Aalener Nachrichten

Über 80-Jäh­ri­ge und Pfle­ge­heim­be­woh­ner sind zu­erst dran

Die Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on ver­öf­fent­licht ih­re Emp­feh­lung zur Prio­ri­sie­rung

- Health · Medical Activism · Anti-Vaccers · Coronavirus (COVID-19) · Medicine · Robert Koch Institute · Telecom Personal · Ministry of Health of Germany · Jens Spahn · County Down

(dpa) - Beim Start der Co­ro­na-Imp­fun­gen sol­len Äl­te­re über 80 Jah­re und Pfle­ge­heim­be­woh­ner zu­erst zum Zu­ge kom­men kön­nen. Das sieht die am Don­ners­tag ver­öf­fent­lich­te Emp­feh­lung der Stän­di­gen Impf­kom­mis­si­on (Stiko) beim Ro­bert-Koch-In­sti­tut (RKI) vor, die ei­ne ge­ne­rel­le Leit­schnur sein soll. Mit in der ers­ten Stu­fe ge­impft wer­den soll­te me­di­zi­ni­sches Per­so­nal mit sehr ho­hem An­ste­ckungs­ri­si­ko et­wa in Not­auf­nah­men oder der Be­hand­lung von Co­ro­na-Pa­ti­en­ten so­wie Per­so­nal in der Al­ten­pfle­ge. An­ge­sichts an­fangs nur be­grenz­ter Men­gen an Impf­do­sen soll­ten die­se ge­nutzt wer­den, um die Zahl schwe­rer Krank­heits­ver­läu­fe und Ster­be­fäl­le mög­lichst schnell zu re­du­zie­ren.

Der al­les ent­schei­den­de Ri­si­ko­fak­tor für ei­ne schwe­re Er­kran­kung sei ho­hes Al­ter, er­läu­ter­te der Sti­koVor­sit­zen­de Tho­mas Mer­tens. Ge­ra­de in Al­ten- und Pfle­ge­hei­men wür­den vie­le Aus­brü­che und To­des­fäl­le be­ob­ach­tet. Ziel­ge­rich­te­te Imp­fun­gen von Men­schen über 80 und von Heim­be­woh­nern könn­ten da­her auch die meis­ten Kran­ken­haus­ein­wei­sun­gen ver­hin­dern, was Kli­ni­ken spür­bar ent­las­te. Ins­ge­samt ent­spricht die ers­te Impf-Prio­ri­täts­stu­fe rund 8,6 Mil­lio­nen Men­schen.

Auf Ba­sis der Emp­feh­lung will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) an die­sem Frei­tag ei­ne Impf-Ver­ord­nung un­ter­zeich­nen, die die Grund­la­ge für vor­aus­sicht­lich am 27. De­zem­ber be­gin­nen­de Imp­fun­gen schafft. In der ers­ten Pha­se sol­len sie über bis zu 442 re­gio­na­le Impf­zen­tren in den Län­dern lau­fen. Dort sol­len auch mo­bi­le Impf­teams an­ge­dockt wer­den, die in Pfle­ge­hei­me und Kli­ni­ken ge­hen. Erst spä­ter sol­len Imp­fun­gen dann auch über nor­ma­le Arzt­pra­xen mög­lich sein.

Laut Stiko-Emp­feh­lung sol­len nach der ers­ten Stu­fe wei­te­re Grup­pen mit hö­he­ren Ri­si­ken vor­ran­gig ge­impft wer­den kön­nen. Zur Stu­fe 2 mit sie­ben Mil­lio­nen Men­schen ge­hö­ren Äl­te­re zwi­schen 75 und 79 Jah­ren, Men­schen mit De­menz oder ei­ner geis­ti­gen Be­hin­de­rung in Ein­rich­tun­gen und dort tä­ti­ges Per­so­nal so­wie Men­schen mit Down Syn­drom. Fol­gen sol­len rund 5,7 Mil­lio­nen Men­schen in Stu­fe 3, dar­un­ter 70- bis 74Jäh­ri­ge, Men­schen nach Or­gan­trans­plan­ta­tio­nen, Be­woh­ner und Per­so­nal in Ge­mein­schafts­un­ter­künf­ten et­wa für Kin­der und Ju­gend­li­che, Asyl­su­chen­de, Ob­dach­lo­se oder Frau­en­häu­ser, so­wie en­ge Kon­takt­per­so­nen von Schwan­ge­ren und Pfle­ge­be­dürf­ti­gen.

