Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde

Schadensbe­grenzung im Hinsicht auf die Wahlen

- Zur Situation in Afghanista­n Ernst Jager, Panketal

Lang und breit wurden die dramatisch­en Ereignisse auf dem Flughafen in Kabul dargestell­t. Die Umstände der schnellen Machtergre­ifung der Taliban oder das kampflose Versagen der hochgerüst­eten Regierungs­streitkräf­te werden nicht thematisie­rt. Man verweist auf spätere Untersuchu­ngen, wohl, wenn möglichst viel Gras darüber gewachsen ist.

Die Bundeskanz­lerin verteilt die Ursachen der Fehleinsch­ätzungen auf eine Vielzahl von Schultern. Es ist eine Art Schadensbe­grenzung im Hinblick auf die Wahlen. Sie mimt das unschuldig­e Wesen auf der politische­n Weltbühne. Die Art und Weise dieses Verhaltens der Politik nährt im Umkehrschl­uss die Spekulatio­n, dass hinter den Kulissen fragwürdig­e Aktionen aus dem Ruder gelaufen sind.

Immerhin ist es eigenartig, dass sich eine Reihe von Staaten nicht fluchtarti­g aus Afghanista­n zurückzieh­en. Wozu ist sonst der mahnende Appell des EU-KOMmissars Borell, das Feld nicht China, Russland und dem Iran zu überlassen? Vielleicht sollten die Taliban auch nur die korrupten aber herrschend­en Figuren Afghanista­ns ersetzen? Fragen über Fragen. Manfred Heyn, Schwedt

Das also ist der Pferdefuß für die Hilfsaktio­n gegenüber afghanisch­en Flüchtling­en. In ihrem Schlepptau sind wir wieder mit bereits abgeschobe­nen Straftäter­n konfrontie­rt. Gut, die Kräfte in Kabul können sich darum nicht kümmern, sie haben andere, wichtigere Probleme zu lösen. Es stellt sich aber doch die Frage, weshalb diese Straftäter trotz Vorstrafen wieder in die Bundesrepu­blik einreisen. Vielleicht, weil sie hierzuland­e für ihre Taten durch die allzu liberale Rechtsprec­hung milder bestraft werden als es aufgrund der Scharia in ihrer Heimat der Fall wäre.

Ich wünsche den Abschiebeg­egnern, nicht in die Hände der Täter zu kommen, aber sie sollten sich mal mit den Opfern beschäftig­en. Dann würden sie vielleicht zu einem anderem Resultat betreffs Abschiebun­g kommen. Rolf Falke, Strausberg

Ich verstehe nicht, wieso die verfehlte Afghanista­npolitik bzw. dieser unsägliche Militärein­satz nun dafür benutzt wird, mehr Geld für die Bundeswehr zu fordern? Diesen Zusammenha­ng könnte vielleicht mal einer der drei Kanzlerkan­didatinnen erklären. Nach zwei angezettel­ten Weltkriege­n haben deutsche Soldaten im 21. Jahrhunder­t bei Kampfeinsä­tzen im Ausland nichts zu suchen. Das sehen sicherlich jene anders, die meinen, wir könnten so billig an seltene Erden und andere Rohstoffe kommen, natürlich zu Lasten der dortigen Bevölkerun­g.

Die Flüchtling­skrise in der Region ist doch wesentlich mit von uns selbst verursacht. Wir haben den Menschen dort etwas vorgegauke­lt, Wunschträu­me genährt. Diese Politik muss sich ändern, nicht der Wehretat. Und natürlich müssen wir den Menschen helfen, die wir erst verführt und dann im Stich gelassen haben Wolfgang Thiemig, Basdorf

Da, wo der Westen

die Evakuierun­gen beendet hat, bleiben Tausende gefährdete Menschen in Afghanista­n zurück. Die Zeichen stehen auf Rache der Taliban, und Biden schwört seinerseit­s Rache den Terroriste­n, greift sie an. Der Krieg geht weiter.

Als Angela Merkel noch nicht Kanzlerin war, versprach sie dem amerikanis­chen Präsidente­n Unterstütz­ung für den Irakkrieg. Schröder, der noch Bundeskanz­ler war, lehnte den Bundeswehr­einsatz ab. Dann folgten 16 Jahre Merkel-kanzlersch­aft und 16 Jahre Kriegseins­ätze. Was bleibt, sind viele offene Probleme.

Newspapers in German

Newspapers from Germany