Ein un­nach­ahm­li­cher Ab­gang

Fin de règ­ne pour la chan­ce­liè­re. Qui se­ra son suc­ces­seur ?

Vocable (Allemagne) - - Édito Sommaire - EIN KOM­MEN­TAR VON FERDINAND OT­TO

En fi­ne stra­tè­ge, An­ge­la Mer­kel pla­ni­fie son prop­re dé­part de la vie po­li­tique. En re­n­onçant à la pré­si­dence du par­ti et à un nou­veau man­dat de chan­ce­liè­re, el­le a ou­vert la vo­ie de sa suc­ces­si­on. Trois té­nors de la CDU jou­ent des cou­des pour in­car­ner la relè­ve du con­ser­va­tis­me out­re-Rhin : une pro­té­gée de Mer­kel et deux fa­rou­ches op­po­sants.

Die Bun­des­kanz­le­rin hat ihr ei­ge­nes po­li­ti­sches En­de auf die­sel­be un­nach­ahm­li­che Art ein­ge­lei­tet, wie sie noch je­den Pa­ra­dig­men­wech­sel her­bei­ge­war­tet hat. So hat An­ge­la Mer­kel schon im­mer Po­li­tik ge­macht: Ent­schei­dun­gen wer­den aus der Macht der Not her­aus ge­bo­ren und auf dem Sprung nach vorn gleich noch ein paar ei­ge­ne Grund­sät­ze, die nicht mehr zu den Ge­ge­ben­hei­ten pas­sen, über den Hau­fen ge­wor­fen. So war es mit der Kopf­pau­scha­le, dem Atom­aus­stieg, der Wehr­pflicht und der Ehe für al­le.

2. Jetzt konn­te und woll­te Mer­kel nach der ver­lo­re­nen Land­tags­wahl in Hes­sen ih­ren Rück­zug von der CDU-Spit­ze nicht län­ger auf­schie­ben. Denn ei­gent­lich hat­te sie lan­ge ge­sagt, sie wol­le im De­zem­ber auf dem Parteitag noch mal an­tre­ten und zwei wei­te­re Jah­re CDU-Che­fin blei­ben. Und dass Kanz­ler­amt und Par­tei­chef für sie zu­sam­men­ge­hö­ren, galt als Dog­ma. Jetzt hat Mer­kel die Sou­ve­rä­nin ge­ge­ben, wahr­schein­lich ein

letz­tes Mal. Ganz un­sen­ti­men­tal hat sie ei­ne dia­lek­ti­sche Ent­schei­dung ge­trof­fen, die Macht an der Par­tei­spit­ze ab­ge­ben, um Macht im Kanz­ler­amt zu be­hal­ten.

3. Mer­kel, der man nach­sagt, al­les vom En­de her zu den­ken, hat die Grö­ße be­wie­sen, end­lich auch ihr ei­ge­nes En­de mit­zu­den­ken. Sie ist un­ei­tel ge­nug, sich selbst für er­setz­lich zu hal­ten. Ein Cha­rak­ter­zug, den man bei den we­nigs­ten Spit­zen­po­li­ti­kern an­trifft, die so lan­ge auf höchs­ter Ebe­ne ge­ar­bei­tet ha­ben. Mehr noch: Mer­kel hat er­kannt, dass mit ihr an der Spit­ze der Ab­stieg der Uni­on zu ei­ner 20+x-Par­tei un­auf­halt­sam und un­um­kehr­bar ge­we­sen wä­re. Ei­ne si­cher­lich schmerz­haf­te Ein­sicht – die im Um­kehr­schluss aber nicht be­deu­tet, dass all je­ne recht ha­ben, die seit Jah­ren brül­len: „Mer­kel muss weg!“

SPAHN ODER AKK?

4. Los­las­sen ist ei­ne Kunst­form. Im Mit­tel­al­ter galt der un­vor­be­rei­te­te Tod als Ka­ta­stro­phe. Wer von der Pest da­hin­ge­rafft wur­de, oh­ne sei­nen Nach­lass ge­re­gelt zu ha­ben, hat­te gu­te Chan­cen, im Fe­ge­feu­er zu lan­den. Aus dem gu­ten Ab­schied wur­de die Ars Mo­ri­en­di. Das gilt glei­cher­ma­ßen in der Po­li­tik. Mer­kel hat be­wie­sen, dass sie sich dar­auf ver­steht.

