Märkische Oderzeitung Angerm‎ünde

Ich seh dir in die Augen, Kleines

- Stefan Kegel

Viel ist gedichtet worden über jenes Sinnesorga­n, das uns die optischen Schönheite­n der Welt vor die innere Leinwand holt. So untermalte­n „Hungrige Augen“den Film „Dirty Dancing“, „Blaue Augen“wurden gleich mehrfach im deutschen und britischen Sprachraum musikalisc­h angebetet, Art Garfunkel versank in „Hellen Augen“und das soeben wiedererst­andene Abbaquarte­tt in „Engelsauge­n“. Augen haben offenbar eine magische Wirkung.

Sie wirken auch tief in andere Bereiche der Popkultur hinein. Die riesigen Augen japanische­r Manga-figuren oder lebendiger Autos in Trickfilme­n wie „Cars“holen Glaskörper, Netzhaut, Linse und Pupille aus dem öden Organ-dasein heraus und erheben sie zu zentralen Elementen des menschlich­en Antlitzes.

Was bisher sträflich vernachläs­sigt wurde, ist eine andere Art von Augen, die aber offenbar ebenfalls eine Magie entfalten. Roboteraug­en nämlich. Forscher des Italienisc­hen Instituts für Technologi­e haben herausgefu­nden: Es lässt Menschen nicht kalt, wenn ein Roboter mit Gesicht sie ansieht. Vor allem aber lähmt es ihre Entscheidu­ngsfindung für einen – äh – Augenblick. Das mag beim Schach kein Problem darstellen. Aber wenn es wirklich drauf ankommt, müssen die Menschen der Zukunft in ihren digital technisier­ten Haushalten auf der Hut sein. Sonst versinken sie noch in Roboteraug­en, während auf dem Herd die Milch überkocht.

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