AUTHENTISCHER BO­HO-CHIC

Ma­ri­as Woh­nung in Ko­pen­ha­gen er­in­nert an ei­nen Pa­ri­ser Sa­lon

20 Private Wohntraeume - - INHALT - TEXT: SY­BIL­LE FÖLL / IBEN & NIELS AHL­BERG FO­TOS: IBEN & NIELS AHL­BERG

Der ers­te Ein­druck von Ma­ri­as lu­xu­riö­ser Woh­nung ist schier über­wäl­ti­gend. Nicht nur an­ge­sichts der Grö­ße. Ihr In­te­ri­eur ist ein Feu­er­werk an Ku­rio­si­tä­ten. Es ist, als tre­te man in ein Mär­chen, in dem die Ge­schich­ten die­ser tau­send Din­ge – fran­zö­si­sche Vin­ta­ge-Mö­bel, mo­der­ne Kun­st­ob­jek­te, Jagd­tro­phä­en, afri­ka­ni­sche Mas­ken und an­ti­ke, ma­rok­ka­ni­sche Tep­pi­che – er­zählt wer­den und mit Ma­ri­as ei­ge­ner Ge­schich­te ver- schmel­zen. Der wun­der­schö­ne Mix ist ei­ne per­fek­te Nach­ah­mung des Pa­ri­ser Bo­hè­me-Stils, von dem ei­ni­ge von uns träu­men und hof­fen, ihn in ir­gend­ei­nem ab­ge­le­ge­nen Ho­tel in ei­ner Sei­ten­stra­ße von Paris noch vor­zu­fin­den. „In ei­nem mei­ner frü­he­ren Le­ben muss ich in Frank­reich ge­lebt ha­ben“, sagt die Dä­nin lä­chelnd, „denn ich lie­be al­les Fran­zö­si­sche: das Es­sen, das Land, den Life­style. Und ich füh­le mich je­des Mal zu Hau­se, wenn ich nach Paris kom­me oder mei­nen Va­ter be­su­che, der in Süd­frank­reich lebt.“Wenn sie dort über die An­tik­märk­te schlen­dert, fin­det sie im­mer ein schö­nes Mö­bel oder Ac­ces­soire, das sie mit nach Dä­ne­mark nimmt. Nichts Be­stimm­tes, wo­nach sie ge­sucht hät­te, son­dern ein­fach et­was, das ihr ge­fällt. Ob­wohl ih­re Woh­nung voll ist mit ex­qui­si­ten Fund­stü­cken, hat Ma­ria es trotz­dem ge­schafft, ei­ne trans­pa­ren­te Leich­tig­keit zu kre­ieren. „Ich spie­le ger­ne mit Kon­tras­ten“, er-

klärt sie. Ma­te­ria­li­en und Struk­tu­ren, hell und dun­kel. Rus­ti­kal und prunk­voll exis­tie­ren bei ihr genau­so selbst­ver­ständ­lich ne­ben­ein­an­der wie ex­tra­va­gant und na­tür­lich. Da­zwi­schen sor­gen Blu­men für Far­be und Le­ben­dig­keit. Ein be­son­de­res Fai­b­le hat Ma­ria für Spie­gel: „Ich lie­be das Mys­te­riö­se an ih­nen, die sich stän­dig än­dern­den Bil­der dar­in, je nach­dem, aus wel­chem Win­kel man hin­ein­schaut“, sagt sie lä­chelnd. Der Raum sieht durch die Spie- gel wie ein Puz­zle aus. Ob­wohl vie­le ih­rer Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de über 100 Jah­re alt sind, wirkt ih­re Woh­nung kei­nes­wegs wie ein Mu­se­um. Viel­mehr ist der läs­si­ge Mix auf­re­gend und durch­aus zeit­ge­nös­sisch. Doch der non­cha­lan­te Wohn­stil ist nicht be­wusst von ihr ge­wählt. Es ist ih­re Le­bens­art. Krea­tiv und im­mer of­fen für Neu­es. Vie­le Jah­re ar­bei­te­te Ma­ria in der Mo­de­bran­che, sorg­te da­für, dass ei­ni­ge fran­zö­si­sche Mar­ken in Dä­ne­mark be- kannt wur­den. Ir­gend­wann grün­de­te sie ihr ei­ge­nes La­bel: etc etc. Auch ih­re Lei­den­schaft für In­te­ri­eur nutzt sie be­ruf­lich. In ih­rem Ein­rich­tungs­ge­schäft Bo Ha­b­its in Ko­pen­ha­gen, das sie erst vor kur­zem er­öff­net hat, ver­kauft sie genau das, was ihr per­sön­lich ge­fällt und was man auch in ih­rer Woh­nung fin­den könn­te. Freun­de hat­ten sie zu die­sem Schritt er­mu­tigt. Trotz ih­rer gro­ßen Lie­be zu Frank­reich ist Ma­ria glück­lich in Fre­de­ri­ks­berg. „Schon als