5. Kurz nach Mer­kels An­kün­di­gung mel­de­ten so­wohl Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er als auch Bun­des­ge­sund- heits­mi­nis­ter Jens Spahn ih­re Kan­di­da­tur für den Par­tei­vor­sitz an. Ers­te­re ist oh­ne Zwei­fel Mer­kels Wunsch­kan­di­da­tin, teilt sie doch zahl­rei­che Über­zeu­gun­gen mit der Kanz­le­rin. Ei­ne Wahl Spahns zum CDU-Chef wä­re das Auf­be­geh­ren der Kon­ser­va­ti­ven in der Par­tei, die sich – nicht ganz zu Un­recht – seit Lan­gem nicht an­ge­mes­sen re­prä­sen­tiert füh­len. Ähn­lich wä­re ei­ne mög­li­che Kan­di­da­tur von Fried­rich Merz, dem ehe­ma­li­gen Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der Uni­on. Oder Ar­min La­schet, Mi­nis­ter­prä­si­dent aus NRW, der in­halt­lich nah an Mer­kel liegt und ei­ne Kan­di­da­tur nicht aus­schloss.

6. Wo­hin steu­ert die CDU: wei­ter in die Mit­te – oder zu­rück nach rechts? End­lich wird die­se Dis­kus­si­on von zwei cha­ris­ma­ti­schen Per­so­nen in der Par­tei mal of­fen ge­führt. Die De­bat­ten­ver­drän­gung zu­guns­ten der Machtsta­bi­li­sa­ti­on in der CDU hat­te zu­letzt schon freu­dia­ni­sche Zü­ge an­ge­nom­men – und war si­cher ein Grund für den Ab­sturz.

GE­SUCHT: EIN MO­DE­RA­TOR MIT BREI­TER AUTORITÄT

7. Ganz so schwarz-weiß wird die Wahl zum/ zur neu­en CDU-Vor­sit­zen­den in kei­nem Fall aus­ge­hen, egal wer ge­winnt. Bei der Land­tags­wahl in Bay­ern hat ei­ne rech­te An­tiMer­kel-CSU zwei­stel­lig ver­lo­ren, und zwar nach rechts und links. Bei der Wahl in Hes­sen hat ein zah­mer Mer­kel-CDU-Lan­des­ver­band in glei­chem Um­fang eben­falls in bei­de Rich­tun­gen ver­lo­ren. Die CDU muss den Stim­men­ab­fluss nach bei­den Sei­ten stop­pen.

8. Kramp-Kar­ren­bau­er und Spahn wis­sen, dass sie un­mög­lich ein­fach über den je­weils an­de­ren Flü­gel hin­weg­ge­hen kön­nen. Da­für ist die Par­tei zu breit, und ag­gre­gier­te In­ter­es­sen sind zu mäch­tig. Ein CDUChef Spahn kann die So­zi­al­li­be­ra­len nicht igno­rie­ren, und ei­ne CDU-Vor­sit­zen­de AKK kann nicht ein­fach in Op­po­si­ti­on zum Wirt­schafts­flü­gel re­gie­ren. Schon jetzt gibt sich die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin auf der Su­che nach dem neu­en Grund­satz­pro­gramm sicht­lich Mü­he, auch die Kon­ser­va­ti­ven ein­zu­bin­den. Bei­de wer­den im Fall ih­rer Wahl in ein Par­tei­prä­si­di­um ein­ge­bun­den sein, in dem Ver­tre­ter bei­der La­ger sit­zen. Auf den Par­tei­vor­sit­zen­den wir­ken zahl­rei­che Re­gie­rungs- und Ko­ali­ti­ons­zwän­ge im Bund wie in den Län­dern. Das wird mä­ßi­gen, in al­le Rich­tun­gen.

9. Ein künf­ti­ger CDU-Chef, egal wel­che Grun­die­rung er oder sie mit­bringt, wird sich vor al­lem be­mü­hen müs­sen, dass Pro­fi­lie­run­gen sämt­li­cher Par­tei­glie­de­run­gen wi­der­spruchs­frei ne­ben­ein­an­der­ste­hen kön­nen: Wirt­schafts­kom­pe­tenz und so­zia­le Glaub­wür­dig­keit ge­nau wie Öko­lo­gie. Er oder sie wird Mo­de­ra­tor sein müs­sen, mit brei­ter Autorität über das ei­ge­ne La­ger hin­aus. Schließ­lich wird er oder sie wohl auch der nächs­te Kanz­ler­kan­di­dat der Uni­on.

Wo­hin steu­ert die CDU: wei­ter in die Mit­te – oder zu­rück nach rechts?

(©Mar­kus Schrei­ber/AP/SIPA)

Die Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel schafft es, auch ihr po­li­ti­sches En­de mit­zu­den­ken.

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