Aalener Nachrichten

Grund­ren­te soll ab Mit­te 2021 flie­ßen

We­gen Schwie­rig­kei­ten bei der Be­rech­nung ver­zö­gert sich die Aus­zah­lung

- Von Ba­sil We­ge­ner Business · Cottbus · Hubertus Heil · Auch · European Union · Andrea Nahles · 1. FC Union Berlin · Deutsche Post World Net · Ursula von der Leyen · German Federal Pension Insurance

(AFP) - Be­zie­her der ab Ja­nu­ar gel­ten­den Grund­ren­te müs­sen noch bis Mit­te kom­men­den Jah­res auf ihr Geld war­ten. Dann wer­de die Grund­ren­te aber rück­wir­kend zum 1. Ja­nu­ar ge­währt, sag­te Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD): „Rent­ne­rin­nen und Rent­ner, de­nen die Grund­ren­te zu­steht, wer­den ih­re An­sprü­che al­so in vol­ler Hö­he be­kom­men.“Das Ge­setz zur Grund­ren­te tritt zwar am 1. Ja­nu­ar in Kraft. We­gen des ho­hen Ver­wal­tungs­auf­wan­des ins­be­son­de­re bei der Ein­kom­mens­prü­fung ver­zö­gert sich die Aus­zah­lung. Auch die Co­ro­na-Kri­se spiel­te da­bei ei­ne Rol­le.

(dpa) - Mit­ten in der Pan­de­mie star­tet zum 1. Ja­nu­ar ei­ne der größ­ten Neue­run­gen des Ren­ten­sys­tems seit Jah­ren – die Grund­ren­te für Rent­ner mit schma­len Be­zü­gen. Trotz des fes­ten Ter­mins wer­den die rund 900 000 Frau­en und 400 000 Män­ner, die den Auf­schlag be­kom­men, noch für Mo­na­te nichts von dem Geld se­hen. Was ist da hin­ter den Ku­lis­sen los? Und was kommt im neu­en Jahr noch Neu­es bei der Ren­te?

Gar kei­ne im Wes­ten oder nur mar­gi­na­le Er­hö­hung im Os­ten Ei­nes än­dert sich an­ders als in den Vor­jah­ren nicht: die Ren­ten­hö­he. Im Wes­ten bringt der Co­ro­na-Ein­bruch bei den Löh­nen den Rent­ne­rin­nen und Rent­nern ei­ne Null­run­de. Die Be­zü­ge im Os­ten wer­den mar­gi­nal um 0,72 Pro­zent er­höht. Schon im Jahr dar­auf dürf­ten die Ren­ten wie­der um rund 5 Pro­zent stei­gen. „Wir sind froh über die sta­bi­len Fi­nan­zen in der Ren­ten­ver­si­che­rung“, sagt de­ren Prä­si­den­tin, Gun­du­la Roß­bach.

Das än­dert sich 2021 bei der Ren­te

Es geht wei­ter wie ge­wohnt. So wird die re­gu­lä­re Al­ters­gren­ze auf dem Weg zur Ren­te mit 67 leicht auf 65 Jah­re und 10 Mo­na­te an­ge­ho­ben. Die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze, bis zu der Ar­beits­ein­kom­men bei der Be­rech­nung des 18,6-pro­zen­ti­gen Ren­ten­bei­trags be­rück­sich­tigt wer­den, steigt auf 7100 Eu­ro in den al­ten und 6700 Eu­ro in den neu­en Län­dern. Al­ters­rent­ner, die ih­re re­gu­lä­re Al­ters­gren­ze noch nicht er­reicht ha­ben, dür­fen 46 060 statt wie bis­her 44 590 Eu­ro hin­zu ver­die­nen, oh­ne dass die Ren­te ge­kürzt wird. Und 81 Pro­zent der Ren­te muss ver­steu­ern, wer 2021 neu in den Ru­he­stand geht – bis­her 80 Pro­zent.

Re­geln für die Grund­ren­te

Den Plan ei­nes Auf­schlags für Men­schen mit lan­gen Bei­trags­zei­ten, aber Mi­ni­ren­ten gibt es schon lan­ge. Da­bei er­folg­los blie­ben die heu­ti­ge EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin Ur­su­la von der Ley­en, da­mals CDU-Ar­beits­mi­nis­te­rin, und ih­re Nach­fol­ge­rin Andrea Nah­les (SPD). Dann strit­ten Uni­on und SPD fast bis zum Ko­ali­ti­ons­bruch dar­über – und ei­nig­ten sich im Herbst 2019 doch. Den Auf­wie schlag be­kommt nun, wer min­des­tens 33 Jah­re Bei­trä­ge aus Be­schäf­ti­gung, Kin­der­er­zie­hung oder Pfle­ge auf­weist und mehr als nur er­gän­zen­des Ein­kom­men et­wa durch Mi­ni­jobs hat­te. Das sind die Grund­ren­ten­zei­ten. Den vol­len Auf­schlag er­hält aber nur, des­sen Mo­nats­ein­kom­men als Rent­ner bei ma­xi­mal 1250 Eu­ro bei Al­lein­ste­hen­den oder 1950 Eu­ro bei Ehe­leu­ten oder Le­bens­part­nern liegt. Ein­kom­men dar­über wer­den zu 60 Pro­zent an­ge­rech­net – bei 1300 Eu­ro ei­nes Al­lein­ste­hen­den al­so 50 Eu­ro zu 60 Pro­zent; die Grund­ren­te fie­le 30 Eu­ro nied­ri­ger aus.

