KO­LUM­NE

20 Private Wohntraeume - - INHALT - CHRIS­TA-MA­RIA SOPART

Neu­lich las ich ei­ne Zahl, die mich sehr bein­druckt hat: Im Jahr 2010 sol­len die Deut­schen ins­ge­samt 295 Mil­li­ar­den Mi­nu­ten te­le­fo­niert ha­ben. Im Jahr 2017 sol­len es nur noch 238 Mil­li­ar­den ge­we­sen sein. Das sind rund 25 Pro­zent we­ni­ger! Ja, ich ha­be auch dar­an mit­ge­wirkt. Wenn man die­se Ent­wick­lung auf die Ge­sell­schaft pro­ji­ziert, ge­hört zur Wahr­heit auch, dass wir nie so viel mit­ein­an­der kom­mu­ni­ziert, aber im Ver­hält­nis da­zu nie so we­nig mit­ein­an­der ge­spro­chen ha­ben. Für mich ist das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel eher zweit­ran­gig. Wich­tig ist, dass man mit­ein­an­der in Kon­takt ist! Aber bit­te nicht so wie in den An­fangs­zei­ten des Mo­bil­te­le­fons – da­mals noch in den Pro­por­tio­nen von Tot­schlä­gern –, als man durch lau­tes Ge­quas­sel auf sich als den tol­len Hecht, der ein Han­dy be­sitzt, auf sich auf­merk­sam ge­macht hat. Um mei­ne Mei­nung nicht falsch zu in­ter­pre­tie­ren: Ich hal­te wei­ter zum Te­le­fon. Nur be­nut­ze ich es sel­te­ner. WhatsApp, Mail und SMS bie­ten für mich die bes­se­ren Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten. Bei ei­nem An­ruf füh­le ich mich fast ver­pflich­tet, an das Te­le­fon zu ge­hen, bei ei­ner Mail ist das nicht der Fall. Ich kon­trol­lie­re mei­ne Re­ak­ti­on. Bei WhatsApp & Co muss ich nicht auf Ta­ge­sund Bü­ro­zei­ten ach­ten. Auch kann es mir egal sein, ob je­mand sei­ne Lieb­lings­sen­dung se­hen möch­te. Ich ge­be aber zu, dass man bei ei­nem Te­le­fo­nat mehr über ei­ne Per­son er­fah­ren kann – zum Bei­spiel den Ge­müts­zu­stand. Für mich ist das Te­le­fo­nie­ren nur noch ein zu­sätz­li­ches Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.