selbst ver­schul­det hat.“

„ES IST EI­NE ÜBERRASCHUNG“

4. Schon lan­ge vor der Land­tags­wahl in Hes­sen ging er in die Öf­fent­lich­keit: Auf YouTube ver­öf­fent­lich­te er un­ter dem Na­men „Tou­ret­ti­ket­te“Vi­de­os und sprach über Sex, Weih­nach­ten und auch sei­ne Ticks. In ei­nem Vi­deo liest er Fra­gen vor, die ihm Zu­schau­er ge­schickt ha­ben. Ei­ner will zum Bei­spiel wis­sen, wie gut sei­ne Fein­mo­to­rik ist. „Du wür­dest Dich wun­dern“, ant­wor­tet Kaf­fen­ber­ger. Er kön­ne auch ein Kar­ten­haus bau­en. Aber man­che Sa­chen wol­le er gar nicht

„Schä­men soll­te man sich nur für Din­ge, die man selbst ver­schul­det hat.“

kön­nen. „Wer hat denn Lust auf ei­nen Sams­tag­abend Mi­ka­do mit der Fa­mi­lie?“

5. Künf­tig wird er im hes­si­schen Land­tag sit­zen. Wäh­rend sei­ne Par­tei bei der Wahl am Sonn­tag auf 19,8 Pro­zent ab­rutsch­te, ge­wann Kaf­fen­ber­ger den Wahl­kreis Darm­stadt-Stadt II als Di­rekt­kan­di­dat für die SPD – da­bei war der Wahl­kreis seit 2009 in der Hand der CDU. Dem Hes­si­schen Rund­funk sag­te er am Wahl­abend: „Ich kann das Er­geb­nis noch gar nicht fas­sen, es ist ei­ne Überraschung.“Aber sein Er­folg zei­ge, was mög­lich sei, wenn sich die SPD per­so­nell er­neue­re und „kon­se­quent an sich ar­bei­tet“. Im Par­la­ment will er sich auf The­men kon­zen­trie­ren, „die al­le Men­schen je­den Tag be­tref­fen“: Mo­bi­li­tät, Woh­nen und Bil­dung, auch Di­gi­ta­li­sie­rung. Er wehrt sich da­ge­gen, auf das The­ma In­klu­si­on be­schränkt zu wer­den. „Ich fän­de es ver­hee­rend, wenn man sagt: Jetzt ha­ben wir hier ei­nen, der hat ‚was’, lasst doch den die In­klu­si­on ma­chen“, sag­te Kaf­fen­ber­ger dem Ma­ga­zin „jetzt“. „Ich ha­be kein In­ter­es­se dar­an, der Vor­zei­ge­po­li­ti­ker mit Be­hin­de­rung zu sein.“

(© SPD Hes­sen/Bi­jan Kaf­fen­ber­ger)

Bi­jan Kaf­fen­ber­ger sitzt nun als Di­rekt­man­dat für die SPD im hes­si­schen Land­tag.

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