Aalener Nachrichten

Mer­kel ge­denkt der Co­ro­na-To­ten

Kanz­le­rin weist Ver­schwö­rungs­theo­ri­en zu­rück – Kret­sch­mann dankt für So­li­da­ri­tät

- Von Marc Fleisch­mann Medical Activism · Anti-Vaccers · European Politics · Medicine · Politics · Angela Merkel · Winfried Kretschmann · Germany · The Weekend · Telecom Personal · Israel · Robert Koch Institute · European Union · Europe · Benjamin Netanyahu · Pfizer · Jerusalem · Jens Spahn · Ministry of Health of Germany · Bild

(KNA/dpa) - Die Co­ro­naPan­de­mie und ih­re Be­wäl­ti­gung stellt nach den Wor­ten von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) ei­ne „po­li­ti­sche, so­zia­le, öko­no­mi­sche Jahr­hun­dert­auf­ga­be“dar. In ih­rer tra­di­tio­nel­len Neu­jahrs­an­spra­che dankt die Re­gie­rungs­che­fin laut vor­ab ver­brei­te­tem Text den Bür­gern für Ver­trau­en und Ge­duld, „sich auf die­sen his­to­ri­schen Kraft­akt ein­zu­las­sen“. Sie er­in­ner­te an die Op­fer der Pan­de­mie und bat bei al­ler Hoff­nung auf­grund der Imp­fun­gen wei­ter um Ge­duld und Aus­dau­er: „Es wird noch ei­ne gan­ze Zeit an uns al­len lie­gen, wie wir durch die­se Pan­de­mie kom­men. Der Win­ter ist und bleibt hart.“

„Am En­de die­ses atem­lo­sen Jah­res heißt es auch, ein­mal in­ne­zu­hal­ten – und zu trau­ern“, sag­te die Kanz­le­rin. „Wir dür­fen als Ge­sell­schaft nicht ver­ges­sen, wie vie­le ei­nen ge­lieb­ten Men­schen ver­lo­ren ha­ben, oh­ne ihm in den letz­ten St­un­den nah sein zu kön­nen. Ich kann ih­ren Schmerz nicht lin­dern. Aber ich den­ke an sie, ge­ra­de auch heu­te Abend.“

An­ge­sichts der Ver­lus­te, der Trau­er und der Nach­wir­kun­gen der Krank­heit sei­en Ver­schwö­rungs­theo­ri­en „nicht nur un­wahr und ge­fähr­lich, sie sind auch zy­nisch und grau­sam die­sen Men­schen ge­gen­über“, mahnt die CDU-Po­li­ti­ke­rin.

Der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann dank­te in sei­ner An­spra­che zum Jah­res­wech­sel al­len Bür­gern, die sich für die Be­wäl­ti­gung der Kri­se ein­set­zen. Die Pan­de­mie ha­be deut­lich ge­macht, wie wich­tig staat­li­che In­sti­tu­tio­nen und ein wohl­ge­ord­ne­tes Ge­mein­we­sen sei­en. Dem­ge­gen­über ha­be der Po­pu­lis­mus den Rea­li­täts­test nicht be­stan­den, sag­te der Grü­nen-Po­li­ti­ker.

(dpa) - In Deutsch­land wird seit dem ver­gan­ge­nen Wo­chen­en­de ge­gen das Co­ro­na­vi­rus ge­impft – im ers­ten Schritt Pfle­ge­be­dürf­ti­ge, Über-80-Jäh­ri­ge und me­di­zi­ni­sches Per­so­nal. Man­chen geht das viel zu lang­sam. In so­zia­len Netz­wer­ken wird da­zu ei­ne Grafik von der Web­site „Our World in Da­ta“der Ox­for­dU­ni­ver­si­tät ge­teilt. Die­se zeigt die ver­ab­reich­ten Do­sen pro 100 Ein­woh­ner in ver­schie­de­nen Län­dern. Deutsch­land be­legt nur ei­nen der hin­te­ren Plät­ze. Kommt Deutsch­land beim Imp­fen nicht vor­wärts und hat es ver­säumt, ge­nü­gend Impf­stoff zu kau­fen?

Die­se Aus­sa­gen sind zu pau­schal. Die Grafik muss hin­sicht­lich des Impf­starts je Land, der zu dem Zeit­punkt vor­han­de­nen Impf­do­sen und dem Auf­bau des Ge­sund­heits­we­sens dif­fe­ren­ziert be­trach­tet wer­den. Die Grafik bei „Our World in Da­ta“ver­gleicht ver­schie­de­ne Län­der nach nur ei­nem Kri­te­ri­um: der ver­ab­reich­ten Do­sen pro 100 Ein­woh­ner. An­de­re Fak­to­ren wer­den hier au­ßen vor­ge­las­sen. Das zeigt ein Ver­gleich zwi­schen dem Spit­zen­rei­ter Is­ra­el und Deutsch­land.

