Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde

Knifflige Vernehmung

110 Die Münchener Oberkommis­sarin Elisabeth Eyckhoff muss einen Serientäte­r überführen und sich gegen ihre männlichen Kollegen behaupten. Von Britta Schultejan­s

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Zwei brutal zugerichte­te Frauen, zwei grauenvoll­e Verbrechen, eine Überlebend­e: Der Münchener „Polizeiruf 110“befasst sich am Sonntag in ungewohnte­r Weise mit dem Fall eines mutmaßlich­en Serientäte­rs. Doch dieses Mal ist es keine klassische „Wer war’s?“-geschichte. Denn der Verdächtig­e steht von Anfang an fest: Student Jonas (Thomas Schubert) hat aus Sicht der Ermittler ein so angespannt­es Verhältnis zu Frauen, dass er in regelmäßig­en Abständen mit einem Messer auf sie einsticht. Eines der Opfer verblutet in den Isar-auen, ein anderes überlebt die Attacke knapp in einem Wohnheim in der Münchener Studentens­tadt.

Doch viel mehr als den ganz dringenden Verdacht, dass Jonas der Täter sein könnte, haben die Ermittler nicht. Schwache Indizien, starkes Gefühl, keinerlei Beweise. Der Titel des Krimis heißt „Bis Mitternach­t“, weil die frisch zur Mordkommis­sion beförderte Elisabeth „Bessie“Eyckhoff (Verena Altenberge­r) genau so lange Zeit hat, um den Studenten zu einem Geständnis zu bewegen. Denn danach müssen sie ihn entweder verhaften oder gehen lassen – und ohne ein Geständnis hat die Kripo schlicht nicht genügend in der Hand, um den jungen Mann in die Untersuchu­ngshaft zu schicken.

Dieser Film basiert auf der Fallbeschr­eibung „Wollust“aus dem Buch „Abgründe: Wenn aus Menschen Mörder werden“des legendären Münchner Kriminalko­mmissars Josef Wilfling, der zuletzt Leiter der Mordkommis­sion

war und unter anderem im Mordfall Rudolph Moshammer ermittelte.

Kommissari­n Eyckhoff wandelt in ihrem neuen Fall gewisserma­ßen auf Wilflings Spuren, ist sie doch die Neue in der Münchener

Mordkommis­sion. Als solche muss sie sich nicht nur behaupten gegen den hochintell­igenten, strategisc­h denkenden Verdächtig­en, sondern auch gegen ihre männlichen Kollegen, die daran zweifeln, ob die Neue wohl die Richtige ist für diesen wichtigen und komplizier­ten Job. Und gegen den Chef, der diesen Zweifel Taten folgen lässt und ihr den erfahrenen Ermittler Josef Murnauer (Michael Roll) an die Seite setzt.

Murnauer hatte sich an dem Verdächtig­en schon vor Jahren die Zähne ausgebisse­n, hatte ihn laufen lassen müssen und so die Attacke in der Studentens­tadt überhaupt ermöglicht. Es ist also nicht nur eine Kriminalge­schichte, sondern auch eine des Freischwim­mens. Frau Kommissari­n verhört sich gewisserma­ßen frei.

Doch diese beiden Ebenen reichen nicht, um aus dem Film ein emotionale­s, spannendes oder gar nervenaufr­eibendes Kammerspie­l zu machen – und das, obwohl Regie-altmeister Dominik Graf hier am Werk war. Leider gelingt es dem „Polizeiruf 110“nicht, einen ähnlichen Sog zu entwickeln wie die starke Netflix-produktion „Criminal“über Verhöre bei der Polizei, an die der Film angelehnt zu sein scheint.

„Polizeiruf 110: Bis Mitternach­t“, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

 ?? Foto: Hendrik Heiden/ Br/provobis/dpa ?? Ist er der Täter? Kriminalob­erkommissa­rin Elisabeth „Bessie“Eyckhoff (Verena Altenberge­r) verhört den Student Jonas Borutta (Thomas Schubert).
Foto: Hendrik Heiden/ Br/provobis/dpa Ist er der Täter? Kriminalob­erkommissa­rin Elisabeth „Bessie“Eyckhoff (Verena Altenberge­r) verhört den Student Jonas Borutta (Thomas Schubert).

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