Aalener Nachrichten

In die­ser Stern­schnup­pe steckt je­de Men­ge Mu­sik

Mar­git Sar­holz und Wer­ner Mei­er ma­chen Kin­der­lie­der – auch für die Weih­nachts­zeit

- Von Chris­tia­ne Wohl­haupter Music · Entertainment · Backstube Wünsche · Pápa · East Germany · Spotify · Apple Inc · Amazon · Munich · Notre-Dame de Paris · Bocholt · Stainz · Sextus Pompeius Festus · Erding · Theater für Kinder · Spotify · Apple Music

Lie­bes Christ­kind, ich weiß ich bin ziem­lich spät dran. Was meinst du, ob ich mir trotz­dem et­was wün­schen kann?“, so be­ginnt das Stück „Wunsch­zet­tel“auf dem „Win­ter­lie­der“-Al­bum des Du­os Stern­schnup­pe. Si­cher rei­hen sich in den Rei­gen der Wün­sche Din­ge wie ei­ne Pup­pe oder der zu­ge­hö­ri­ge Pup­pen­wa­gen. Aber auch Im­ma­tri­el­les wie der Wunsch, dass die Oma bald aus dem Kran­ken­haus kommt oder dass sich Ma­ma und Pa­pa an Hei­lig­abend nicht strei­ten. Für die Kin­der­lie­der­ma­cher Mar­git Sar­holz und Wer­ner Mei­er, die hin­ter Stern­schnup­pe ste­cken, hat Weih­nach­ten ei­nen ho­hen Stel­len­wert. Na­tür­lich nicht der Ge­schen­ke we­gen. „Es gibt bei uns an Weih­nach­ten nicht tau­send Ge­schen­ke. Aber es ist schön, sich im Vor­feld zu über­le­gen, wie man dem Be­schenk­ten ei­ne Freu­de macht. Die­se Zu­wen­dung, die da­hin­ter steckt, wenn man sich in je­man­den hin­ein­ver­setzt, das ist ei­gent­lich das Schö­ne“, fin­det Mar­git Sar­holz. „Mei­ne Frau ist da pla­ne­ri­scher un­ter­wegs und weiß schon im Au­gust, was ich zu Weih­nach­ten be­kom­me. Ich bin da et­was spä­ter dran“, er­gänzt Wer­ner Mei­er la­chend. Seit 30 Jah­ren ver­brin­gen Sar­holz und Mei­er den ers­ten Weih­nachts­fei­er­tag mit ei­nem Fest­es­sen um­ge­ben von lie­ben Men­schen aus drei Fa­mi­li­en. „Die­ses Jahr fällt das na­tür­lich aus. Ich hof­fe, dass wir das nächs­tes Jahr wie­der ma­chen kön­nen“, sagt Sar­holz.

Nor­ma­ler­wei­se ist die Ad­vents­zeit ein Hö­he­punkt im Jahr des Stern­schnup­pe-Du­os aus dem ober­baye­ri­schen Ot­ten­ho­fen (Kreis Er­ding). Ein Auf­tritt folgt auf den nächs­ten. Fa­mi­li­en ei­ne gu­te Zeit zu be­sche­ren, in leuch­ten­de Kin­der­au­gen zu bli­cken – da­für ste­hen Stern­schnup­pe auf der Büh­ne. „Wir sind 2020 gut ge­star­tet mit ei­nem neu­en Pro­gramm. Nach vie­len Auf­trit­ten kam das dann mit knir­schen­den Brem­sen im März zum Stopp. Dann gab es noch ein paar Open-Air-Auf­trit­te im Som­mer“, re­sü­miert Mar­git Sar­holz. Die für die Ad­vents­zeit ge­plan­ten Kon­zer­te sind auf­grund der Co­ro­na-Si­tua­ti­on al­le aus­ge­fal­len. „Wir sind so ge­strickt: Gibt es ei­ne Kri­se, dann müs­sen wir uns et­was ein­fal­len las­sen. Wir ha­ben viel ge­macht, uns fort­ge­bil­det und auf zu­kunfts­träch­ti­ge Sa­chen ge­setzt“, be­rich­tet Sar­holz von der auf­tritts­frei­en Zeit. „Un­se­re CDs und Down­loads bie­ten uns ein ge­wis­ses Pols­ter. Aber es ist na­tür­lich ein wahn­sin­ni­ger Ein­schnitt – so­wohl fi­nan­zi­ell als auch künst­le­risch. Wir ver­mis­sen un­ser Pu­bli­kum.“Doch sie konn­ten al­le sechs Mit­ar­bei­ter ih­res Ver­la­ges wei­ter­be­schäf­ti­gen – oh­ne Kurz­ar­beit.