Die Bun­des­re­pu­blik impft seit ver­gan­ge­nem Wo­chen­en­de. Das Ro­bert-Koch-In­sti­tut (RKI) zeigt auf ei­ner werk­täg­lich ak­tua­li­sier­ten Ta­bel­le den Stand der er­folg­ten Imp­fun­gen un­ter an­de­rem nach Bun­des­län­dern. Die Ge­samt­zahl der Ge­impf­ten be­trug bis ein­schließ­lich Mon­tag, 28. De­zem­ber, ge­nau 41 962 Per­so­nen. Am 30. De­zem­ber um 11 Uhr in­for­mier­te das RKI über 78 109 Ge­impf­te in Deutsch­land.

In Is­ra­el läuft be­reits seit 19. De­zem­ber ei­ne mas­si­ve Impf­kam­pa­gne – und da­mit rund ei­ne Wo­che län­ger als in Deutsch­land. Seit­dem wur­den rund 650 000 Is­rae­lis ge­gen das Vi­rus ge­impft. Is­ra­el hat es ge­schafft, dass mitt­ler­wei­le täg­lich mehr als 150 000 Men­schen im­mu­ni­siert wer­den. Ins­ge­samt hat das Land knapp neun Mil­lio­nen Ein­woh­ner und da­mit et­wa neun­mal we­ni­ger als Deutsch­land mit rund 83 Mil­lio­nen. Un­ter­schie­de gibt es auch im Ge­sund­heits­we­sen: Wäh­rend es in Deutsch­land laut Spit­zen­ver­band der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen mehr als 100 ge­setz­li­che Kran­ken­kas­sen gibt, die in die­sen Impf­pro­zess ein­ge­bun­den sind, hat Is­ra­el nur vier gro­ße Kran­ken­kas­sen. Über die­se ist prak­tisch je­der Staats­bür­ger ver­si­chert. Da­zu ist das klei­ne Land un­ab­hän­gig, we­der in Eu­ro­pa ein­ge­bun­den noch in Bun­des­län­der auf­ge­teilt. Ei­ne zen­tra­le An­wei­sung der Re­gie­rung zum Imp­fen kann da­mit schnel­ler um­ge­setzt wer­den.

Is­ra­el hat sich zu­dem ei­gen­stän­dig Impf­do­sen be­sorgt. Nach An­ga­ben von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu wur­de mit Bi­ontech/ Pfi­zer die Lie­fe­rung von acht Mil­lio­nen Impf­do­sen und mit Mo­der­na sechs Mil­lio­nen ver­ein­bart. Im Land sol­len sich laut „The Je­ru­sa­lem Post“be­reits 3,2 Mil­lio­nen Do­sen von Bi­ontech/Pfi­zer be­fin­den. Im Ge­gen­satz da­zu hat sich Deutsch­land ent­schie­den, bei der Be­schaf­fung des Impf­stoffs „den eu­ro­päi­schen Weg zu ge­hen“, sag­te Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) bei Bild li­ve. Das heißt: Die EU be­stellt ge­mein­sam, die Impf­stof­fe wer­den un­ter den Mit­glieds­staa­ten nach Be­völ­ke­rungs­an­teil ver­teilt. Spahn ver­tei­dig­te im In­ter­view zu­dem die Men­ge: Deutsch­land ha­be viel Impf­stoff be­stellt. Bis zum Jah­res­wech­sel sol­len laut Spahn 1,3 Mil­lio­nen Do­sen zur Ver­fü­gung ste­hen. Ins­ge­samt er­war­te Deutsch­land von den Her­stel­lern Bi­ontech/Pfi­zer und Mo­der­na über 130 Mil­lio­nen Impf­do­sen. Spahn: „Die al­lein wür­den schon rei­chen im nächs­ten Jahr, um je­dem, der ge­impft wer­den will, ein Imp­f­an­ge­bot zu ma­chen.“

 ?? FO­TO: ULMER/IMAGO IMAGES ?? Bis­lang sind mehr als 78 000 Men­schen in Deutsch­land ge­impft wor­den.
FO­TO: ULMER/IMAGO IMAGES Bis­lang sind mehr als 78 000 Men­schen in Deutsch­land ge­impft wor­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany