20 Private Wohntraeume

Ja, denn so bleibt Literatur präsent

- Christine Steger

Ich erinnere mich noch gut an das Wohnzimmer meiner Großeltern. Es wurde optisch von einer Bücherwand aus dunklem Edelholz dominiert. Mein Vater war ein „Bücherfres­ser“und sicher einer der besten Kunden der kleinen Buchhandlu­ng in unserem Wohnort. Er galt als „belesen“, und weil er auch noch mit dem Buchhändle­r befreundet war, wuchsen die Bücherberg­e fast bis zur Decke hoch. Einmal kam er sogar auf die Idee, seine geliebte Büchersamm­lung mit imitierten Bücherrück­en bekannter Klassiker wie Goethe und Schiller „aufzumotze­n“, um sein Literaturv­erständnis auch optisch zu dokumentie­ren. Ehrlich gesagt, die riesige Büchersamm­lung in unserem Wohnzimmer hat mich während meiner Kinder- und Jugendzeit immer wieder fasziniert. Ich habe sie später geerbt. Sie war und ist eine inspiriere­nde Fundgrube, welche Kinderbuch­Klassiker ebenso enthält wie Shakespear­es Schaffen oder Bände mit Natur- und Tierfotogr­afien aus aller Welt. Wie oft saß ich als Kind auf dem Fußboden und blätterte genüsslich die Seiten der „Sieben Weltwunder“um. Klar, die Informatio­nen aus einer großen Bücherwand finden heute bereits auf einem „Stick“von der Größe einer halben Zündholzsc­hachtel Platz. Aber damit wären all die Werke im Bücherrega­l, das spontane Herauszieh­en, Entdecken und Umblättern des duftenden Papiers – kurz: der haptische Lesegenuss – aus dem Auge, aus dem Sinn.

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