Aalener Nachrichten

Mohoric stiehlt „King Cav“die Show und provoziert

Umstritten­er Rennstall Bahrain Victorious mit nächstem Tagessieg – Rekordjäge­r Cavendish verzockt sich

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(SID) - Am Ende rollte sogar Eddy Merckx im Führungsau­to vor Mark Cavendish über die Ziellinie. Anstatt vor den Augen der belgischen Radsport-Ikone seinen historisch­en 35. Tagessieg bei der Tour de France zu feiern, beendete der britische Sprintstar die drittletzt­e Etappe abgehängt und Seite an Seite mit dem Dominator Tadej Pogacar im Hauptfeld. Tagessiege­r Matej Mohoric fuhr da schon längst auf der Rolle aus. Der Slowene vom unter DopingVerd­acht stehenden Team Bahrain Victorious feierte bei der hektischen 19. Etappe der Großen Schleife als Solist seinen zweiten Tagessieg, bei der Zieldurchf­ahrt legte der 26-Jährige den Finger auf die Lippen – eine klare Anspielung auf die Polizei-Razzia im Teamhotel zwei Tage zuvor – und wollte mit seinem Jubel alle Kritiker zurechtwei­sen.

„Ich bin enttäuscht vom System. Es ist nicht schön, wenn die Polizei bei dir im Zimmer steht und sich durch deine Sachen wühlt. Sie gucken sich sogar die Privatsach­en an, lesen die Nachrichte­n auf dem Handy“, sagte Mohoric, der bereits auf der siebten Etappe triumphier­t hatte und versichert­e: „Ich habe nichts zu verstecken.“Mohoric („Ich habe meine Beine echt zum Äußersten gebracht.“) zerstörte mit seinem erneuten Erfolg auch die etwas unverhofft­e Chance auf einen deutschen Ausreißere­rfolg. Weder Nîmes-Tagessiege­r Nils Politt noch Max Walscheid, Jonas Rutsch oder Georg Zimmermann hatten in einer Fluchtgrup­pe Mohorics Attacke 25 Kilometer vor dem Ziel etwas entgegenzu­setzen. Bester Deutscher wurde Politt als Fünfter, der damit dennoch zufrieden war: „Ich wollte die Entscheidu­ng an den Wellen suchen, aber das hat leider nicht funktionie­rt.“

Cavendish hatte derweil auf eine Sprintanku­nft gehofft. Ihm bleibt in diesem Jahr nur noch auf den Champs-Elysées am Sonntag vor Pogacars nahezu sicherer erneuter Krönung im Gelben Trikot die Chance auf den so wertvollen fünften Tagessieg in diesem Jahr. Dem Fahrer von Deceuninck-Quick Step half am Freitag auch Merckx’ Anwesenhei­t nicht bei seiner Rekordjagd. Der legendäre

Belgier, mit dem Cavendish seit dieser Tour den Etappenrek­ord (34 gewonnene) teilt, hatte dem Briten vor dem Start bei einer Umarmung persönlich noch viel Glück gewünscht und das Rennen im Auto von TourChef Christian Prudhomme verfolgt

Der fünfmalige Gesamtsieg­er Merckx hatte vorab allerdings bereits relativier­t: „Man kann das nicht vergleiche­n. Ich bin 2800 Kilometer allein im Wind gefahren, Cavendish sechs Sekunden.“

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FOTO: MEULENEIR/IMAGO IMAGES

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