Grund­ren­te fließt noch nicht

Ren­ten­prä­si­den­tin Roß­bach sagt: „Wir ha­ben den Auf­trag, bei 26 Mil­lio­nen Ren­ten fest­zu­stel­len, ob und

vie­le Grund­ren­ten­zei­ten vor­han­den sind.“Nicht al­le die­se Zei­ten sei­en in den di­gi­ta­len Ren­ten­kon­ten ge­spei­chert. „Wir müs­sen al­so Pro­gram­me er­stel­len, die die vor­han­de­nen Da­ten dar­auf­hin ana­ly­sie­ren.“Doch da­mit nicht ge­nug – denn es gibt ja noch die Ein­kom­mens­prü­fung. Dann müss­ten al­so über ei­ne neue Da­ten­au­to­bahn zwi­schen Fi­nanz­be­hör­den und Ren­ten­ver­si­che­rung die Ein­kom­men ge­prüft wer­den – auch die des Ehe­part­ners. „Das sind Da­ten, die bis­her für die Ren­ten­ver­si­che­rung nicht wich­tig wa­ren.“Des­halb fließt der­zeit noch kein Geld.

Grund­ren­te als IT-Pro­jekt

Da­mit der Zu­schlag auf An­hieb rich­tig an­kommt, ist viel IT-Fein­ar­beit bei der Ren­ten­ver­si­che­rung nö­tig. „Da­ten­tech­nisch ge­se­hen ist un­ser

Sys­tem der Ren­ten­be­rech­nung das So­zi­al­ge­setz­buch in Nul­len und Ein­sen“, er­klärt Roß­bach. Die Aus­wer­tung al­ler Ren­ten­kon­ten un­ter dem Ge­sichts­punkt der Grund­ren­te kom­me nun neu da­zu. „Wir hat­ten Hun­der­te Aus­le­gungs­fra­gen, bei de­nen wir recht­li­che Fest­le­gun­gen tref­fen muss­ten. Je­de die­ser Wei­chen­stel­lung muss pro­gram­miert wer­den.“Denn die Ma­schi­ne, das di­gi­ta­le Sys­tem der Ren­ten­kon­ten, ken­ne kei­nen Aus­le­gungs­spiel­raum. „All das, was sich aus die­sen Kon­ten nicht her­aus­le­sen lässt, müs­sen wir be­wer­ten, ge­ge­be­nen­falls nach­fra­gen und dann ein­ge­ben – das ist schon ein großer Auf­wand.“

Grund­ren­te als Job­pro­gramm

„Um den Grund­ren­ten­zu­schlag vor­zu­be­rei­ten, sind al­lein bei der DRV Bund knapp 1000 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter nö­tig“, be­rich­tet Roß­bach. Die DRV Bund leg­te da­für ei­ne ei­ge­ne Kam­pa­gne auf – 11 500 Be­wer­bun­gen gin­gen ein. „Wir ha­ben hier­für ein großes Ein­stel­lungs­pro­gramm für Quer­ein­stei­ger auf den Weg ge­bracht.“Die Neu­en wür­den nun schritt­wei­se qua­li­fi­ziert. „Im Mo­ment läuft viel Ei­n­ar­bei­tung – und das un­ter Co­ro­na-Be­din­gun­gen.“An­ge­sichts des Fach­kräf­te­man­gels kommt der Zu­wachs der Ren­ten­ver­si­che­rung durch­aus auch lang­fris­tig zu­pass. „Denn je­des Jahr ver­las­sen uns al­ters­be­dingt vie­le Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter“, sagt Roß­bach.

Nie­mand soll An­spruch ver­lie­ren

Ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) ver­si­chert: „Auch wenn die Aus­zah­lung noch ein paar Mo­na­te dau­ern wird – nie­mand wird sei­nen An­spruch ver­lie­ren, der jetzt grund­ren­ten­be­rech­tigt ist.“Ein An­trag ist nicht nö­tig. Die Re­gie­rung rech­net im Schnitt mit ei­nem Zu­schlag in Hö­he von mo­nat­lich 75 Eu­ro. Roß­bach kün­digt an, im Ju­li wür­den die ers­ten Be­schei­de ver­schickt. „Die Aus­zah­lung er­folgt rück­wir­kend zum Jah­res­be­ginn für all je­ne, die zum ers­ten Ja­nu­ar be­reits in Ren­te sind.“Die ers­te Post soll er­hal­ten, wer Mit­te 2021 neu in Ren­te geht. „Bei der Ab­ar­bei­tung der Fäl­le von den­je­ni­gen, die dann schon in Ren­te sind, wer­den wir mit den äl­tes­ten Jahr­gän­gen an­fan­gen und dann suk­zes­si­ve die an­de­ren ab­ar­bei­ten.“

 ?? FO­TO: STE­PHA­NIE PILICK/DPA ?? Zur Be­rech­nung der Bei­trä­ge muss zu­nächst die nö­ti­ge IT ein­ge­rich­tet wer­den. Die ers­ten Bei­trä­ge sol­len im Ju­li flie­ßen – auch rück­wir­kend.
FO­TO: STE­PHA­NIE PILICK/DPA Zur Be­rech­nung der Bei­trä­ge muss zu­nächst die nö­ti­ge IT ein­ge­rich­tet wer­den. Die ers­ten Bei­trä­ge sol­len im Ju­li flie­ßen – auch rück­wir­kend.

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