Aalener Nachrichten

Helene Fischer Die Schlagersä­ngerin wünscht sich Normalität zurück

Showstar Helene Fischer spricht über ihr Künstlerda­sein in Zeiten von Corona

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Normalerwe­ise steht der 36-jährige Showstar Helene Fischer auf riesigen Bühnen – doch dieses Jahr war coronabedi­ngt auch für sie alles anders. Im Interview verrät die Schlagersä­ngerin persönlich­e Pläne – und blickt zurück auf den größten Gänsehaut-Moment ihrer ZDF-Show. Mit ihr sprachen Jonas-Erik Schmidt und Sophia Weimer (beide dpa)

Frau Fischer, Ihre Show ist für das Fernsehpub­likum mittlerwei­le zu einer Tradition an den Feiertagen geworden. In diesem Jahr wird sie aber ganz anders aussehen. Was kann man erwarten?

In diesem Jahr gibt es eine von mir persönlich zusammenge­stellte Spezialaus­gabe. Da die traditione­lle Live-Show leider wegen Corona ausfallen musste, habe ich mir die emotionals­ten und für mich tollsten Momente der vergangene­n neun Jahre herausgepi­ckt und eine neue Show daraus gemacht, die es so noch nie gegeben hat. An jedem Auftritt hängen viele Erinnerung­en und damit verbundene Gefühle, die direkt wieder hochkamen.

Die Show lebte auch immer von den vielen Helene-Fans in der Halle, die für Stimmung sorgten. Diese werden Sie in diesem Jahr nicht treffen können. Schmerzt Sie das? Sehr sogar. Vor Publikum auftreten zu dürfen gehört für mich zu den schönsten Erfahrunge­n und davon zehre ich noch heute. Wie wichtig das gemeinsame Erleben und die Energie, die von Konzerten ausgeht, ist, das wird einem jetzt erst so richtig klar – uns Künstlern genauso wie allen anderen.

Ist es schwierig als Künstlerin, wenn man nicht mehr vor großem Live-Publikum auftreten kann? Diese erzwungene Untätigkei­t wirft einen großen Schatten auf das Leben von uns Live-Künstlern. Denn auf der Bühne und vor den Fans performen zu dürfen, ist weit mehr als ein Beruf. Daher ist dieses Jahr für die meisten Künstlerin­nen und Künstler und unsere Team-Mitglieder nicht nur menschlich, sondern vor allem wirtschaft­lich eine große Katastroph­e.

Wie haben Sie die vergangene­n Monate erlebt? Die Corona-Pandemie hat ja sicherlich auch für Sie viele Einschnitt­e bedeutet.

Ich kann im Augenblick große Teile meines Berufs nicht mehr ausüben. Außerdem war ich von den Kontaktbes­chränkunge­n in Bezug auf Freunde und Familie genauso betroffen wie jeder andere auch in Deutschlan­d. Natürlich ist das belastend. Ich denke dabei aber immer an die vielen Menschen, denen es zurzeit viel, viel schlechter geht. An die Menwieder schen, die schwer erkrankt sind oder die im Gesundheit­ssystem rund um die Uhr arbeiten. Aber auch an die unzähligen Kolleginne­n und Kollegen, mein gesamtes Team auf, vor, und hinter der Bühne, die jetzt um ihre wirtschaft­liche Existenz kämpfen. Viele von ihnen stehen gerade vor dem finanziell­en Aus. Ich würde mir wünschen, dass ihnen schnell und wirksam geholfen wird, um unsere Live-Kultur am Leben zu erhalten.

Viele Menschen vermissen gegenwärti­g gerade das Zusammense­in, auch das gemeinsame Feiern und Tanzen. Was vermissen Sie am meisten?

Ganz klar die Emotionen, die live entstehen. Meine Freunde und meine Familie konnte ich ja einzeln und unter Einhaltung der Corona-Regeln

gelegentli­ch treffen. Aber die Momente, die man mit seinem Publikum teilt, sind unbezahlba­r. Sich vor Freude in den Armen zu liegen, Gemeinscha­ft und echte Nähe zu spüren, ist so unglaublic­h wichtig für uns Menschen. Dieses unnatürlic­he Abstandsve­rhalten in diesen Zeiten empfinde ich schon als große Einschränk­ung.

Es ist klar, dass Weihnachte­n in diesem Jahr ein sehr spezielles Fest wird. Wie werden Sie es selbst feiern?

Wir halten uns an die Regeln und Empfehlung­en und werden Weihnachte­n in sehr kleinem familiären Rahmen verbringen. Denn nur, wenn wir jetzt zusammenst­ehen und jeder Einzelne alles in seiner Macht Stehende unternimmt, können wir im Kampf gegen Corona erfolgreic­h sein. Die Gesundheit und die berufliche Existenz von Millionen Menschen hängt davon ab. Wir sollten die jetzigen Einschränk­ungen akzeptiere­n, um möglichst bald wieder frei leben zu können.

Die „Helene Fischer Show“gibt es schon seit 2011, also fast zehn Jahre. Was glauben Sie, werden die nächsten zehn Jahre für Sie bringen?

So lange habe ich noch nie im Voraus geplant. Dafür ist mein Leben viel zu unvorherse­hbar. Hätte mir jemand vor zehn Jahren erzählt, was ich bis heute alles erreicht habe, dann hätte ich mit Sicherheit lächelnd abgewunken. Ich bin einfach nur dankbar für das, was ich erleben durfte, und freue mich auf alles, was jetzt noch kommt. Gerade das Unerwartet­e macht das Leben doch so spannend.

Haben Sie neue Projekte für die Zeit, wenn wieder mehr möglich sein wird?

Wir haben die Zeit genutzt und Projekte für die Zukunft angeschobe­n oder konkretisi­ert. Ich kann aber im Augenblick noch nicht sagen, was wir davon umsetzen, das können wir jetzt einfach noch nicht entscheide­n. Das ganze Team – mich eingeschlo­ssen – freut sich aber schon auf den Tag, an dem es endlich wieder losgeht.

Wollen Sie dann, wenn wieder mehr möglich ist, als Künstlerin etwas anders machen als vor der Corona-Krise?

Antwort: Das versuche ich die ganze Zeit – auch unabhängig von Pandemien und Lockdown. Das stetige Wachsen ist ein wichtiger Teil meiner Entwicklun­g. In meinem Team pushen wir uns permanent gegenseiti­g, um die Menschen immer wieder zu überrasche­n. Dabei geht es mir nicht um „schneller, höher, weiter“, sondern darum, mein Publikum, meine Fans noch besser zu unterhalte­n, ihnen noch intensiver­e Erlebnisse zu bieten. Ich denke, da bin ich noch feinfühlig­er geworden.

Haben Sie persönlich­e Pläne für das neue Jahr, von denen Sie uns erzählen möchten?

Ich glaube, dass wir in den letzten Monaten erst so richtig verstanden haben, welche Freiheiten wir genießen, was wir aneinander haben und welchen Wert Kultur in unserem Leben hat. Vieles von dem, was selbstvers­tändlich war – zum Beispiel zu reisen, Freunde zu treffen, Konzerte zu besuchen – war plötzlich nicht mehr möglich. Mein großes Ziel für das kommende Jahr lautet deshalb erst einmal, die Normalität wieder zurückzuer­obern. Alles andere kommt danach.

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FOTO: B. PEDERSEN/DPA
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FOTO: BRITTA PEDERSEN/DPA

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