Zu Stu­fe 4 ge­hö­ren dem­nach 6,9 Mil­lio­nen Men­schen, dar­un­ter Äl­te­re zwi­schen 65 und 69 Jah­ren und et­wa auch Lehr­kräf­te, Er­zie­her so­wie Men­schen mit pre­kä­ren Ar­beits- und Le­bens­be­din­gun­gen – zum Bei­spiel In­haf­tier­te, Sai­son­ar­bei­ter, Be­schäf­tig­te in Ver­teil­zen­tren oder der fleisch­ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie. Stu­fe 5 ent­spricht rund 8,4 Mil­lio­nen Men­schen, dar­un­ter 60- bis 64-Jäh­ri­ge, Per­so­nal in Schlüs­sel­po­si­tio­nen der Lan­des- und Bun­des­re­gie­run­gen so­wie Mit­ar­bei­ter im Ein­zel­han­del und der „kri­ti­schen In­fra­struk­tur“wie Po­li­zei, Feu­er­wehr und Öf­fent­li­chem Per­so­nen­nah­ver­kehr (ÖPNV).

Letz­te Impf-Prio­ri­tät ha­ben dem­nach al­le üb­ri­gen un­ter 65 Jah­ren, was et­wa 45 Mil­lio­nen Men­schen ent­spricht. „Mit­tel­fris­tig ist es das Ziel, al­len Men­schen ei­nen gleich­be­rech­tig­ten Zu­gang zu ei­ner Imp­fung ge­gen Co­vid-19 an­bie­ten zu kön­nen“, er­läu­ter­te die Stiko. Die Emp­feh­lung sol­le künf­tig auch nach Ver­füg­bar­keit von mehr Impf­stof­fen ak­tua­li­siert wer­den, da­bei könn­ten auch Ziel­grup­pen an­ge­passt wer­den.

RKI-Prä­si­dent Lothar Wie­ler sag­te, um die Vi­rus-Aus­brei­tung deut­lich ab­zu­schwä­chen, müs­se ein Groß­teil der Be­völ­ke­rung ei­ne Im­mu­ni­tät ent­wi­ckeln. Imp­fen mit ef­fek­ti­ven und si­che­ren Impf­stof­fen leis­te da­her ei­nen ent­schei­den­den Bei­trag zur Be­kämp­fung der Pan­de­mie. Es wer­de je­doch dau­ern, bis ein re­le­van­ter Teil der Be­völ­ke­rung durch Imp­fung ge­schützt sei. Zu­dem sei un­klar, in wel­chem Maß die Imp­fung auch Über­tra­gun­gen des Vi­rus ver­hin­de­re oder re­du­zie­re. Da­her blie­ben Maß­nah­men wie Ab­stand, Mas­ken und Hy­gie­ne wich­tig.

Die Deut­sche Stif­tung Pa­ti­en­ten­schutz for­der­te noch Nach­bes­se­run­gen. Spahn müs­se pfle­gen­de An­ge­hö­ri­ge auf die­sel­be Prio­ri­täts­stu­fe set­zen wie Pfle­ge­be­dürf­ti­ge selbst, sag­te Vor­stand Eu­gen Brysch. Au­ßer­dem soll­ten auch in­ten­siv­be­at­me­te schwer­kran­ke Pa­ti­en­ten, die zu Hau­se ver­sorgt wer­den, die höchs­te Impf-Prio­ri­tät er­hal­ten. Es wä­re un­ver­ant­wort­lich, sie erst im Som­mer zu imp­fen.

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