Aalener Nachrichten

Kei­ne Impf­pri­vi­le­gi­en

Die meis­ten Bran­chen leh­nen Be­vor­zu­gung ab

- German Ministry of Justice · Qantas · German Railway Corporation · Germany · Handelsverband Deutschland - Der Einzelhandel

(dpa) - Man kann sich das leicht aus­ma­len: Am Ein­gang zum Club fragt der Tür­ste­her erst nach dem Per­so­nal­aus­weis, dann nach dem Impf­aus­weis. Wer den Ur­laub bucht, gibt auch ei­ne Impf­pas­sNum­mer an. Ist das rea­lis­tisch? „Ganz all­ge­mein“kön­ne es pri­va­ten An­bie­tern im Rah­men der Ver­trags­frei­heit frei­ste­hen, „den Ab­schluss von Ver­trä­gen oder den Zu­tritt zu ih­ren Lie­gen­schaf­ten zu ver­wei­gern“, heißt es aus dem Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um. An­ders sei das teils im öf­fent­li­chen Per­so­nen- und Nah­ver­kehr oder beim Flug­ver­kehr, da ge­be es ge­wis­se Pflich­ten. Wol­len Un­ter­neh­men denn Nicht-Ge­impf­te aus­schlie­ßen?

Air­lines

: Für Auf­re­gung sorg­te im No­vem­ber die An­kün­di­gung der aus­tra­li­schen Air­line Qan­tas, auf be­stimm­ten Stre­cken nur noch Ge­impf­te mit­zu­neh­men. In der Bran­che lös­te das al­ler­dings eher Kopf­schüt­teln aus. „Wir hal­ten gar nichts da­von, die große Grup­pe der noch nicht Ge­impf­ten vom Luft­ver­kehr oder von den Ver­kehrs­trä­gern ins­ge­samt aus­zu­schlie­ßen“, sagt der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Luft­ver­kehrs-Ver­bands, Matthias von Ran­dow.

Bahn­fahr­ten:

Die Bahn, de­ren Ak­ti­en kom­plett dem Bund ge­hö­ren, schließt Pri­vi­le­gi­en oder Nach­tei­le auf Nach­fra­ge ein­deu­tig aus: „Die Deut­sche Bahn wird bei der Be­för­de­rung ih­rer Kun­den kei­nen Un­ter­scheid zwi­schen ge­impf­ten und nicht ge­impf­ten Pas­sa­gie­ren ma­chen.“

Beim Ein­kau­fen:

Für den Han­dels­ver­band HDE sagt Haupt­ge­schäfts­füh­rer

Stefan Genth: „Ei­ne Ein­tei­lung der Kun­din­nen und Kun­den in Ge­impf­te und Un­ge­impf­te ist nicht wün­schens­wert und in der Pra­xis auch si­cher kaum mög­lich.“

In der Gas­tro­no­mie:

„Für die­se Dis­kus­si­on ist es aus un­se­rer Sicht viel zu früh“, sagt die Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin des Bran­chen­ver­bands De­ho­ga, In­grid Hart­ges. „So­lan­ge nicht aus­rei­chend Impf­stoff für al­le zur Ver­fü­gung steht, brau­chen wir nicht über Zu­gangs­be­schrän­kun­gen zu spre­chen.“Auch recht­li­che Fra­gen sei­en of­fen.

Ver­an­stal­tungs­bran­che:

Der Prä­si­dent des Bun­des­ver­bands der Kon­zert­und Ver­an­stal­tungs­wirt­schaft, Jens Mi­chow, hält ei­ne Imp­fung als Ein­lass-Vor­aus­set­zung für nicht rech­tens. Ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung von nicht ge­impf­ten Per­so­nen wä­re „aus ju­ris­ti­scher Sicht ein Ver­stoß ge­gen den Gleich­heits­grund­satz des Ar­ti­kel 3 Ab­satz 3 un­se­res Grund­ge­set­zes“, sagt der Ju­rist. „Da­her wä­re es aus mei­ner Sicht auch dem Staat ver­wehrt, ein Ge­setz zu er­las­sen, wel­ches ei­ne be­vor­zug­te Be­hand­lung von ge­impf­ten Per­so­nen re­gelt.“

Im Aus­land:

Klar ist, dass an­de­re Län­der ei­ne Co­ro­na-Imp­fung zur Be­din­gung für die Ein­rei­se ma­chen könn­ten, wie es das schon für Gelb­fie­ber gibt. Und die Air­line Qan­tas dürf­te ih­re Re­geln wohl auch in Deutsch­land um­set­zen. Na­tür­lich stellt sich dann wie­der die Fra­ge der Kon­trol­le.Ei­nen Im­mu­ni­täts­aus­weis hat­te der Deut­sche Ethik­rat im Sep­tem­ber zwar klar ab­ge­lehnt – aber un­ter Ver­weis auf me­di­zi­ni­sche Un­klar­hei­ten.

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