Aalener Nachrichten

Spar­ham­mer droht

- Von Ha­jo Zen­ker po­li­tik@schwa­ebi­sche.de Coronavirus (COVID-19) · Germany · Telecom Personal · Baden-Württemberg · Baden-Württemberg · M.J.van Wissen · Ministry of Health of Germany · Jens Spahn · Hausern

Die Co­ro­na-Pan­de­mie wird in die­sen Ta­gen für al­les Mög­li­che ver­ant­wort­lich ge­macht. Nun soll sie al­so für die wirt­schaft­li­che Mi­se­re vie­ler Kli­ni­ken, eben­so wie für die an­ge­spann­te Fi­nanz­la­ge der Kran­ken­kas­sen ur­säch­lich sein. Aber das Vi­rus trägt in bei­den Fäl­len we­nig Schuld.

Viel­mehr lässt die Co­ro­na-Kri­se schon lan­ge be­ste­hen­de Pro­ble­me um­so deut­li­cher her­vor­tre­ten – nach­dem zu­nächst noch vie­le Sor­gen mit viel Geld zu­ge­schüt­tet wor­den wa­ren. Et­wa, dass Deutsch­land zu vie­le Kran­ken­häu­ser hat. Von de­nen zu vie­le zu we­nig kön­nen. Wo­bei Bal­lungs­räu­me oft über­ver­sorgt, länd­li­che Ge­gen­den je­doch un­ter­ver­sorgt sind. Wes­halb es sinn­voll wä­re, Per­so­nal und Geld in hoch­mo­der­nen Häu­sern zu kon­zen­trie­ren, die op­ti­ma­le Ver­sor­gung bie­ten – für al­le. Dies ge­schieht in Ba­den-Würt­tem­berg be­reits, wäh­rend an­ders­wo Po­li­ti­ker noch ver­su­chen, un­po­pu­lä­re Kli­nik­schlie­ßun­gen wi­der bes­se­res Wis­sen zu ver­mei­den.

Auch dass vie­le Re­form­pro­jek­te von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn ge­wal­tig ins Geld ge­hen, hat zu­meist so gar nichts mit der Co­ro­na-Kri­se zu tun. Al­lein zwei da­von, das Ter­min­ser­vice- und Ver­sor­gungs­ge­setz so­wie das Pfle­ge­per­so­nal-Stär­kungs­ge­setz, ver­ur­sa­chen jähr­li­che Mehr­aus­ga­ben von fünf Mil­li­ar­den Eu­ro.

Da­für wird uns bald ei­ne Rech­nung prä­sen­tiert. Mas­si­ve Bei­trags­er­hö­hun­gen für die Kran­ken­ver­si­cher­ten ste­hen im Raum, weil die Ein­nah­men nicht mehr spru­deln. Ver­ges­sen ge­glaub­te Be­grif­fe wie Kos­ten­dämp­fungs­ge­setz dürf­ten auf­tau­chen – und da­für sor­gen, dass be­stimm­te Leis­tun­gen nicht mehr von den Kas­sen über­nom­men wer­den.

Weil all das ab­seh­bar ist, lohnt ei­ne De­bat­te: Wie viel Ge­sund­heit wol­len wir uns leis­ten, wie sol­len die Struk­tu­ren aus­se­hen, wie wol­len wir das al­les fi­nan­zie­ren? Das wä­re wahr­lich et­was, wor­über sich im Wahl­kampf zu strei­ten lohn­te. Statt jetzt den Man­tel des Schwei­gens dar­über zu brei­ten. Um nach der Wahl dar­un­ter den gro­ßen Spar­ham­mer her­vor­zu­zie­hen.

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