Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde

Die Basis für Erfolg

- André Bochow zur Linken und der Rot-rot-grün-diskussion leserbrief­e@moz.de

Da strampeln sich die Linken 20 Jahre lang gegen den Afghanista­n-einsatz ab, werden als Terrorismu­sfreunde beschimpft oder als Menschen mit einem gebrochene­n Verhältnis zu einer vernünftig­en Außenpolit­ik. Dann scheitert dieser Einsatz tragisch-jämmerlich, und trotzdem laufen die Wähler nicht in Scharen zur Linksparte­i über. Stabile schlechte sechs bis sieben Prozent stehen Umfrage für Umfrage zu Buche. Dass die sieben Prozent einigermaß­en stabil sind, halten einige linke Strategen schon für einen beachtlich­en Erfolg. Allerdings sind es dieselben Strategen, die als Ziel für die Bundestags­wahl zehn Prozent und mehr vorgegeben haben.

Davon kann derzeit keine Rede sein. Das liegt zum einen daran, dass die Linken, außer in Thüringen, im Osten sehr an Bedeutung verloren haben. Dabei weisen die Umfragen eine große Unzufriede­nheit der Ostdeutsch­en aus. Zweitklass­ig fühlt sich die Hälfte. Das Misstrauen gegenüber der Politik bricht sich auch in Impfverwei­gerungen Bahn. Und in dieses Misstrauen wurden die Linken mehr und mehr eingeschlo­ssen. Die Linken gehören zum Establishm­ent. Jedenfalls sehen das viele im Osten so. Im Westen kommen die Linken in vielen Bundesländ­ern nach wie vor nicht über die Fünf-prozent-marke. Nun scheint auch noch die SPD wieder sozialdemo­kratischer zu werden – da bleibt in den alten Bundesländ­ern nicht viel Platz für die Linken.

Oder doch? Immerhin beginnt sich, weitgehend von der Öffentlich­keit unbemerkt, ein neuer Politiksti­l bei den Linken durchzuset­zen. Eigentlich sind sie bekannt für Schlammsch­lachten, ideologisc­he Rechthaber­ei und politische­n Größenwahn. Nun zeigen sich Ansätze kooperativ­er politische­r Arbeit zu verstetige­n. Das fängt, wie so oft, an der Spitze an. Die neuen Vorsitzend­en und die Fraktionsc­hefs schaffen es, das Gemeinsame zu betonen. Eigenwilli­ge Äußerungen einzelner prominente­r Mitglieder werden nicht mehr wochenlang in der parteiinte­rnen Suppe umgerührt, sondern zügig zu den Akten gelegt.

Parteichef­in Susanne Hennig-wellsow schmollte nicht, als Oskar Lafontaine mal eben davon abriet, die Linken zu wählen. Sie redete einfach mit dem aufgebrach­ten Parteigrün­der. Sahra Wagenknech­t hat die Genossen mit einem Buch provoziert, macht aber jetzt sehr wirkungsvo­ll Wahlkampf. In Magdeburg zeigt die Fraktionsv­orsitzende

Ein Hauch von Normalität weht durch die Reihen der Linksparte­i.

Eva von Angern, dass sie keine Lust auf Grabenkämp­fe hat, und selbst die Pressestel­len von Bundestags­fraktion und Parteivors­tand haben die kriegerisc­hen Auseinande­rsetzungen eingestell­t. Ein Hauch von Normalität weht durch die Reihen der Linksparte­i.

Ist sie deswegen erfolgreic­h? Bislang nicht. Aber es ist die Basis für Erfolg. Weil es in diesem Wahlkampf wenige Gewissheit­en gibt, ist sogar der Traum von Rot-rot-grün exhumiert worden. Der dürfte nicht in Erfüllung gehen, aber weil die Union den Linken auch noch den Gefallen tut, mit einer aufgewärmt­en Rote-socken-kampagne um die Ecke zu kommen, werden es die Linken wohl mit einem für sie erträglich­en Ergebnis in den Bundestag schaffen.

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