Kind ha­be ich mich zu dem Ort hin­ge­zo­gen ge­fühlt, wenn ich mei­ne Groß­mut­ter und mei­ne Tan­te be­sucht ha­be“, er­zählt sie. Zu­dem ist sie der Mei­nung, dass das rie­si­ge Ap­par­te­ment sehr gut zu ih­rem Wohn­stil passt. Die schlan­ken Holz­ver­tä­fe­lun­gen, die kunst­vol­len Stuck­ar­bei­ten, die weit­läu­fi­gen Räu­me und das klas­si­sche Par­kett un­ter­strei­chen das Flair der Pa­ri­ser Sa­lons um 1900, das Ma­ria in die Ge­gen­wart trans­fe­riert hat. Da es sich um ei­ne Miet­woh- nung han­delt, hat die De­si­gne­rin nur sehr we­nig re­no­viert. Das Bad ist noch in sei­nem ur­sprüng­li­chen Zu­stand, und auch die Kü­chen­zei­le hat sie be­hal­ten – al­ler­dings pepp­te sie bei­des in ih­rer ty­pisch läs­si­gen Art ge­hö­rig auf und pass­te es dem Bo­hè­me-Stil an. Auf ih­re Rei­sen nach Frank­reich freut sie sich aber nach wie vor. Seit der Er­öff­nung ih­res ei­ge­nen Shops kauft sie je­doch et­was sys­te­ma­ti­scher auf den An­tik­märk­ten ein – aber nur et­was.

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STILBRUCH Das kom­for­ta­ble So­fa ist das ein­zig neue Mö­bel­stück im Wohn­zim­mer. Ihm zu Fü­ßen liegt ein an­ti­ker, ma­rok­ka­ni­scher Tep­pich.

SPIEG­LEIN, SPIEG­LEIN… Jah­re­lang träum­te die Dä­nin da­von, ei­ne kom­plet­te Wand mit Spie­geln zu de­ko­rie­ren. Kurz be­vor der Fo­to­graf kam, wur­de es Rea­li­tät.

DE­SI­GNE­RIN Ne­ben Mö­beln ist Mo­de Ma­ri­as Fai­b­le. Blu­se und Jeans stam­men aus ih­rer ei­ge­nen Kol­lek­ti­on ‘etc etc’.

TRANS­PA­RENZ Die fi­li­gra­nen Gar­di­nen sind mehr Zier als Sicht­schutz und ge­ben auch von in­nen den Blick frei auf die an­ti­ke De­ko­ra­ti­on des brei­ten Fens­ter­sim­ses.

VIN­TA­GE-TRAUM Blick vom Flur ins groß­zü­gig ge­schnit­te­ne Esszimmer, das naht­los in den Wohn­be­reich über­geht. Dank der ho­hen Fens­ter ist es licht­durch­flu­tet.

KON­TRAST Den der­ben, ro­hen Holz­tisch deckt Ma­ria mit kost­ba­rem Por­zel­lan und fein ge­schlif­fe­nen Kris­tall­glä­sern.

Ma­ri­as Freund Mar­cel, der selbst ei­nen In­te­ri­eur-Shop in Frank­reich be­treibt, ist zu Be­such. SEE­LEN­VER­WAND­TE

Er­in­ne­run­gen an Paris zie­ren die Kom­mo­de im Schlaf­zim­mer. Über­all in der Woh­nung fin­det man sol­che zu­fäl­lig wir­ken­den Ar­ran­ge­ments mit Charme. BUN­TER MIX

INTIMER EIN­BLICK Fa­mi­li­en­bil­der, ab­ge­leg­ter Schmuck und Gu­te-Nacht-Lek­tü­re auf ei­nem Nacht­tisch im Shabby-Look. Auch das ge­hört zu Ma­ri­as Uni­ver­sum.

Im Bad hat Ma­ria we­nig ver­än­dert, nur ein pracht­vol­ler Spie­gel sorgt für et­was Bo­ho-At­mo­sphä­re. MI­NI­MA­LIS­TISCH

Bei ei­ner Tas­se Kaf­fee im Bett kann sich Ma­ria in Ru­he über­le­gen, was sie an die­sem Tag tra­gen möch­te. IM BLICK

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