Aalener Nachrichten

Exo­ti­sche Ge­wür­ze am Mit­tel­meer schon vor 3700 Jah­ren

Im­por­te aus weit ent­fern­ten asia­ti­schen Län­dern las­sen sich am Zahn­stein von To­ten nach­wei­sen

- Archaeology · Social Sciences · Science · Mediterranean Sea · Ludwig Maximilian University of Munich · Munich · William Welch · Italy · Egypt · Israel · Asia · Harvard University · Planck · Ashley Scott

(epd) - Asia­ti­sche Ge­wür­ze wie Kur­ku­ma ha­ben den Mit­tel­meer­raum laut ei­ner Stu­die schon deut­lich frü­her er­reicht als bis­her an­ge­nom­men. Be­reits vor rund 3700 Jah­ren sol­len die Men­schen in der Le­van­te – dem öst­li­chen Mit­tel­meer­raum – über exo­ti­sche Ge­wür­ze, Früch­te und Öle ver­fügt ha­ben, wie der Archäo­lo­ge Phil­ipp Stock­ham­mer von der Lud­wig-Ma­xi­mi­li­an­sU­ni­ver­si­tät (LMU) in Mün­chen her­aus­ge­fun­den hat. Dies sei „ei­ni­ge Jahr­hun­der­te, zum Teil so­gar Jahr­tau­sen­de frü­her als ge­dacht“, sag­te Stock­ham­mer laut Mit­tei­lung. Dem­nach be­stand be­reits im 2. Jahr­tau­send vor Chris­tus ein re­ger Fern­han­del: „Die ers­ten Spu­ren der Glo­ba­li­sie­rung“, wie es die For­scher nen­nen. Un­ter den ge­han­del­ten Gü­tern be­fan­den sich et­wa Se­sam, Ba­na­nen und So­ja.

Ge­mein­sam mit ei­nem in­ter­na­tio­na­len Team ana­ly­sier­te Stock­ham­mer die Rück­stän­de von Nah­rungs­mit­teln im mensch­li­chen Zahn­stein. Die­se be­leg­ten, dass Men­schen in der spä­ten Bron­ze- und frü­hen Ei­sen­zeit in den Mit­tel­meer­län­dern öst­lich von Ita­li­en be­reits Kur­ku­ma,

Ba­na­nen oder So­ja ver­zehr­ten. Dies sei der frü­hes­te di­rek­te Nach­weis die­ser Le­bens­mit­tel au­ßer­halb Süd­und Os­t­a­si­ens, sag­te Stock­ham­mer. Der Fern­han­del sei ver­mut­lich über Süd­asi­en und Me­so­po­ta­mi­en oder Ägyp­ten ge­lau­fen. Das For­scher­team führ­te Un­ter­su­chun­gen an 16

Ver­stor­be­nen aus den Fund­or­ten Me­gid­do und Tel Era­ni, die im heu­ti­gen Is­ra­el lie­gen, durch. Die Re­gi­on in der süd­li­chen Le­van­te ha­be im 2. Jahr­tau­send v. Chr. ei­ne wich­ti­ge Brü­cken­funk­ti­on zwi­schen dem Mit­tel­meer­raum, Asi­en und Ägyp­ten ge­habt. Die Wis­sen­schaft­ler nah­men

Pro­ben aus den Zäh­nen Ver­stor­be­ner und ana­ly­sier­ten, wel­che Ei­wei­ße und Pflan­zen­res­te der Er­näh­rung sich im Zahn­stein er­hal­ten ha­ben. „Wer kei­ne Zahn­hy­gie­ne be­treibt, ver­rät uns Archäo­lo­gen noch nach Tau­sen­den von Jah­ren, wo­von er sich er­nährt hat“, sag­te Stock­ham­mer.

„Pa­laeo-Pro­te­in-Ana­ly­sen“heißt laut LMU die­ser neue wis­sen­schaft­li­che Zu­gang, mit dem Hin­wei­se auf Nah­rungs­mit­tel iden­ti­fi­ziert wer­den kön­nen, die an­sons­ten nur we­ni­ge ar­chäo­lo­gi­sche Spu­ren hin­ter­las­sen. Ein­zel­ne Ei­weiß­ab­schnit­te ei­nem Nah­rungs­mit­tel zu­zu­ord­nen, sei nicht leicht – ins­be­son­de­re da die Pro­te­ine so alt sei­en. In­ter­es­san­ter­wei­se sei­en all­er­gie­aus­lö­sen­de Pro­te­ine of­fen­bar im Zahn­stein am sta­bils­ten, er­läu­tern die For­sche­rin­nen Chris­ti­na War­in­ner und Ash­ley Scott, die den nun im Fach­ma­ga­zin „PNAS“ver­öf­fent­lich­ten Ar­ti­kel ver­fasst ha­ben.

Zu dem in­ter­na­tio­na­len Stu­di­en­team zäh­len Wis­sen­schaft­ler der LMU Mün­chen, der Uni­ver­si­tät Har­vard und des Max-Planck-In­sti­tuts für Mensch­heits­ge­schich­te in Je­na.

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FO­TO:FO­TO: ME­GID­DO EXCAVATION

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