Aalener Nachrichten

Wag­nis Preis­stei­ge­rung

Märk­te scheu­en nach Aus­lau­fen der Mehr­wert­steu­er­sen­kung das En­de der Ra­bat­te

- Von Erich Rei­mann und The­re­sa Münch Lidl Stiftung & Co KG · Germany · Federation of German Consumer Organisations · North Rhine-Westphalia · The German government · Federation of German Consumer Organisations · Nikolaus Müller

(dpa) - Der 2. Ja­nu­ar 2021 wird ein span­nen­der Tag für den deut­schen Ein­zel­han­del. Denn sechs Mo­na­te nach der be­fris­te­ten Mehr­wert­steu­er­sen­kung müss­ten am ers­ten Ver­kaufs­tag des neu­en Jah­res ei­gent­lich die Prei­se wie­der nach oben ge­hen. Ei­gent­lich. Doch ob das wirk­lich ge­schieht, und in wel­chem Um­fang, das scheint auch we­ni­ge Ta­ge vor dem Stich­tag un­ge­wiss – vor al­lem bei Su­per­märk­ten und Dis­coun­tern.

„Der Wett­be­werb im deut­schen Le­bens­mit­tel­han­del ist bru­tal. Des­halb wird es für die Händ­ler nicht ein­fach wer­den, die Preis­er­hö­hun­gen wei­ter­zu­ge­ben“, ist Han­dels­ex­per­te Mar­tin Fass­nacht von der Wirt­schafts­hoch­schu­le WHU über­zeugt. Be­son­ders den Dis­coun­tern wie Al­di oder Lidl wer­de ein sol­cher Schritt schwer­fal­len. Denn sie hät­ten in der Pan­de­mie Markt­an­tei­le an die Su­per­märk­te ver­lo­ren. Mit sei­ner Ein­schät­zung steht Fass­nacht nicht al­lein. Der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Han­dels­ver­bands Deutsch­land, Ste­fan Genth, glaubt eben­falls, an­ge­sichts des ho­hen Wett­be­werbs­drucks sei­en die Spiel­räu­me für Preis­er­hö­hun­gen „äu­ßerst be­grenzt“. Und auch die Ver­brau­cher­zen­tra­le

Nord­rhein-West­fa­len geht nicht da­von aus, dass al­le Händ­ler auf Preis­er­hö­hun­gen in er­heb­li­chem Um­fang set­zen wer­den.

Ei­ne Schlüs­sel­rol­le spie­len nach Ein­schät­zung des Fach­blat­tes „Le­bens­mit­tel Zei­tung“die gro­ßen Dis­coun­ter Al­di und Lidl. Ih­re Preis­po­li­tik wer­de dar­über ent­schei­den, wie sich die Mehr­wert­steu­er­er­hö­hung zum Jah­res­wech­sel auf die Re­gal­prei­se aus­wir­ken wer­de. „Soll­te ei­ner der gro­ßen Play­er die Prei­se nicht er­hö­hen, wol­len al­le an­de­ren nach­zie­hen“, schreibt das Blatt. Dass die Mehr­wert­steu­er ein The­ma ist, mit dem sich die Händ­ler ger­ne pro­fi­lie­ren, zeig­te sich schon bei der Sen­kung im Som­mer. Da­mals war­te­te Lidl den Stich­tag für die Steu­er­sen­kung gar nicht ab, son­dern senk­te schon mehr als ei­ne Wo­che vor­her die Prei­se. Der zu­sätz­li­che Ra­batt kos­te­te den Dis­coun­ter nach ei­ge­nen An­ga­ben ei­nen drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag.

Die Bun­des­re­gie­rung hat­te im Früh­som­mer be­schlos­sen, den Mehr­wert­steu­er­satz vom 1. Ju­li bis zum 31. De­zem­ber von 19 auf 16 Pro­zent zu sen­ken. Der er­mä­ßig­te Satz, der für vie­le Le­bens­mit­tel und Wa­ren des täg­li­chen Be­darfs gilt, wur­de von sie­ben auf fünf Pro­zent re­du­ziert. Das soll­te die Kon­junk­tur an­schie­ben und die Bür­ger mo­ti­vie­ren, teu­re An­schaf­fun­gen trotz Kri­se ein paar Mo­na­te vor­zu­zie­hen.

Im Rück­blick scheint vie­len die­se Stra­te­gie aber nicht wirk­lich auf­ge­gan­gen zu sein. „Ich glau­be, un­term Strich muss man sa­gen, die 20 Mil­li­ar­den Eu­ro, die sich dies der Bund für ein hal­bes Jahr hat kos­ten las­sen, da ste­hen Auf­wand und Er­trag nicht in ei­nem gu­ten Ver­hält­nis“, sag­te der Chef des Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­bands, Klaus Mül­ler.

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FO­TO: DPA Ein­kaufs­wa­gen bei Al­di: Wer traut sich als Ers­ter an hö­he­re Prei­se?

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