„Stern­schnup­pe ist wie ei­ne Fa­mi­lie und will auch Pro­duk­tio­nen für die gan­ze Fa­mi­lie ma­chen. Al­so gut ein­ge­spielt, mit gu­ten Tex­ten, gu­tem Klang“, wirbt Mei­er für den

Ver­lag. Denn Kin­der­lie­der soll­ten sei­nes Erach­tens nach min­des­tens ge­nau so hoch­wer­tig pro­du­ziert wer­den wie die Mu­sik für Er­wach­se­ne. Stern­schnup­pe will kei­nen Ein­heits­brei ab­lie­fern, son­dern be­dient sich mal an Sal­sa, mal an Wal­zer, mal an Reg­gae, mal an Rap und mal an Tan­go. „Man muss sich vor­stel­len, Kin­der hö­ren et­was, das ih­nen ge­fällt nicht ein- oder zwei­mal, son­dern hun­dert­mal. Man hat al­so Ver­ant­wor­tung, das gut zu ma­chen“, sagt Sar­holz. Zu­nächst hat sie Thea­ter für Kin­der ge­macht. Stück für Stück hat dann die Mu­sik im­mer mehr Ein­zug ge­hal­ten. Es folg­te ei­ne ers­te Kas­set­te mit Kin­der­lie­dern – da­mals noch mit hand­ge­mal­tem Co­ver. In­zwi­schen ha­ben Stern­schnup­pe um die 30 Al­ben pro­du­ziert, dar­un­ter auch „Oh Tan­nen­baum“, „Baye­ri­sche Win­ter­und Weih­nachts­lie­der“und „Win­ter­lie­der“.

„Bei uns wer­den die Pro­duk­tio­nen nicht schnell am Key­board ge­macht, son­dern mit Mu­si­kern. Ob jetzt mit den Münch­ner Phil­har­mo­ni­kern oder Qua­dro Nue­vo – wir su­chen uns die Bes­ten aus, da­mit es ein Fa­mi­li­en­spaß wird und nicht et­was, das die El­tern ge­nervt aus­hal­ten müs­sen. Even­tu­ell sol­len es sich die El­tern so­gar frei­wil­lig an­hö­ren“, sagt Wer­ner Mei­er la­chend. „Wir ha­ben die Lie­der­ma­cher aus der ehe­ma­li­gen DDR ken­nen­ge­lernt und wa­ren ganz an­ge­tan. Ähn­lich wie von den tsche­chi­schen Kin­der­fil­men, von de­ren Ernst­haf­tig­keit und den lie­be­vol­len Pro­duk­tio­nen. Ich weiß noch, dass ich da­mals ge­dacht ha­be: So müs­sen Sa­chen für Kin­der sein“, sagt Sar­holz.

Wer die Ent­wick­lung von der Kas­set­te zum Strea­m­ing­an­ge­bot mit­ge­macht hat, stellt zwei­fels­oh­ne Über­le­gun­gen zur wei­te­ren Ent­wick­lung der Mu­sik­bran­che an. „Ich kann mir vor­stel­len, dass durch Co­ro­na ei­ner­seits die Di­gi­ta­li­sie­rung noch ei­nen rich­ti­gen Schub er­lebt. An­de­rer­seits gibt es ja auch ei­nen Rück­wärts­trend, ei­ne Rück­be­sin­nung auf Säch­li­ches, das man in die Hand neh­men kann“, be­ob­ach­tet Mar­git Sar­holz.

Dem Duo ge­fällt noch im­mer die säch­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit der Mu­sik: al­so ei­ne CD, die man in der an­ge­dach­ten Rei­hen­fol­ge durch­hört, samt klei­ner Ge­schich­ten zwi­schen­durch und mit ei­nem hüb­schen Be­gleit­büch­lein in der Hand. Trotz­dem ist Stern­schnup­pe auch bei Strea­m­ing­an­bie­tern wie Spo­ti­fy, App­le Music oder Ama­zon Music ver­tre­ten und auch bei Kin­der­au­dio­sys­te­men

wie die Ti­ger­box oder dem Hör­bert.

Wo die Di­gi­ta­li­sie­rung dann doch sehr sinn­voll zum Ein­satz kommt ist, wenn am Hei­lig­abend aus der ka­tho­li­schen Kir­che St. Maximilian in Mün­chen ei­ne Vi­deo­über­tra­gung statt­fin­det. Am Hei­lig­abend spielt das Duo dort bei zwei Got­tes­diens­ten und ei­nem Kon­zert – na­tür­lich un­ter ent­spre­chen­dem Hy­gie­ne­kon­zept. Ein­ge­la­den hat in die gro­ße Kir­che im neu­ro­ma­ni­schen Stil, die manch­mal auch als Not­re Da­me an der Isar be­zeich­net wird, Stadt­pfar­rer Rai­ner Ma­ria Schieß­ler.

Für Mar­git Sar­holz zählt von den tra­di­tio­nel­len Lie­dern „Stil­le Nacht, Hei­li­ge Nacht“zu den Fa­vo­ri­ten. „Das ist das schöns­te Weih­nachts­lied mit ei­ner un­glaub­li­chen Kraft“, be­stärkt Wer­ner Mei­er. „Die­ses Ge­fühl von Trost, das man als Weih­nachts­ge­dan­ke spü­ren kann, das drückt sich wun­der­bar in die­sem Lied aus. Dass die Welt nicht nach dem Prin­zip Au­ge um Au­ge, Zahn um Zahn läuft, son­dern dass Lie­be das Haupt­prin­zip sein soll­te – das ist spür­bar in die­sem Lied“, schwärmt Sar­holz. „Die Weih­nachts­zeit, die Bot­schaft, dass ein Zei­ten­wan­del statt­fin­det, be­rührt uns sehr“, sagt sie. Ihr Mann er­gänzt: „Auch das In­ne­hal­ten ist wich­tig. Weih­nach­ten ist, al­lei­ne in den Wald hin­aus zu ge­hen. Weih­nach­ten ist kei­ne Par­ty, son­dern ein Fest, bei dem man ru­hig wird, in sich hin­ein­geht und her­un­ter­fährt.“

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FOTO: STERN­SCHNUP­PE

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